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28.04.2006 

Gemessen am Bruttoanlagevermögen von 1936 verliert die SBZ zwischen 1945 und 1948 fast ein Drittel ihrer Industrieanlagen. Das Audi-Werk in Zwickau verfügt 1944 über 942 Werkzeugmaschinen, nach den Demontagen sind es 1946 nur noch 98. „Im Vergleich zu den Demontagen waren die Kriegsschäden in der SBZ deutlich geringer“, sagt Historiker Arnold. In den Westzonen ist der Kapitalstock 1948 dagegen schon acht Prozent höher als vor dem Krieg.

Fünf Demontagewellen lässt die UdSSR zwischen 1945 und 1948 über ihre Besatzungszone rollen. Das zermürbt die Mitarbeiter, wie Wolfgang Leonhard, der im Mai 1945 mit dem späteren Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht aus Moskau in die SBZ kommt, in seinem Buch „Die Revolution entlässt ihre Kinder“ beschreibt: „Wieder wird der Genosse zu den Russen geladen. Sie sagen ihm, der Betrieb werde erneut demontiert. Er redet auf sie ein … Es hilft nichts.“

Der Funktionär weigert sich, die Kollegen zu informieren. „Wenn Sie es nicht tun“, antwortet der sowjetische Offizier, „werde ich den Arbeitern mitteilen, was Sie inzwischen an Pajoks und Sondervergünstigungen erhalten haben.“ „Pajoks“ waren die „Care“-Pakete der Sowjets für privilegierte Ostdeutsche. Am nächsten Tag verteidigt der Funktionär vor der Belegschaft die zweite Demontage.

In einem von Arnold gefundenen Dokument beklagt sich die Leitung der Reuter & Straube AG in Halle beim Ministerpräsidenten am 25 Mai 1946 über die Demontagen: „Wir kommen überhaupt nicht wieder hoch, es wird Ackerland gemacht.“

Der Widerstand gegen die Reparationen im Osten Deutschlands bleibt allerdings gering – auch weil die Sowjets rigoros vorgehen. Für die Werke von Carl Zeiss und Schott um Jena belegen Arnolds Akten, dass Werksangehörige wegen „ Sabotage“ an der Demontage inhaftiert wurden. Auch überwachten 2 000 Rotarmisten der „15. Selbständigen Trophäenbrigade“ den Abbau – der auch 2 457 Tonnen sanitärer Anlagen einschloss – des weltberühmten Unternehmens.

Im Westen hingegen kommt es zu direkten Konfrontationen mit den Besatzern. Weil im März 1950 demonstrierende Arbeiter die Demontagen blockieren, besetzen britische Truppen, Maschinengewehr im Anschlag, die Salzgitterwerke bei Braunschweig, die bis 1945 zu den „Reichswerken Hermann Göring“ gehörten. In der SBZ bleibt nur, den Frust herunterzuschlucken, doch vergessen wird er nie. Besonders das Bahnsystem ist schwer von Demontagen betroffen. Von 23 275 Kilometern zweigleisiger Strecken existieren 1950 nur noch 17 268 Kilometer – ein Viertel weniger. Der Abbau des „zweiten Gleises“ ist nach Ansicht des Historikers Rainer Karlsch bis heute „im kollektiven Gedächtnis der Ostdeutschen“ das „Synonym für die sowjetische Demontagepolitik“.

Weil die „beginnende Deindustrialisierung“ der SBZ zunehmend auch der sowjetischen Militärverwaltung zu denken gibt, legt die SMAD ab Juni 1946 den Schwerpunkt auf Produktionsentnahmen. Schon im Februar 1945 hatte Winston Churchill die Sowjets gewarnt: „Wenn Sie wollen, dass Ihr Pferd den Karren zieht, dann müssen Sie ihm schon eine gewisse Menge Hafer geben – oder wenigstens Heu.“ Heu gibt es nun, doch die Karren fahren immer nur in eine Richtung: nach Osten.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Rund 200 Betriebe werden Mitte 1946 enteignet.

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