Deutschland und Polen
Wirtschaft ignoriert politische Querelen

Schwieriger Besuch: Bundeskanzlerin Angela Merkel reist am Freitag nach Polen. Das politische Verhältnis zwischen beiden Ländern ist gespannt. Immer wieder entpuppt sich Warschau als unbequemer Partner. Dabei entwickeln sich die Wirtschaftsbeziehungen ungestört.

WARSCHAU. Es ist vor allem die Wirtschaft Polens, die international Eindruck macht. Das gilt besonders in diesen Tagen, da die isolationistische und EU-kritische Haltung der regieren-den Nationalkonservativen dem außenpolitischen Image des Landes schadet. „Unsere Unternehmer haben gelernt, sich gegen die Politik zu behaupten“, sagt Marek Goliszewski vom Business Centre Club, der wichtigsten Arbeitgebervereinigung Polens. Die Unternehmen sorgen dafür, dass die Konjunktur boomt und der Außenhandel die Verflechtung Polens in die globalen Märkte vorantreibt. Trotz der undurchsichtigen Manöver der Brüder Kaczynski gilt das Land weiterhin als attraktiver Standort für ausländische Direktinvestitionen.

Mit einem Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts von 5,8 Prozent 2006 gehört Polen zu den Wachstumslokomotiven in der EU. Analysten wie Witold Orlowski von Pricewaterhouse-Coopers und Ryszard Petru von der Bank Przemyslowo-Handlowy erwarten für 2007 sogar eine Zunahme um sechs bis sieben Prozent. Solche Wachstumsraten helfen den neuen EU-Staaten, sich auf das wirtschaftliche Niveau des Westens hochzuarbeiten. Allerdings dürfte es noch mindestens zehn Jahre dauern, bis Polen die durchschnittliche Wirtschaftsleistung pro Kopf der EU erreicht.

Neben der wachsenden Binnennachfrage ist es vor allem der Außenhandel, der die Konjunktur antreibt. 2006 legte der polnische Export um beachtliche 21 Prozent zu. Da die Importe weniger stark wuchsen, erzielte Polen sogar einen Überschuss im Außenhandel. Zunehmend exportieren polnische Unternehmen dabei hochwertige Güter wie Maschinen und Fahrzeuge.

Deutschland ist nach wie vor mit Abstand Polens wichtigster Handelspartner. Knapp 28 Prozent der polnischen Ausfuhren gehen in das westliche Nachbarland, während 24 Prozent der Einfuhren von dort kommen. Die deutschlandkritische Haltung der nationalkonservativen Führung um die Brüder Kaczynski hat dem bilateralen Warenaustausch bislang nicht geschadet. Das Statistische Amt in Warschau erwartet für 2007 sogar einen weiteren Anstieg des deutsch-polnischen Handels.

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