Die 80er-Jahre sind zurück
Amerikas kalte Krieger

Die Krim-Krise hat nicht nur US-Präsident Obama politisch demontiert. Der demokratischen Präsidentschaftshoffnung Hillary Clinton droht das gleiche Schicksal. Dank Putin haben die Hardliner in den USA Hochkonjunktur.
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New YorkWas für eine seltene Einigkeit: Demokraten und Republikaner überbieten sich in Washington gegenseitig darin, Wladimir Putin zu verurteilen und Russland zu verunglimpfen. Der blinde Schulterschluss der politischen Elite in den USA hat nur einen Fehler: Er hilft niemandem weiter. Die US-Politik steht vor dem Rücksturz in die 1980er-Jahre.

Man hat es fast schon geahnt: Es war niemand anderes als die für ihre verbalen Entgleisungen berüchtigte Sarah Palin, die am Wochenende noch einmal Öl ins Feuer gießen musste. „Mister Präsident, es gibt nur eines, was einen bösen Menschen mit einer Atombombe stoppen kann, und das ist ein guter Mensch mit einer Atombombe“, lautete der Rat der radikal-konservativen Tea-Party-Politikerin an den amtierenden US-Präsidenten Barack Obama, über den sie sich zuvor ob seiner kraftlosen Außenpolitik noch lustig gemacht hatte.

Es ist die bisher schärfste Annäherung eines US-Politikers an einen denkbaren Waffengang mit Russland in der Krim-Krise. Die frühere Gouverneurin von Alaska nimmt für sich in Anspruch, im Wahlkampf 2008 all das schon vorausgesehen zu haben: Ein hartes amerikanisches Durchgreifen in Georgien seinerzeit hätte ihrer Überzeugung nach Russland zu mehr Vorsicht veranlasst. Stattdessen habe man Putin ermutigt, sich die Ukraine als nächstes vorzunehmen.

Palin nutzte die CPAC, die Conservative Political Action Conference, für ihre markigen Sprüche. Über zwei Duzend hoffnungsvolle Kandidaten setzten sich beim großen Schaulaufen der republikanischen Partei in Washington von Donnerstag bis Samstag vor tausenden republikanischen Aktivisten als der nächste potenzielle Präsident der Vereinigten Staaten in Szene. Wer kandidieren will, der muss hier durch.

Wenn sich auch sonst niemand so weit aus dem Fenster lehnen wollte wie Palin, so kristallisierte sich in den drei Tagen ein Tenor bei allen Reden klar heraus: Obama ist Schuld, dass die USA nicht mehr ernst genommen werden und das werden wir wieder ändern. Das Sendungsbewusstsein ist stärker denn je: „Noch niemals hat diese Welt amerikanische Führung dringender nötig gehabt als heute“, zeigte sich der republikanische Senator John McCain schon auf einer Veranstaltung Anfang der Woche in Washington überzeugt.

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  • Die Ukraine ist zum geopolitischen Spielball geworden. Die Situation in dem osteuropäischen Land ist komplex und sicherlich nicht so, wie es uns die westlichen Propagandamedienmaschinen Glauben machen wollen.


    Die Ukraine ist ein tief gespaltenes Land. Mitte des 17. Jahrhundert teilten es Polen und Russen unter sich. Knapp 150 Jahre später ging der westlichste Teil – Ostgalizien mit Lemberg als Zentrum – im Zuge der dritten polnischen Teilung zur Habsburger Doppelmonarchie über, der Rest, einschließlich der nun so begehrten Halbinsel Krim, war Teil des russischen Zarenreiches.

    In den russischen Bürgerkriegswirren nach dem ersten Weltkrieg war Land für nur wenige Monate unabhängig, nach dem zweiten Weltkrieg ging die Ukraine direkt in sowjetischen Besitz über. Die 23 Jahre Unabhängigkeit seit dem Zerfall des Sowjetreiches stellen die längste Phase ukrainischer Eigenstaatlichkeit seit mehr als 350 Jahren dar – diese dürfte sich nun dem Ende nähern.

    Die Situation in dem osteuropäischen Land ist komplex und sicherlich nicht so, wie es uns die westlichen Propagandamaschinen Glauben machen wollen. Russland ist keinesfalls der bösartige Aggressor wie der Westen behauptet, aber genauso wenig der friedliebende Beschützer verfolgter russischer Minderheiten wie es aus dem Osten tönt.

    Janukowitsch ist ebenso ein geld- und machtgieriger Politiker wie die „Gasprinzessin“ Timoschenko. Figuren wie Vladimir Klitschko wurden jahrelang von der United States Agency for International Development (USAID) oder auch den Open Society Instituten von George Soros aufgebaut, um den westlichen Bürgern mit bekannten Gesichtern vorzugaukeln, es ginge in der Ukraine um Freiheit und Demokratie.
    Der EU kommt der Konflikt ebenfalls nicht ganz ungelegen. Lenkt er doch von der katastrophalen Situation zuhause ab: Von Portugal bis Griechenland herrschen Not und Elend in der EU-Südschiene. Das ist schlecht, zumal in Mai Wahlen fürs EU-Parlament.

  • @Bietchekoopen

    „Für eine bessere Welt hilft nur eins: Bilderberger und Transatlantiker als terroristische Vereinigung brandmarken und verfolgen!“

    Mag sein. Man muss sich aber auch im Klaren sein, dass die Welt dann nicht automatisch „besser“ würde. Sich einig zu sein, dem Hegemon vors Schienenbein zu treten, begründet noch nicht per se eine tragfähige Ordnung, die das Machtvakuum, welches er hinterlässt, füllen könnte. Da machen sich viele Illusionen und wundern sich dann, was hochkommt und dass Umstürze in gescheiterten Staaten und Bürgerkriegen münden, sobald die verbindende Klammer, das Angenervtsein vom Unterdrücker wegfällt und man plötzlich feststellt, dass jeder was anderes mit der neuen Freiheit anfangen möchte. Also immer schön Schritt für Schritt. Rom ist auch nicht an einem Tag gefallen, es hat auch Vorteile, wenn das mit Washington ähnlich läuft…

  • Genau wegen der Pleite brauchen die USA den Krieg. Seit ca 10 Jahren werden Staatsausgaben, sprich Militärausgaben, zum BIP der USA hinzugerechnet. Rechnen Sie mal den Schuldenstand ohne diesen Trick aus.
    Für eine bessere Welt hilft nur eins: Bilderberger und Transatlantiker als terroristische Vereinigung brandmarken und verfolgen! Die kaufen Parlamente und sie sind die Feinde der Demokratie und freier Medien

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