Devisenreserven schaffen Polster für Investitionen: Algerien will sich vom Terror-Image befreien

Devisenreserven schaffen Polster für Investitionen
Algerien will sich vom Terror-Image befreien

Düstere Zeiten liegen hinter Algerien, zehn Jahre voller Terror und Unruhen. Ein schlechtes Image ist seit den Neunzigern haften geblieben, die Entführung der Sahara-Urlauber hat diesen Eindruck vertieft. Doch seit fünf Jahren ist die Sicherheitslage in Algeriens Städten stabil, Algier bereitet Präsidentschaftswahlen vor, die Modernisierung der Wirtschaft trägt erste Früchte.

BOCHUM. „In Algerien entwickelt sich ein attraktiver, schnell wachsender Markt, der auch für deutsche Investoren interessant wird“, sagte Walter Englert, stellvertretender Geschäftsführer des Afrika-Vereins dem Handelsblatt. Auf einer Serie von Informationsveranstaltungen mit der IHK Bochum weist Englert auf die deutlich verbesserten Rahmenbedingungen für ausländisches Engagement hin. Dank der in enger Abstimmung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) betriebenen Konsolidierungspolitik habe Algier ein Devisenpolster von 32 Mrd. $ geschaffen, mit dem Reformen solide finanziert werden können.

„Algerien ist kein Dritte-Welt-Land, sondern enorm reich,“ unterstreicht der deutsche Botschafter in Algier, Wolf Kischlat. Ihn ärgert die Zerrbilder, die von dem nordafrikanischen Staat gezeichnet werde. „Das Bild eines von Terror zerrissenen Staates ist nicht mehr zeitgemäß. Algerien hat sich dramatisch gewandelt.“ Die USA haben das Potenzial längst erkannt. Sie bauen ihre Präsenz in Nordafrika massiv aus und versuchen Algerien im Rahmen ihrer Anti-Terror- und Demokratisierungsstrategie in internationale Organisationen zu integrieren.

Demokratie und Transparenz sind in Algerien jedoch zarte Pflänzchen. Zwar finden im April Präsidentschaftswahlen statt. Doch die Begleitumstände der seit Monaten tobenden Auseinandersetzungen in der Einheitspartei FLN (Nationale Befreiungsfront) lassen Beobachter an der politischen Stabilität zweifeln. Präsident Abdelasis Bouteflika und sein innerparteilicher Herausforderer Premier Ali Benflis liefern sich einen Machtkampf, der die Regierungspartei spaltet. Offiziell hält sich das Militär, ohne dessen Plazet bislang kein Präsident sein Amt hatte antreten können, zwar zurück. Generalstabschef Mohammed Lamari verkündete vor kurzem die Neutralität der Generäle. Doch ist es kein Geheimnis, dass Bouteflika den Militärs ein Dorn im Auge ist, weil er zu viele Kompromisse mit islamistischen Kräften eingegangen ist. Zum Bruch zwischen Präsident und Premier war es gekommen, als Benflis die Privatisierung der Erdölindustrie blockierte. Der Erdöl- und Gassektor ist Algeriens Fluch und Segen zugleich. Er beschert der Staatskasse sprudelnde Einnahmen, dank derer die Regierung den Abbau von Schulden betreiben und erste Modernisierungsmaßnahmen hatte einleiten können. Aber das leicht verdiente Geld hat den Reformdruck zugleich abgeschwächt.

Sobald die neue Regierung im Amt ist, will Algier den Transformationsprozess nun intensiver vorantreiben. Dann soll auch Ernst mit der Privatisierung gemacht werden. „Wir brauchen Know-how in Management, Markterschließung und Technologie“, sagt Algeriens Botschafter Mourad Bencheikh. Algiers möchte die Abhängigkeit vom Öl beenden und Investitionen in Umwelttechnik, Wasserversorgung, Infrastruktur und Industrieausrüstungen kanalisieren. Für deutsche Firmen sieht Englert ein lukratives Betätigungsfeld, denn die in den 70er und 80er Jahren gelieferten Ausrüstungen stammen zu 60 % von deutschen Lieferanten.

Der beabsichtigte Beitritt Algeriens zur WTO noch 2004 und das Assoziierungsabkommen mit der EU dürften dafür sorgen, dass Zollschranken fallen und nichttarifäre Handelshemmnisse abgebaut werden. Die Terrorgefahr sieht Kischlat ohnehin als gebannt an: „Die Sicherheitslage spricht nicht mehr gegen eine Vertiefung der Wirtschaftskontakte.“

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