Die britische Königin eröffnet die Klimakonferenz in Berlin
Zukunft, nicht Vergangenheit steht im Mittelpunkt

Am Mittwochabend wird, wenn auch nur vorübergehend, die Königliche Standarte auf der Berliner Philharmonie wehen. Bei einem Galakonzert mit rund 2 000 Gästen werden geladene Bürger der Bundesrepublik Gelegenheit haben, die Queen aus nächster Nähe zu bewundern. Schon wurden Fräcke für den Staatsbesuch gemietet, Hofknickse einstudiert und wurde im Knigge nachgeschlagen, wie man so eine Queen anredet: „Your Majesty“. Danach genügt ein einfaches „Ma’m“.

LONDON. Das Konzert ist eine Geste der Aussöhnung. Die Einnahmen, verstärkt durch 260 000 Euro Spenden britischer Unternehmen, werden auf Wunsch der Queen dem Aufbau der Dresdner Frauenkirche zugute kommen. Die Briten haben Dresden, bei dessen Bombardierung im Februar 1945 fast 50 000 Menschen ums Leben kamen, seit langem zum Symbol der Aussöhnung mit Deutschland gemacht. Der Herzog von Kent verlas, als das von Londoner Goldschmieden gespendete Kuppelkreuz aufgezogen wurde, eine deutsche Rede. Die Queen wird Kränze an der Neuen Wache Unter den Linden und am Berliner Südwestfriedhof Stahnsdorf niederlegen und aller Opfer des Krieges gedenken. Die Kontroversen um die alliierten Brandbomben sind ihr wohl bewusst. Sie werde „die Leiden der Opfer ansprechen und an sie erinnern“, ließ Buckingham Palast wissen. In welcher Form sie das tut, wird nun mit Spannung erwartet. Eine förmliche Entschuldigung hält in Großbritannien niemand für angebracht, und kein deutscher Diplomat hat sie gefordert.

Geplant ist dieser vierte Staatsbesuch der Queen aber nicht als kontroverse Tour in die belastete Vergangenheit, sondern als gemeinsamer Blick in die Zukunft. Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) forderte ja selbst vor zwei Wochen die Briten auf, den Blick mehr auf das moderne Deutschland zu lenken.

So hat es weit reichende symbolische Bedeutung, wenn die Queen am Mittwoch in Berlin eine hochkarätig besetzte Klimakonferenz eröffnet. Nie, betont der Palast, habe die Queen eine Konferenz über eine so brennende internationale Frage eröffnet. Sie unterstützt dabei, wie es ihre Pflicht ist, die britische Regierung. Premier Tony Blair erwartet von der Konferenz konkrete Hinweise für weitere Klimaschutzmaßnahmen, die er dann bei den britischen Präsidentschaften von G8 und EU im kommenden Jahr mit Hilfe Deutschlands umsetzen will. „Unsere beiden Länder haben ein starkes gemeinsames Interesse an diesem Thema“, sagt die britische Umweltministerin Margaret Beckett, die an der Berliner Konferenz teilnimmt.

Aber die Queen hat ihre Autorität selten mit solcher Intensität hinter eine politische Sache gestellt. Nach einer Reihe emissionssenkender Maßnahmen in den Palästen soll Schloss Windsor demnächst von einem kleinen Themse-Kraftwerk mit umweltfreundlichem Strom versorgt werden. In Berlin fährt die Queen in ihrem schadstoffarmen Bentley, der auch mit Flüssiggas betrieben werden kann. Sie soll Premier Blair sogar aufgefordert haben, die USA zu mehr Mitarbeit beim Klimaschutz zu drängen. Buckingham Palace dementierte dies. Es wäre auch ganz unnötig: „Wir sind ständig dabei, die USA auf die Bedeutung des Klimaschutzes hinzuweisen“, versicherte Ministerin Beckett dem Handelsblatt.

Die Konferenz in Berlin wird von Klaus Töpfer, dem Chef des Uno-Umweltprogramms, geleitet. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) wird eine Rede halten, Tony Blair sich per Video zuschalten. Unter den prominentesten Wissenschaftlern ist der Leiter der Klimafolgenforschungsinstitute in Potsdam und Norwich, Professor Hans-Joachim „John“ Schellnhuber, der für seine Rolle bei der deutsch- britischen Kooperation in der Klimaforschung von der Queen ausgezeichnet wird. Die Queen besucht dann mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) noch ein Konferenz junger Wissenschaftler.

In einem neuen britischen Energiesparbericht ist von Weinbergen in Schottland, Haifischen in der Nordsee und Termitenhügeln auf englischen Dorfangern die Rede. Und auch die Queen habe in ihrem Sommersitz Balmoral in Schottland, so schrieb der Observer, „die alarmierenden Auswirkungen des Klimawandels“ bereits bemerkt.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent
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