Die Kriegsfotografin

„Was ich gesehen habe, lässt mich nicht los“

Sie arbeitet zwischen Raketenangriffen, unter Heckenschützen und in ständiger Lebensgefahr: Die Fotografin Nicole Tung hält das Grauen des syrischen Bürgerkriegs fest, in dem es längst kein Schwarzweiß mehr gibt. Ihr Bericht ist ein Plädoyer gegen das Wegsehen.
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Dokument des Kriegs: Ein 15-Jähriger hat in der syrischen Stadt Aleppo im August 2012 einen Luftangriff nicht überlebt. Quelle: Nicole Tung

Dokument des Kriegs: Ein 15-Jähriger hat in der syrischen Stadt Aleppo im August 2012 einen Luftangriff nicht überlebt.

(Foto: Nicole Tung)

New YorkNicole Tung ist 27 Jahre alt und hat in ihrem Leben schon mehr Tote, mehr abgerissene Gliedmaßen und mehr Blut gesehen als andere in ihrem ganzen Leben. Die Fotojournalistin hat in Syrien gearbeitet und unter anderem die Schlacht um die Stadt Aleppo dokumentiert. Ihre Bilder wurden in der „Vanity Fair“ und im „Time Magazine“ abgedruckt. Zuvor war sie in Libyen. Zwei ihrer Kollegen sind dort gestorben. In einem Essay berichtet die junge Frau über ihre Erlebnisse in Syrien und die Arbeit in einem Land, in dem jedes Foto ihr letztes sein kann.

„Ich war im Mai vergangenen Jahres zum ersten Mal in Syrien. Zunächst nur für ein paar Tage. Ich war allein und es war beängstigend. Ich wusste nicht, was ich zu erwarten hatte, und ich war nicht besonders gut vorbereitet. Ich wusste, dass sich die Leute bewaffnen, um gegen die Regierung zu kämpfen. Aber ich wusste nicht, ob die Regierungsanhänger nicht genau in jenen Gegenden waren, in die ich wollte. Es war schwierig. Ich war noch nie in Syrien. Ich kannte die Sprache nicht, auch nicht die Körpersprache.

In den folgenden zwölf Monaten war ich immer wieder dort, insgesamt zwölf Mal. Die Menschen waren sehr gastfreundlich und haben mir gezeigt, wie sich ihr Leben durch die Revolution verändert hat. Sie haben mich mitgenommen zu den Demonstrationen, die damals jeden Freitag stattgefunden haben.

Erst habe ich Demonstranten fotografiert und später Leichen. Syrien ist für mich immer mehr auch eine Konfrontation mit dem Tod geworden.

Das Schlimmste für mich ist, Kinder in einem feindlichen Umfeld zu fotografieren. Es ist furchtbar, die vielen toten Kinder zu sehen, die von Luftangriffen zerfetzt oder von Heckenschützen durchlöchert worden sind. Was denken sich die Heckenschützen bloß, schreie ich innerlich, die sehen doch, dass sie auf Kinder schießen! Es ist sehr frustrierend zu sehen, dass ein Leben im Krieg so wenig wert ist.

Manchmal sitze ich einfach neben Kindern, damit sie nicht allein sind. Ich fühle mit den Menschen, die ich fotografiere. Ich will ein Teil der Szene sein und mich nicht einfach wie Geier auf ein Motiv stürzen und dann wieder abhauen.

„Die Syrer wollen nicht von Extremisten regiert werden“
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21 Kommentare zu "Die Kriegsfotografin: „Was ich gesehen habe, lässt mich nicht los“"

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  • Seit 11.09 vor 12 Jahren gibt es viele Ungereimtheiten und zwar weltweit. Interessant die Artikel hier zu einigen Hintergründen der mutmasslichen Entführung in USA. Siehe
    http://www.heise.de/tp/artikel/39/39855/1.html und
    http://www.heise.de/tp/artikel/39/39859/1.html

    Ich frage mich da tatsächlich, ob die Flugzeuge nicht eher ferngesteuert wurden? Die Drohnenfernsteuertechnik müsste damals schon verfügbar gewesen sein beim Militär...


  • Bilder sind die Sprache der Lüge.

    Bilder appelieren an Emotionen, und beweisen ohne lückenlose Authentzitätsprüfung überhaupt nichts.

    Daß die Medienmanipulatoren junge, unerfahrene Menschen wie diese Bildreporterin in Situationen hetzen in denen Sie aufgrund ihrer "Einbettung" in eine der Konfliktparteien eine parteiische Wahrnehmung entwickeln ist nichts neues.

  • guck Dir das Video unter dem Link oben an...

  • Wie man vor zwei Tagen in den Tagesthemen sehen
    konnte,geht das Leben da,wo die Assad Anhänger
    sind,ganz normal weiter.
    Nur die eingeschleusten Fanatiker,machen der
    Normalbevölkerung das Leben schwer.

    In den Cafes und auf den Strassen Damaskus wurden
    die Menschen befragt und alle malten ein positives
    Bild von Assad und ihrem Leben.
    Nur,mit denen wollte sie wahrscheinlich garnicht
    reden..wäre nicht schockierend genug gewesen.

