Die Kandidaten
Zur Person: Viktor Juschtschenko

Für viele Ukrainer ist der 50 Jahre alte Oppositionsfuehrer Viktor Juschtschenko ein Hoffnungsträger in der fast vollständig korrumpierten Politik des Landes.

mbr KIEW. Hunderttausende sind in den vergangenen Wochen für ihn auf die Strasse gegangen und den ersten Wahlgang vor drei Wochen hat der Hobby-Imker aus der ukrainischen Provinz mit knapper Führung von 39,87 Prozent überraschend für sich entschieden. Viele in Kiew meinen, wenn ehrlich abgestimmt werden könnte, ohne massive Wahlfälschungen, würde der fünffache Familienvater die Stichwahl gewinnen.

Juschtschenko gilt als westlich orientiert und als überzeugter Marktwirtschaftler. Das hatte der liberale Politiker bereits in seiner kurzen Amtszeit als Regierungschef 1999 bis 2000 und davor in mehreren Jahren als Chef der ukrainischen Zentralbank bewiesen. Er zahlte jahrelang einbehaltene Löhne und Renten aus, hielt die Landeswährung Hriwna stabil und stieß Reformen an. Damit erzeugte er den ersten Wirtschaftsaufschwung der Ukraine nach fast einem Jahrzehnt der Depression. Die Veränderungen waren dem Oligarchen-Lager um Präsident Leonid Kutschma allerdings zu weitgehend, so dass Juschtschenko als Premier abgesetzt wurde. Bei den folgenden Parlamentswahlen wurde seine Partei “Unsere Ukraine” stärkste Kraft und stellt 100 der 450 Abgeordneten.

Der tapfer gegen Korruption und Vetternwirtschaft unter dem Wahlkampf-Slogan “Banditen raus aus der Ukraine” Kämpfende bekommt erheblichen Druck seiner Widersacher: “Schauen sie welchen Preis ich für meinen Kampf gezahlt habe”, fuhr er sich am Freitag über sein von Narben und Exzemen verunstaltetes Gesicht. Die Augen sitzen tief in rot geschwollenen Höhlen. Dabei war Juschtschenko vor einem Essen mit dem ukrainischen Geheimdienstchef im September ein attraktiver Mann. Danach musste er wegen einer Giftattacke nach Wien ins Krankenhaus. Sein Gesicht blieb aber entstellt. Andere Vorwürfe muss sich Juschtschenko vom Regierungslager und dem Kreml machen lassen wegen seiner amerikanischen Ehefrau: Er sei gegen enge Beziehungen zu Russland und wolle das Land an den Westen ausverkaufen, lauten die Beschuldigungen. Dabei macht Juschtschenko immer wieder klar, dass Russland als grösster Nachbar und wichtigster Energielieferant “ebenso ein strategischer Partner der Ukraine ist wie die EU”, mit der das Land mehr als die Hälfte seines Aussenhandels abwickelt.

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