Deutschland und Türkei

Die Entfremdung

Nach dem Putschversuch driften die Türkei und Deutschland atemberaubend schnell auseinander. Nun fordert der türkische Präsident Erdogan die Auslieferung von Gülen-Anhängern. Was wird Kanzlerin Merkel tun?
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2015 war das Verhältnis noch einfacher: Die Kanzlerin und der türkische Präsident. Quelle: dpa
Angele Merkel und Recep Tayyip Erdogan

2015 war das Verhältnis noch einfacher: Die Kanzlerin und der türkische Präsident.

(Foto: dpa)

AnkaraBotschafter Martin Erdmann ist ein diplomatisches Schwergewicht, er vertrat Deutschland schon bei der Nato, seit knapp einem Jahr ist er der höchste Repräsentant der Bundesrepublik in Ankara. Deutschland und die Türkei sind wichtige Partner, gerade in diesen dramatischen Zeiten gäbe es viel zu besprechen. Das scheitert allerdings daran, dass niemand in der Regierung Erdmann noch empfängt. Seit dem 2. Juni ist der deutsche Botschafter kaltgestellt.

„Säuberungen“ in der Türkei: Weitere Entlassungen und Haftbefehle

An jenem Tag beschloss der Bundestag die Völkermord-Resolution zu den Armeniern, der Streit darüber ist vorübergehend von der Tagesordnung verdrängt worden, beigelegt ist er nicht. Seit dem Putschversuch in der Türkei hat die Entfremdung noch zugenommen - nicht nur zwischen den Regierungen in Berlin und Ankara, sondern vor allem zwischen den Gesellschaften in Deutschland und der Türkei, was noch alarmierender ist. Kaum zwei Länder auf der Welt sind so untrennbar miteinander verwoben, obwohl sie kulturell so unterschiedlich sind.

Mustafa Yeneroglu sieht es als seine Aufgabe, „Brücken zu bauen“ zwischen Deutschland, wo er aufgewachsen ist, und der Türkei, wo er seit einem Jahr für die Regierungspartei AKP im Parlament sitzt. Yeneroglu ist ein Vertrauter von Präsident Recep Tayyip Erdogan, der ihn im vergangenen Jahr zur Rückkehr in die Türkei drängte. Bis dahin lebte der heute 41-jährige Familienvater in Köln.

In Yeneroglus Seele schlagen zwei Herzen, eines für jedes seiner Heimatländer. Umso mehr schmerzt ihn, dass die Brücken zu kollabieren drohen und die Gräben immer tiefer werden. „Die antitürkische Stimmung hat in Teilen Europas einen traurigen Höhepunkt erreicht“, beklagt Yeneroglu – er beschreibt diese Stimmung als „irrational, oft feindlich, wenn nicht sogar als hasserfüllt“. Yeneroglu sagt, ihn erreichten immer mehr E-Mails von Türken in Deutschland, die in Erwägung zögen, die Bundesrepublik zu verlassen.

„Bis jetzt war ich glücklich, aber nun kommt mir jeder Bericht wie eine Beschimpfung meiner Persönlichkeit und meines Landes vor“, heißt es in einer dieser Mails, die Yeneroglu anonymisiert in Auszügen zur Verfügung stellte. Ein Schreiber fragt: „Meinen Sie auch, dass die Türken in Europa daran denken sollten, in die Türkei zurückzukehren? Oder sollten wir diese Rassisten bekämpfen?“ Resigniert der Ton einer weiteren Nachricht: „Wir sind weder hier zu Hause noch in der Türkei. Wir fühlen uns zu hundert Prozent türkisch, versuchen uns doch irgendwie als Deutsche zu fühlen und belügen uns selbst.“

Viele Türken – nicht nur Anhänger Erdogans - sehen sich und ihr Land nach dem Putschversuch völlig falsch dargestellt. Sie werfen deutschen Medien vor, den Widerstand der Zivilisten, die sich Panzern in den Weg stellten, bestenfalls am Rande gewürdigt zu haben. Dabei hätten diese Türken genau jene Demokratie mit ihrem Leben verteidigt, die die EU und Deutschland in Ankara immer wieder einfordern. Stattdessen sei sofort wieder der moralische Zeigefinger erhoben worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel ermahnte Erdogan erst am Donnerstag wieder öffentlich zur „Verhältnismäßigkeit“.