  • Man schaue sich mal die demokratische syrische Opposition auf einer Dokumentation des russischen Fernsehens an:

    https://www.youtube.com/watch?v=aZJFeKaLfXo

    sehr interessant!

  • @HB-Redaktion

    Bei einem so ernsten Thema sollte man keine Witze machen!

    Den Rest entnehmen Sie bitte mittels Archivfunktion meinen bisherigen Kommentaren zum Thema Systempresse.

  • ... und wieder ein Namestroll am Werk!
    ja, der Ruhm ist eine schwere Bürde :o)

    Für alle, die sich mal wieder (aus aktuellem Anlaß, siehe heutiges Datum) mit dem Tag beschäftigen wollen, an dem sich die Politik der USA zum Schlechteren veränderte und mit dem deren "WAR OF TERROR" begann!

    http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2013/09/mehr-und-mehr-amerikaner-uberdenken-911.html?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed:+SchallUndRauch+%28Schall+und+Rauch%29

  • Der Rote Faden ist folgender..Die expansion des russischen Reiches in den Letzten 250 Jahren läuft abrupt ab. Die Ethnische Skrupellosigkeit mit der Moslems im Balkan und Kaukasus durch russisch orthodoxe Einwirkung ausradiert wurde, haben Deutsche auch neben bei in Ostpreussen zu spüren bekommen. Einst waren Moslems im Balkan und Krim die Mehrheit. Der Wahnsinns Versuch durch Afghanistan und Pakistan in den indischen Ozean durchzubrechen, ist der Wahnsinn der im Iwan steckt. Srebrenica war der Alltag bis sie dezimiert wurden und die Orthodoxen Serben staunen dass sie dafür bestraft wurden was sie schon immer getan haben. Assad ist eine weitere Killermaschine im russischen reich, das tschetschenen in Syrien kämpfen ist einfach der Sache verschuldet weil dieselbe Kriegsmaschine läuft die Tschetschenen ausradiert haben. Die Ausradierung der Armenier die verbündete der Russen in diesen Vertreibungskriegen sind hat eine andere Facette, denn die meisten von den wurden nach Syrien vertrieben. Diese orthodoxen Killerkommandos haben sich auch an sogar slawischen Völkern vergriffen die Andersgläubig sind. Denkt ihr als Deutschen seit ihr sicher wenn ihr die NATO für eure spielchen Demontiert, und die Armee freiwillig macht, gegen den Wladimir ? Naivität hat immer einen Preis...Russland hat demokratie und freiheitsdenken nie gekannt. Der orthodoxe Graben in Europa wird sich früher oder später wieder öffnen. Der Kreuzzug von 1204
    trennt euch von denen für immer . Neu ist für mich der Schock wie Schiiten mit der sunnitischen Bevölkerung umgehen. Assad hat iranische Sondereinheiten und Hezbollah zusätzlich zu seinen eigenen Shabiha milizen ins Land eingeladen um die Bevölkerung zu terrorisieren. Ist das selbe wie General Franco Nazi Deutschen bat die Republikaner bombardieren zu lassen, etc...Die Sunnitische Achse wird sich mit oder ohne USA verteidigen wenn es um Leben oder Tod geht. Nur stirbt USA halt politisch zuerst, und Glaubwürdigkeit wird nicht einfach aufrecht erhalten

  • Hallo "Auenland",

    bevor Sie die Berichterstattung des Handelsblatts völlig zu Unrecht pauschal verurteilen, empfehle ich Ihnen den Gebrauch der Such- und Archivfunktion unserer Seite. Sie werden sehen, dass keiner Ihrer Kritikpunkte zutreffend ist.
    http://www.handelsblatt.com/suche/

    Gruß tsn

  • Damaskus ist laut dem früheren syrischen Armeegeneral Adnan Sillu bereit, im bewaffneten innersyrischen Konflikt Chemiewaffen „unter äußersten Umständen“ einzusetzen.

    "Wir haben über den Einsatz chemischer Waffen ernsthaft diskutiert, auch darüber, wie und wo diese angewendet werden könnten", sagte der in die Türkei geflohene Generalmajor Sillu der britischen Zeitung „The Times“.

    Der Einsatz von Chemiewaffen sei als äußerste Maßnahme für den Fall diskutiert worden, dass das Regime die Kontrolle über eine wichtige Ortschaft wie zum Beispiel Aleppo verliert, so Sillu.

    Laut Sillu, der in der Armee für Chemiewaffen zuständig war, war mit der Erörterung von Möglichkeiten zum Einsatz von Chemiewaffen gegen die Bevölkerung und die militante Opposition das Maß seiner Geduld erschöpft. Dies hätte für ihn den Ausschlag zum Verlassen der Regierungsarmee gegeben.

    Die syrischen Militärs hätten auch erwogen, Chemiewaffen an die libanesische rad ikal-islamische Hizbollah zu übergeben. Die mit Chemiewaffen bestückten Gefechtsköpfe von Raketen sollten dann gegen Israel eingesetzt werden. (RIA NOVOSTI)

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