Deutschland vermittelt umfangreichen Gefangenenaustausch: Israel und Hisbollah tauschen Gefangene aus

Deutschland vermittelt umfangreichen Gefangenenaustausch
Israel und Hisbollah tauschen Gefangene aus

Israel und die libanesische Hisbollah-Miliz haben sich auf einen Gefangenenaustausch geeinigt. Deutschland hatte vermittelt und überwacht nun auch die Umsetzung.

HB BERLIN. Unter deutscher Vermittlung haben sich Israel und die libanesische Hisbollah-Miliz auf einen umfassenden Gefangenentausch verständigt. Nach Angaben des israelischen Anwalts Zvi Risch, der zwei in Israel inhaftierte Libanesen vertritt, wird der Austausch am kommenden Dienstag beginnen, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet.

Für die korrekte Umsetzung des Gefangenenaustauschs will die deutsche Bundesregierung sorgen. Das bekräftigte der Koordinator für die Nachrichtendienste im Kanzleramt, Ernst Uhrlau, am Samstag. Die Regierung sei entschlossen, den Interessenausgleich bis zu Ende zu begleiten, sagte er.

Unter den Gefangenen, die im Laufe der kommenden Woche freigelassen werden sollen, ist auch der seit 1997 in Israel inhaftierte Deutsche Steven Smyrek. Uhrlau zeigte sich erfreut über den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz. An der Vermittlung war Uhrlaus Angaben zufolge auch Iran.

Der Austausch solle innerhalb von einer Woche abgeschlossen werden, wie der Geheimdienstkoordinator weiter sagte. Ähnlich wie bei einem Gefangenenaustausch 1999 werde der Transport über Deutschland abgewickelt. Aus Regierungskreisen verlautete, dass wahrscheinlich die Bundeswehr den Transport übernehme.

Der Austausch umfasst laut AP die Übergabe des seit dem Jahr 2000 gefangenen israelischen Geschäftsmanns Elhanan Tennenbaum und die sterblichen Überreste dreier israelischer Soldaten, die Freilassung von 400 Palästinensern, 23 Libanesen und einzelner syrischer, marokkanischer, sudanesischer und libyscher Staatsbürger. Außerdem sollen die Leichen von 59 gefallenen Libanesen in ihre Heimat übergeführt und das Schicksal von 24 in Libanon Vermisster aufgeklärt werden.

Daneben sei geplant Karten über Landminen in Südlibanon auszutauschen, wie es hieß. Eine zweite Übereinkunft sehe vor, dass beide Seiten sich umgehend darum bemühen, das Schicksal des israelischen Piloten Ron Arad aufzuklären. Sobald er in die Heimat übergeführt worden sei, würden weitere Palästinenser freigelassen. Inoffiziell wird davon ausgegangen, dass der 1986 über Libanon abgeschossene Pilot nicht mehr am Leben ist.

Die Bundesregierung ist seit Beginn der 90er Jahre humanitär im Nahen Osten engagiert, wie Uhrlau mitteilte. Einen Teilerfolg habe man bereits Weihnachten 1999 erzielt, als fünf Libanesen über Deutschland nach Libanon ausreisen konnten. Seit Sommer 2003 seien Ansätze eines Durchbruchs zu erkennen gewesen. Mitarbeiter des BND seien «im Pendelverkehr als ehrliche Makler beider Seiten» erfolgreich eingesetzt worden. Auch Uhrlau selbst hielt sich seinen Worten zufolge zeitweise in der Region auf.

Smyrek wird Uhrlau zufolge von Israel direkt nach Deutschland ausreisen. Der 32-Jährige war 1997 in Israel verhaftet und zwei Jahre später wegen Mitgliedschaft in der Hisbollah zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Smyrek komme als freier Mann nach Deutschland, sagte Uhrlau.

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