Die Gewaltnächte von Ferguson
Obamas neuer Krisenherd

Die Kleinstadt Ferguson ist nach dem Tod eines schwarzen Teenagers im Ausnahmezustand. Die Nationalgarde muss zur Hilfe der Polizei anrücken. Zwei deutsche Journalisten werden während ihrer Arbeit festgenommen.
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WashingtonNach erneuten Unruhen wegen des Tods eines schwarzen Teenagers in Ferguson hat der Gouverneur des US-Staates Missouri die Nationalgarde zur Hilfe gerufen. Die Soldaten sollten der Polizei helfen, „Ruhe und Ordnung wiederherzustellen“, sagte Jay Nixon am frühen Montagmorgen in einer Mitteilung. „Wir haben gut trainierte und erfahrene Soldaten“, sagte General Greg Mason, nachdem die Nationalgarde in der Kleinstadt eintraf. Präsident Barack Obama kündigte zudem an, dass Justizminister Eric Holder Ferguson am Mittwoch besuchen werde, um sich ein Bild der Lage zu machen.

Derzeit ermitteln das Justizministerium und das FBI ermitteln, wie es zum Tod Michael Browns kam, der von einem Polizisten erschossen wurde. Obama rief die Anwohner dazu auf, friedlich zu bleiben. Zur Polizei, die für ihr hartes Vorgehen kritisiert worden war, sagte Obama: „Es gibt keine Entschuldigung für unverhältnismäßige Härte der Polizei.“ Obama war am Sonntag von seinem Urlaubsort Martha's Vineyard für zwei Tage nach Washington gekommen.

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon rief die Beteiligten zu Zurückhaltung auf und drängte darauf, die Rechte von Demonstranten und Journalisten zu respektieren. Die Behörden müssten sicherstellen, dass das Recht auf Versammlungsfreiheit und freie Meinungsäußerung geschützt würden, teilte ein Sprecher Bans in New York mit. Die Polizei müsse sich im Umgang mit den Protestlern an amerikanische und internationale Standards halten.

Es ist mehr als eine Woche her, dass der unbewaffnete Teenager Michael Brown durch die Schüsse eines Polizisten starb. Doch längst geht es nicht mehr nur um den Tod des 18-Jährigen. Es scheint, als sei in der abgelegenen Kleinstadt Ferguson mit seinen 21.000 Einwohnern eine Wunde aufgerissen, die nie ganz verheilt war – es ist eine Wunde, an der ganz Amerika leidet.

Immer neue Enthüllungen heizen die Emotionen an. Eine unabhängige Obduktion ergibt, dass Brown von sechs Schüssen getroffen wurde. Zwei davon trafen ihn in den Kopf, die Schüsse wurden nicht aus nächster Nähe abgegeben. Die Lesart der Polizei, wonach Brown den Polizisten angegriffen und versucht habe, ihm die Pistole zu entreißen, wird damit immer unglaubwürdiger. Noch immer ist völlig unklar, warum der 18-Jährige sterben musste. Nach Angaben von Augenzeugen soll Brown die Hände über den Kopf gehalten haben, als die Schüsse fielen.

Mittlerweile ist eine Petition zur Ausrüstung aller Polizisten mit Videokameras gestartet worden. Bis Montag gab es dafür mehr als 112.000 Unterschriften. Damit ist die Zahl von 100.000 Unterschriften überschritten, und das Weiße Haus muss sich laut einer Bestimmung von US-Präsident Barack Obama mit dem Text befassen und öffentlich darauf antworten.

Die Petition für das „Gesetz Mike Brown“ fordert, alle Polizisten mit am Körper zu tragenden Minikameras auszustatten. Damit solle in Zukunft Fehlverhalten der Polizei vermieden werden. Die Verwendung solcher Systeme hat Berichten zufolge in einigen Orten bereits zu einem deutlichen Rückgang der Polizeigewalt und der Bürgerbeschwerden über Polizisten geführt.

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  • "Interessant, im Land der Unbegrenzten Möglichkeiten müssen die Begehrlichkeiten des Volkes, insbesondere wenn es farbig und arm ist, mit Waffengewalt niedergeschlagen werden."
    Abwarten, gibt wohl einen grund, weshalb sich unser Bundespräsident so vehement für den Einsatz der Bundeswehr im Inneren einsetzt.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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