Die Abhängigkeit der Welt von Rohöl und Erdgas aus dem Nahen Osten und Nordafrika wird steigen
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Die Nachfrage nach Öl und Gas steigt in den nächsten 25 Jahren um 50 Prozent. Um die Abhängigkeit von der arabischen Welt zu verringern, müssen die Industrienationen in Atomkraft und erneuerbare Energien investieren, fordert die Internationale Energieagentur.

PARIS. Als die Bahrain Petroleum Company im Oktober 1931 das erste große Ölvorkommen auf der Arabischen Halbinsel anbohrte, konnte sich in der unterentwickelten Wüstenregion niemand ausmalen, wie wichtig die Scheichtümer einmal für die Energieversorgung der Welt werden würden. Einzig der gebürtige Neuseeländer Frank Holmes hatte den richtigen Riecher. Der Ex-Offizier der britischen Armee hatte seit den 20er-Jahren Konzessionen unter anderem in Saudi-Arabien erworben – bei den Arabern brachte ihm dies einen Ehrentitel ein: Abu Naft – Vater des Öls.

Heute ist die Region der größte Ölförderer der Erde, in ihrem Boden ruhen die meisten Ressourcen. Die Internationale Energieagentur (IEA), die über die strategischen Ölreserven der in der OECD zusammengeschlossenen Industriestaaten wacht, warnt in ihrem aktuellen Weltenergieausblick jetzt deutlich: Die Abhängigkeit der Welt von Saudi-Arabien, aber auch von den anderen Ölländern im Nahen Osten und Nordafrika (Mena) wird in Zukunft noch steigen.

Bereits heute sorgen die Mena-Länder für 35 Prozent der Weltölproduktion. Im Jahr 2030 wird dieser Anteil nach Schätzung der IEA auf 44 Prozent zulegen. Zu den wichtigsten Kunden zählen derzeit neben den USA Japan, China und Indien. Viele EU-Länder wie Deutschland hängen ebenfalls an der Region: Die Bundesrepublik bezieht ihr Öl neben Russland, Norwegen und Großbritannien auch aus Libyen.

Die steigende Abhängigkeit birgt viele Risiken: In den Mena-Ländern schlummert zwar nach Einschätzung der IEA der größte Teil der weltweit noch verbliebenen Öl- und Gasreserven. In kaum einer Region lassen sie sich auch so günstig heben – in Saudi-Arabien kostet die Förderung eines Barrels Rohöl (je 159 Liter) heute nur 2,50 Dollar. Doch die Region ist derzeit vor allem dank Ländern wie Irak und Iran ein Hort politischer Instabilität.

„Drei Viertel des Wachstums beim Angebot werden von sehr wenigen Ländern kommen, darunter auch Saudi-Arabien und der Irak“, sagt Fatih Birol, Chefvolkswirt der Energieagentur. Klar sei aber auch, dass in den vergangenen zwanzig Jahren beinahe alle schweren Störungen des Ölmarktes im Nahen Osten ihre Ursachen gehabt hätten.

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