Die Folgen von Ebola
„Schlimmer als Terrorismus“

Nicht nur die Menschen leiden unter den Folgen des tödlichen Virus Ebola – auch die Wirtschaft ist betroffen. Landwirtschaft und Bergbau in Westafrika liegen brach. Hilfsorganisationen warnen vor der nächsten Gefahr.
  • 0

Über den WolkenIn Sierra Leone, einem der beiden besonders hart von der Ebola-Epidemie betroffenen Länder, wird die Lage immer dramatischer. Nachdem seine Regierung bereits Anfang August zwei Distrikte im Osten des Landes militärisch abgeriegelt hatte, sind wegen der immer schlimmeren Auswüchse der Epidemie nun drei weitere Landesteile mit mehr als einer Millionen Menschen unter Quarantäne gestellt worden. Damit sind inzwischen mehr als ein Drittel seiner rund sechs Millionen von den drastischen Maßnahmen betroffen.

Die Isolierung in drei weiteren Distrikten sei dringend geboten, um die Seuche erfolgreich bekämpfen zu können, erklärte Präsident Ernest Bai Koroma am Donnerstagabend in einer Radio- und Fernsehansprache an die Nation. Bislang sind allein in Sierra Leone mehr als 600 Menschen an dem Virus gestorben. Insgesamt sind es in der Region im Westen Afrikas seit dem Ausbruch im März fast 3000. Die Zahl der Erkrankten steigt inzwischen jedoch in solchem Tempo, das allein in den vergangenen vier Wochen fast so viele Menschen infiziert wurden wie in den gesamten sechs Monaten zuvor.

Sobald jemand im Verdacht steht, an Ebola zu leiden, erfolgt in den unter Quarantäne gestellten Distrikten eine strikte Isolation: So wird wird ein Polizist oder Soldat 21 Tage lang vor dem Haus der betroffenen Person stationiert - der Inkubationszeit der Krankheit. Die betroffenen Menschen werden in dieser Zeit zumeist von Hilfsorganisationen mit Nahrungsmitteln versorgt, die vor die Tür gestellt werden. Einen direkten Kontakt zu den Helfern gibt es somit quasi nicht.

Während einer ebenfalls in ganz Sierra Leone verhängten dreitägigen Ausgangssperre waren nach Angaben der Behörden am vergangenen Wochenende mehr als eine Millionen Haushalte überprüft und dabei 130 neue Ebolafälle entdeckt worden. Wer die unter Quarantäne gestellten Gebiete betreten oder verlassen will, braucht nach Angaben ausländischer Helfer einen speziellen Ausweis und darf sich selbst dann nur über strikt kontrollierte Straßenkorridore bewegen. Eine Genehmigung erhalten für gewöhnlich nur Personen, die „essentielle Aufgaben“ verrichten.

Afrika

Todesopfer und Fallzahl des Ebola-Virus im Jahr 2014

Stand: 18. September 2014


Bei einer Umfrage von Hilfsorganisationen und dem Agrarministerium von Sierra Leone unter Kleinbauern, lokalen Führern, Geschäftsleuten und Händler erklärten die Interviewten übereinstimmend, weniger als zuvor zu verdienen, ihre Felder kaum noch zu bestellen und selbst die ohnehin nur noch sehr geringen Ernteerträge kaum noch auf die Märkte der Region zu schaffen. Für das Frühjahr 2015 rechnen Hilfsorganisationen wie die deutsche Welthungerhilfe angesichts der in Westafrika betriebenen Subsistenzlandwirtschaft mit einer Hungersnot.

Seite 1:

„Schlimmer als Terrorismus“

Seite 2:

Die Märkte haben aufgehört zu funktionieren

Kommentare zu " Die Folgen von Ebola: „Schlimmer als Terrorismus“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%