Erdogan orientiert sich allerdings schon lange nicht mehr an der EU
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  • Die Republik Türkei versteht sich laut Artikel 2 ihrer Verfassung als ein „demokratischer laizistischer und sozialer Rechtsstaat".

    Kemal Atatürk hatte den Laizismus eingeführt und Erdogan schafft ihn ab?

  • ...hat schon gewarnt.

    Warnen ist nie falsch. Deshalb warnt Jeder. Das BKA warnt, der Innenminister warnt, die Ministerpräsidentin warnt, mit warnen kann man nie falsch liegen.

    Passiert etwas, hatte man gewarnt ("rechtzeitig gewarnt"), passiert nichts wird die Warnung vergessen.

    Entscheidend ist aber, ob man den Grund der Warnung selbst verursacht hat.

    Selbst meine Oma hatte mich immer gewarnt, sie war auch etwas ängstlich.....

  • Köln, wo ich seit Jahrzehntenwohne, ist, auch über Jahrzehnte, eine traditionell willkommene "Bühne periodischer PKK-nahen Demonstrationen fast nach Belieben". Ich bin mir sicher, daß das liberale Köln auch eine berechtigte , friedliche Demonstration bzw. Solidaritätskundgebung nach "einem sehr beeindruckenden und schnell erfolgreichen Volksaufstand gegen eine androhende Militärdiktatur (vielleicht auch für Jahrzehnte geplant gewesen) in einem (früher mal) eng befreundeten Land , die direkt mit "Bombardieren des Türkischen Parlaments" anfing, wird vollherzig Willkommen heißen.. Die Mehrheit des türkischen Volkes ist nach wie vor und uneingeschränkt stolz auf ihre Loyalität zur ihrer parlamentarischen Demokratie, die übrigens vor ca. 100 Jahren von Kemal Atatürk eingeführt wurde.

  • Steht das nun auch irgendwo im Punktekatalog. Wer braucht solche Menschen hier im Land, die diese Machenschaften unterstützen und am Wochenende dafür in NRW auch noch eine Demonstrationsgenehmigung erhalten.

    Was sich die hiesige Politik erlaubt und durchgehen lässt, wird das deutsche Volk dauerhaft zu spüren bekommen. Tut es ja jetzt schon.

    Zunächst erst einmal am Sonntag die Polizisten, die das Versagen einer in Deutschland verfehlten Politik wieder zu spüren bekommen.

    Es würde mich wundern, wenn dem nicht so ist. Die Ministerpräsidentin hat schon gewarnt.

    Ob die Kurden sie erhören werden oder lieber auf Recep hören, darf geraten werden.

    Und wehe sie raten falsch!

  • Herr Kurz ist ein ausgezeichneter Mann. Ich wäre froh, wenn wir in Deutschland viele Politiker seiner Statur hätten.

  • Und wer jetzt noch als Deutsch-Türke Pro-Erdogan ist, soll seinen deutschen Pass abgeben und in die Türkei zurückgehen.

  • Frau Merkel hat nichts zu tun. Sie entscheidet weder über eine Auslieferung, noch über Asylanträge. Da kann Erdogan fordern, was er will. Wenn die Türken in Deutschland eine angeblich antitürkische Stimmung feststellen, dann sollten sie sich mal fragen, wo die wohl herkommen mag. Wenn die Mehrheit der Türken die Politik von Erdogan unterstützt, ist diese Stimmung nur verständlich. Diese Menschen dokumentieren damit nur, dass sie in Deutschland nicht integriert sind und es wohl auch nicht wollen. Warum wollen sie dann noch hier bleiben? Beim Demonstrationsrecht sollte es jedenfalls strenge Auflagen geben. Es reicht ja schon, wenn wir ständig die Konflikte bei Demos haben, die von linken gegen rechte Demos ausgehen. Das brauchen wir nicht auch noch bei Demos mit Erdogan Anhänger, Gülen Anhänger, Kurden usw. Unsere Sicherheitsbeamten sind schon mit dem IS ausreichend beschäftigt.

  • Erdogan - Größenwahn

  • Der österreichische Aussenminister vertritt zu den Pro-Erdogan-Demos eine klare Position:

    "Wer sich in der türkischen Innenpolitik engagieren will, dem steht es frei, unser Land zu verlassen", sagte der Minister in einem Telefoninterview aus Washington.

  • Merkel: „Dies ist eine historische Bewährungsprobe"
    Die Frau ist krank, wann wird sie abgeholt.

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