Die Angst geht um in Europa
Terrorangst: Berlusconi sucht Nähe der Opposition

Italiens Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi lief es bereits kalt über den Rücken, als die mittlerweile abgewählte spanische Regierung sich noch felsenfest davon überzeugt zeigte, dass die ETA hinter den verheerenden Anschlägen von Madrid steht.

HB ROM. „Wenn es El Kaida war, könnten wir die Nächsten sein“, vertraute er seinen Ministern seine Befürchtungen an. Die Wahlniederlage seines Freundes José María Aznar, die nach Meinung der italienischen Kommentatoren auf die Täterschaft El Kaidas zurückzuführen ist, macht für Berlusconi vermutlich alles noch schwieriger.

Denn zusammen mit Aznar hatte er die Irak-Politik des gemeinsamen Freundes George W. Bush unterstützt. Und ebenso wie Aznar hatte Berlusconi damit gegen den Willen des Großteils seines Landsleute gehandelt, die vor einem Jahr zu Mill. mit Friedensfahnen auf die Straße gegangen waren.

Hätte ein Terroranschlag in Italien möglicherweise für Berlusconis Regierung die gleichen Folgen wie für Aznars Konservative, fragt man sich daher jetzt in Rom. Würde sich in so einem Fall der Zorn der Italiener gegen Berlusconi wegen dessen Irak-Politik richten?

Der Regierungschef hat jedenfalls sofort reagiert. Zwar stehen in Italien erst in zwei Jahren Parlamentswahlen an und die Oppositionsparteien sind in Sachen Irak untereinander zerstritten, doch Berlusconi hat sich sofort für eine gemeinsame Massenkundgebung von Regierung und Opposition gegen den Terrorismus ausgesprochen. Schon nach dem Anschlag gegen italienische Soldaten im irakischen Nasirija im vergangenen November mit mehr als 30 Toten - davon 19 Italienern - war es Berlusconi gelungen, die Nation um sich zu scharen.

Der Terror lässt Berlusconi auch die Nähe der linksgerichteten Opposition suchen. Die Italiener leben seit Donnerstag schließlich unabhängig von ihrer politischen Überzeugung mit der Angst, Italien - und vor allem die „Ewige Stadt“ Rom - könnte das nächste Ziel der islamischen Terroristen sein.

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