„Die Bevölkerung ist wohlgenährt“
Nigers Präsident sieht kaum Hungernde in seinem Land

Für den Präsidenten des Niger, Mamadou Tandja, ist die Hungersnot in seinem Land weniger dramatisch als international dargestellt. Dem britischen Rundfunksender BBC sagte er, Berichte über eine Hungersnot seien „falsche Propaganda“. Hilfsorganisationen sehen das ganz anders.

HB NIAMEY/KÖLN. Am Montag hatte das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) mit einer groß angelegten Verteilung von Lebensmitteln an die Bevölkerung begonnen. In einem lokalen Ausgabezentrum 90 Kilometer westlich der Hauptstadt Niamey seien erstmals 35 Tonnen Getreide, Hülsenfrüchte und Speiseöl an mehr als 2000 Menschen verteilt worden, bestätigte eine WFP- Sprecherin in Genf. In den kommenden zwei Monaten soll in Zusammenarbeit mit der Regierung von Niger rund 3,6 Millionen, unter ihnen etwa 800 000 Kinder, Menschen geholfen werden. Sie sind nach einer Heuschreckenplage und einer Dürre im westafrikanischen Land vom Hunger bedroht.

Demgegenüber erklärte Tandja, die herrschende Nahrungsmittelknappheit sei nicht ungewöhnlich für sein Land und treffe derzeit die gesamte Sahel-Zone. Grund dafür seien Ernteausfälle sowie die Heuschreckenplage des vergangenen Jahres. „Die Bevölkerung von Niger sieht wohlgenährt aus“, erklärte Tandja. Allerdings gehen seit Wochen Bilder von abgemagerten und sterbenden Kindern in Niger um die Welt.

Außerdem beschuldigte er die UN und andere Organisationen, dass sie politische und wirtschaftliche Ziele verfolgten. „Solche Organisationen kommen nur durch Betrug an Finanzmittel“, erklärte der Präsident. Seine Regierung bemühe sich seit dem vergangenen Jahr mit Hilfe von Lebensmittelsubventionen um eine Beilegung der Krise.

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, UNICEF, forderte eine bessere Versorgung der hungernden Menschen. Die Diakonie Katastrophenhilfe stockte ihre Unterstützung auf 200 000 Euro auf. Mit Beginn der Regenzeit in wenigen Wochen verschärfe sich die Gefahr für die rund 192 000 akut unterernährten Kinder, teilte UNICEF in Köln mit. Zwar bringe die internationale Hilfe spürbare Erleichterung für die Bevölkerung, mit Beginn der Regenzeit erhöhe sich aber das Krankheitsrisiko.

Die Hilfsorganisation befürchten eine Wiederholung der Krise, wenn parallel zur Nothilfe nicht auch die tiefer liegenden Ursachen bekämpft würden. Daher müssten der Ernährungszustand der Bevölkerung und die Versorgung der ärmsten Menschen dringend verbessert werden, forderte UNICEF.

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