Die Koalition der (Un)willigen – Teil VI
Die Nato ruft, Italien folgt

Italien hat sich bisher an fast allen Nato-Einsätzen beteiligt. Auch im Kampf gegen den IS-Terror leistet Rom seinen Beitrag. Diskutiert wird darüber kaum, zu sehr ist das Land mit der Wirtschaftskrise beschäftigt.
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MailandGeköpfte Bürger, gefolterte Männer, vergewaltigte Frauen: Die Brutalität der IS bringt Europa und Amerika an den Rande eines Krieges. Bisher will kein Land Bodentruppen schicken. Das hat bestimmte Gründe. Denn jeder der betroffenen Staaten hat eine eigene Geschichte des Krieges: Wie entscheiden die Briten? Warum tun sich die Deutschen so schwer? Und wieso haben die Franzosen kein Problem mit dem Krieg? Handelsblatt Online stellt in der Serie „Die Koalition der (Un)willigen“ vor, wie die Staaten zum Krieg stehen.

Italien hat sich bisher an fast allen Auslandseinsätzen des transatlantischen Verteidigungsbündnisses Nato beteiligt. Im Gegensatz zu Deutschland war das damals von Silvio Berlusconi regierte Land auch beim zweiten Irak-Krieg dabei. Der internationalen Koalition gegen den IS-Terror hat sich Italien ebenfalls angeschlossen. Anders als Frankreich oder die USA fliegen die Italiener jedoch keine Lufteinsätze. Sie stellen vielmehr ihre Militärbasen und Tankflugzeuge für Kampfjets zur Verfügung. Außerdem liefern sie Waffen an die Kurden und bilden lokale Truppen aus, um die Dschihadisten der IS-Miliz zurückzudrängen.

„Rom wird weiterhin den Terrorismus der IS bekämpfen“, sagte Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi vor der Uno-Hauptversammlung am Freitag in New York. Gleichzeitig machte er klar, dass Italiens Rolle in der Koalition die Prinzipien der Uno-Charta und den vom Parlament vorgesehenen Prozeduren respektieren wird.

Italien hat erklärt, den Peshmerga-Kurden nicht nur mit Lebensmitteln, sondern auch Waffen zu helfen. Tatsächlich stellt Italien dabei eine ältere Lieferung zur Verfügung, die es 1994 auf einem Schiff Richtung Balkan beschlagnahmt hat. Es handelt sich laut Verteidigungsministerin Roberta Pinotti um 200 Maschinengewehre, 2000 Granatenwerfer und 950 Munitionen. Das entspricht einem Wert von 1,9 Millionen Euro. Die meisten davon stammen ursprünglich aus sowjetischen Armeebeständen – also Waffen, mit denen sich die Peshmerga auskennen. Dennoch reichen sie wohl kaum aus, die IS-Truppen aufzuhalten.

Die Verteidigungsministerin hat außerdem zugesagt, dass Italien bereit sei, Flugzeuge zur Verfügung zu stellen, die Kampfjets in der Luft betanken können. Auch den Transport von Waffen für dritte Länder könnte Italien übernehmen. Direkte Luftangriffe zu fliegen schließt Italien aus.

Bei der Ausbildung lokaler Kräfte im Irak orientiert sich Rom an der Erfahrung, die die Italiener in Libyen gesammelt haben: Italien hat insgesamt 270 libysche Soldaten sechs Monate in Italien ausgebildet, die dann zurückkehrten, um ihr Wissen weiterzugeben. Zur Ausbildung gehörte nicht nur die Kontrolle und Sicherung des Territoriums, sondern auch Unterricht in Menschenrechten. Außerdem hat Italien rund 2000 libysche Polizisten ausgebildet.

Italiens Militärbasen werden eher als Rückzugs- und Zwischenstationen genutzt. Schließlich kann die Koalition auf näher gelegene Basen zurückgreifen.

Auch über den Einsatz von Drohnen wird diskutiert. Allerdings sind die italienischen Predator-Drohnen derzeit bereits am Horn von Afrika im Einsatz und für die Flüchtlingsrettungen „Mare Nostrum“. In der öffentlichen Diskussion findet das Thema jedoch kaum statt. Zu sehr ist Italien mit der Wirtschaftskrise und den Reformen beschäftigt, die Renzi einläuten will.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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