Die Kämpfe gehen weiter
Riesiges Tunnelsystem in Falludscha entdeckt

Trotz eines angeblichen Endes der Militäroperation liefern sich US-Soldaten und Aufständische in der irakischen Rebellenhochburg Falluscha weiter erbitterte Kämpfe. Unterdessen wurde ein riesiges Tunnelsystem für Waffenverstecke entdeckt.

HB BAGDAD. Augenzeugen meldeten am Sonntag vor allem aus dem Süden der Stadt Gefechte. Nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN entdeckten US-Soldaten dort ein riesiges Tunnelsystem, in dem Waffen und Sprengstoff versteckt waren. Ein Offizier sagte, die Rebellen hätten mit Falludscha ihren Hauptstützpunkt verloren. Ein erster Konvoi des Roten Halbmondes mit Hilfsgütern erreichte die zerstörte Stadt. Einwohner und Hilfsorganisationen beschrieben die Situation als katastrophal.

Polizisten entdeckten unterdessen am Euphratufer bei Al-Musajjib die Leichen von zehn enthaupteten irakischen Soldaten. Das berichtete ein Arzt im Krankenhaus der Stadt. Im Norden des Landes weitete sich der Widerstand gegen amerikanische und irakische Truppen aus.

Iraks Übergangsregierung hatte die Offensive „Morgendämmerung“ am Samstag für beendet erklärt. Ein Sprecher der US-Armee in Bagdad sprach am Sonntag jedoch von „verbleibenden Widerstandsnestern“ in Falludscha, die zerstört werden müssten. Ansonsten sei die Lage in der Rebellenhochburg weitgehend unter Kontrolle. Erste US- Truppenkontingente würden bereits in den Norden nach Mossul verlegt.

In Mossul gab es am Sonntag erneut heftige Gefechte. Ein Militärsprecher sagte, die Armee habe einen Belagerungsring um die Stadt gezogen. Aufständische hätten in den vergangenen Tagen Polizeistationen, Regierungsgebäude und andere öffentliche Einrichtungen angegriffen. Es gebe zwar weiterhin sporadische Übergriffe, irakische Nationalgardisten und US-Truppen hätten die Lage jedoch weitgehend im Griff. Entgegen anders lautenden Berichten sei die lokale Regierung voll funktionsfähig. Es habe mehrere Festnahmen gegeben. Zahlen zu Toten oder Verletzten nannte der Sprecher nicht. Gefechte wurden auch aus Bakuba gemeldet.

Bei der Operation in Falludscha waren nach irakischen Regierungsangaben 1 000 Rebellen getötet und 200 festgenommen worden. Ein Aufständischer sagte dagegen im arabischen Nachrichtensender Al- Dschasira am Sonntag, die Soldaten hätten 100 Kämpfer und eine größere Zahl von Zivilisten getötet. Nach US-Angaben kamen bis zum Freitag 22 amerikanische und fünf irakische Soldaten ums Leben.

Der Nachrichtensender Al-Arabija berichtete unter Berufung auf die US-Armee, in Falludscha seien am Samstag drei Marineinfanteristen gestorben, als sie ein vermintes Haus betraten. Im US-Hospital im pfälzischen Landstuhl sind seit vergangenem Montag 412 amerikanische Soldaten behandelt worden, die beim Kampf um Falludscha Verletzungen erlitten haben. „Sie haben überwiegend Schussverletzungen und Verbrennungen“, sagte Krankenhaussprecherin Marie Shaw am Sonntag. Allein am Donnerstag seien 104 Soldaten angekommen.

In den Morgenpredigten zum islamischen Fest Eid-al-Fitr am Ende des Fastenmonats Ramadan am Sonntag verkündeten sunnitische Geistliche, der Widerstand gegen die „Ungläubigen“ werde fortgesetzt.

Bei einem Bombenanschlag in Tikrit wurden am Sonntag fünf irakische Zivilisten getötet. Gefechte gab es auch bei Razzien der US-Armee und der Nationalgarde südlich von Bagdad. In Haswa starben laut Polizei drei Angehörige der Sicherheitskräfte bei einem Schusswechsel mit Aufständischen. Augenzeugen berichteten, eine Familie sei bei den Gefechten zwischen die Fronten geraten. US- Soldaten hätten einen Mann und seine Frau getötet. Fünf weitere irakische Zivilisten starben durch einen Sprengsatz, mit dem Rebellen eine US-Armee-Patrouille in Al-Dur in er Provinz Salaheddin angreifen wollten. Auf der Schnellstraße zwischen Bagdad und Kirkuk ermordeten Unbekannte ein führendes Mitglied der Kommunistischen Partei. Saadun Mohammed war Abgeordneter im Übergangsparlament.

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