Die Geschäftswelt trotzt dem Terror
In London herrscht „Business as usual“

London ist von den Bombenanschlägen des Donnerstags geschockt, aber nicht gelähmt. Schon am Tag nach dem Terror waren die Kaufhäuser in der Metropole wieder geöffnet, und die Theater im Westend setzten ihr Programm fort. Die Polizei hat die Menschen aufgerufen, wieder zur Arbeit zu gehen.

dih/HB LONDON. „London ist wieder offen für den Geschäftsbetrieb“, sagte der stellvertretende Polizeichef Andy Trotter am Sonntag. „Wenn wir das nicht tun, haben die Terroristen gewonnen. Und das ist nicht das, was wir wollen.“ Gleichwohl wies Innenminister Charles Clarke darauf hin, dass die Bevölkerung wohl so lange nervös sein werde, bis die Hintermänner der Attentate gefasst seien. Am Freitag hatte die Londoner Polizei die Berufstätigen noch aufgefordert, möglichst zu Hause zu bleiben, um ein Verkehrschaos zu verhindern.

Bei vier Anschlägen am Donnerstag im Berufsverkehr von London waren 50 Menschen getötet und hunderte verletzt worden. Die Taten werden der Extremisten-Organisation Al-Kaida zugeschrieben.

Das trotzige „Business as usual“ stimmt Volkswirte optimistisch, dass die Anschläge keine starken Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum in Großbritannien haben werden. „Unser Geschäft lief schon am Freitag wieder lebhaft“, sagte eine Sprecherin des Nobel-Kaufhauses Selfridge’s an der Einkaufsmeile Oxford Street. In den großen Kaufhäuser laufen derzeit die „Sales“ – sie bieten Sommerware zu reduzierten Preisen an. Vor allem Modehändler hofften, in diesen Wochen die schwachen Geschäfte der vergangenen Monate wenigstens teilweise auszugleichen. Die Reaktion der Kunden auf die Anschläge ermutigt sie nun.

„Die Londoner sind ziemlich unverwüstlich“, sagte Stuart Rose, Vorstandschef von Marks & Spencer, dem „Sunday Telegraph“. Viele Kunden hätten ausdrücklich gelobt, dass die Kaufhäuser so schnell wieder öffneten. Das sei ein gutes Zeichen. Auch andere Handelsmanager sagten, dass Briten zu einer „Jetzt erst recht“-Haltung neigten und darum nicht aus Angst den Konsum verringern würden. Analysten hielten jedoch für möglich, dass sich Teile des Umsatzes aus den überfüllten Einkaufsstraßen der Innenstädte in die Kleinstädte und die ruhigeren Randlagen verlagern.

Wichtige Kunden für die Londoner Händler sind die Millionen von Touristen, die gerade jetzt im Sommer die Hauptstadt besuchen. London ist eines der beliebtesten Ziele für Städtereisen. In den Monaten März bis Mai kamen nach gerade veröffentlichten amtlichen Zahlen elf Prozent mehr ausländische Besucher in die Stadt als ein Jahr zuvor. Am stärksten nahmen Reisen aus Asien zu. Auch am gestrigen Sonntag gehörte die City wie üblich den Touristen. Die offenen Oberdecks der Stadtrundfahrten-Busse waren bei strahlendem Sonnenschein voll besetzt. Auch wenn kurzfristig kaum Reisen abgesagt wurden (siehe unten), befürchten Hoteliers in den kommenden Wochen einige Stornierungen.

Auf abendliche Unterhaltung im Westend müssen die Touristen jedenfalls nicht verzichten. Am Donnerstag hatten die Musical-Theater geschlossen, doch schon am Freitag nahmen sie ihr Programm wieder auf. „Wir werden besondere Sicherheitsvorkehrungen treffen, aber die Show muss weitergehen“, stimmte Musical-Impresario Lord Lloyd Webber in den Chor der Mutmacher ein.

Auf Grund der ersten Reaktionen der Kunden sehen Volkswirte wenig Anlass zur Sorge. Ian Stewart von Merrill Lynch erwartet keine bedeutenden Auswirkungen auf das britische Bruttoinlandsprodukt. Auch die traditionell Terror-anfällige Ölindustrie verdaute den Londoner Schreck schnell. Der Ölhandel konzentrierte sich am Wochenende schon wieder auf den Hurrikan „Dennis“ in der Karibik.

In den Firmenzentralen der City dürfte mit Beginn der neuen Woche ebenfalls schnell wieder Normalität einkehren. Sir Digby Jones, Chef des Industrieverbandes CBI, sagte, die Geschäftswelt werde sich von den Anschlägen nicht einschüchtern lassen. Die britischen Unternehmen hätten sich auf solche Ereignisse vorbereitet. Zwei Drittel von ihnen hätten im vergangenen Jahr die Sicherheitsvorkehrungen überarbeitet.

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