Deutschland wichtigster Handelspartner der Türkei
Außenhandelsverband für Türkei-Beitritt

Der deutsche Außenhandelsverband BGA hat für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen der EU mit der Türkei plädiert. Ein türkischer EU-Beitritt könne kräftige Wachstumsimpulse auch für die deutsche Wirtschaft bringen.

HB BERLIN. „Der deutsche Groß- und Außenhandel befürwortet die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei aus ökonomischen und politischen Grünen“, sagte der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton Börner, in Berlin. Eine privilegierte Partnerschaft ohne EU-Vollmitgliedschaft, wie sie die CDU-Vorsitzende Angela Merkel fordere, brächte indes wirtschaftliche und politische Risiken mit sich.

Die langfristigen finanziellen Folgen eines Nicht-Beitritts der Türkei wären um ein Vielfaches höher als die erwarteten Beitrittskosten, sagte der BGA-Präsident. Für den Fall eine Beitritts erwarte er eine „beitrittsinduzierte Wachstums- und Gewinnspirale“. Deutschland als größer Handelspartner der Türkei könne davon besonders profitieren.

Eine privilegierte Partnerschaft der Türkei in der EU sei keine Alternative, denn diese bestehe faktisch schon, sagte Börner. Die Frage laute: „Vollmitgliedschaft oder Status Quo“. Mit einem Nein zu Beitrittsverhandlungen würde man Reformern in dem Land in den Rücken fallen.

Zudem riskiere man, dass in der islamische Türkei dann radikalislamische und antidemokratische Tendenzen die Oberhand gewännen. „Ein Anker der Stabilität würde ersatzlos wegfallen“, sagte Börner. Langfristig könne das eine Bedrohung der Demokratie werden und zudem negative Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit Europas mit Öl haben.

Die EU-Kriterien zur Aufnahme von Beitrittsverhandlungen hat die Türkei nach BGA-Auffassung praktisch erfüllt. Es gebe „viel Licht und nur wenig Schatten“. Auch sei die Türkei inzwischen eine funktionierende Marktwirtschaft.

Deutschland ist mit 13,2 Prozent der Importe und 17,2 Prozent der türkischen Exporte der wichtigste Handelspartner des Landes. Die deutschen Exporte in die Türkei stiegen 2003 um 18 Prozent auf knapp neun Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2004 lag das Plus gar bei 50 Prozent.

Ein EU-Beitritt der Türkei würde nach Börners Worten aus EU-Mitteln vor allem zu einem massiven Ausbau der Infrastruktur in dem Land führen, von dem deutschen Firmen überproportional profitieren würden. Die erwarteten Mehrkosten eines Beitritts für Deutschland von geschätzt rund zwei Mrd. Euro würden dadurch weit mehr als ausgeglichen.

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