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22.07.2008 
Wirtschaftsbeziehungen wiederbeleben

Deutschland umgarnt den Irak

Das Anliegen der Kanzlerin ist klar: Die deutsche Wirtschaft soll im Irak stärker vom Wiederaufbau des Landes und der Erschließung der riesigen Öl- und Gasvorkommen profitieren. Dafür wollte sie jetzt in einem Gespräch mit Ministerpräsident Nuri al-Maliki den Weg ebnen. Doch auch Mailiki kam nicht ohne Forderungen nach Deutschland.

Für bessere Wirtschaftsbeziehungen: Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt den irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki. Foto: dpaLupe

Für bessere Wirtschaftsbeziehungen: Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt den irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki. Foto: dpa

HB BERLIN. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht gute Aussichten für einen Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zum Irak. Merkel sagte nach einem gut einstündigen Gespräch mit dem irakischen Ministerpräsident Nuri al-Maliki in Berlin, beide Länder hätten die Möglichkeit, ein neues Kapitel in ihren Beziehungen aufzuschlagen.

Die Kanzlerin betonte, bei dem Gespräch sei deutlich geworden, dass es eine große Bereitschaft und Offenheit für die Zusammenarbeit mit deutschen Firmen gebe. Die Sicherheitslage in Irak verbessere sich Schritt für Schritt. Dies sei die Voraussetzung dafür, dass der wirtschaftliche Aufbau in dem Land weiter voranschreiten könne.

Merkel sagte ferner deutsche Hilfe beim Aufbau föderaler Strukturen im Irak zu. Ferner betonte sie, dass der Irak alles unternehme, um die Flüchtlinge - egal welcher Religion sie angehörten - zur Rückkehr zu bewegen. Die Regierung von Ministerpräsident al-Maliki will mit Hilfe finanzstarker Investoren aus dem Westen die marode Infrastruktur modernisieren.

Vor allem die Ölförderung soll stark ausgeweitet werden. Der Irak verfügt mit bis zu 120 Milliarden Barrel (je 159 Liter) über die drittgrößten Erdölvorkommen der Welt. „Ich bin der Meinung, die Sicherheitslage hat sich so verbessert, dass deutsche Firmen durchaus in den Irak kommen können“, sagte al-Maliki.

Merkel ermutigte al-Maliki dazu, Kontakte mit der deutschen Wirtschaft zu knüpfen und zu vertiefen. So könnten Pakete vereinbart werden, zum Beispiel die Partizipation deutscher Firmen an Rohstoffvorkommen als Gegenleistung für die Bereitstellung technologischen Know-hows. „Wir sind bereit, ausländische Firmen zu empfangen“, sagte der irakische Ministerpräsident. Deutsche Firmen seien in allen Bereichen willkommen. Er nannte unter anderem die Sektoren Stahl und Zement.

Nach Handelsblatt-Informationen einigten sich Deutschland und der Irak darauf, die Investitionen ausländischer Investoren besser abzusichern. Dies gilt als wichtige Voraussetzung für die Rückkehr deutscher Firmen in den Irak. Maliki und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) wollen dazu am Mittwoch das Abkommen zur Förderung und zum Schutz von Investitionen unterzeichnen. Das Abkommen war monatelang zwischen beiden Regierungen verhandelt worden. Glos und Maliki nehmen heute an einem bilateralen Wirtschaftsforum teil.

Die deutsche Wirtschaft sieht Chancen für gute Geschäfte mit dem Irak. "In den 70er und 60er Jahren war die deutsche Wirtschaft für den Irak einer der wichtigsten Handelspartner überhaupt. Daran können wir anknüpfen", sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Axel Nitschke.

Hoffnung auf eine der lukrativen Öl-Förderlizenzen macht sich die BASF-Tochter Wintershall aus Kassel. Auch Siemens, MAN, Daimler loten derzeit die Chancen für einen Ausbau des Irak-Geschäfts aus. Der Autokonzern Daimler verhandelt mit der Regierung in Bagdad über den Bau von Bussen und Lastwagen. Er betreibt im kurdischen Norden bereits ein Ausbildungsprojekt. Lastwagen von MAN werden seit längerem in den Irak eingeführt.

2007 betrug das Handelsvolumen zwischen Deutschland und dem Irak nur etwa 360 Millionen Euro. In den Glanzzeiten vor Golfkriegen und Sanktionen waren es Milliardenbeträge.

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