„Die Opposition hat es schwer”
China glaubt an Merkels Sieg

China sieht die Kanzlerin als starke Frau Europas.. Man schätzt bei Merkel Kontinuität, vermisst aber die „politische Verwegenheit“ eines Helmut Kohls. Aber auch Peer Steinbrück konnte bei den Chinesen punkten.
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PekingChina würde wohl Angela Merkel wählen, aber hätte auch mit einem Kanzler Peer Steinbrück keine großen Probleme. Auf diesen Nenner lassen sich Analysen chinesischer Deutschland-Experten über die Bundestagswahl bringen.

Der SPD-Spitzenkandidat machte in China in diesem Jahr nur zweimal Schlagzeilen: Einmal, als er italienische Politiker als „Clowns“ abtat, und das andere Mal, als er in Berlin mit Chinas neuem Regierungschef Li Keqiang zusammentraf. Erfreut wurde dabei zur Kenntnis genommen, dass sich der SPD-Kanzlerkandidat bei Handelsstreitigkeiten für Dialog und im speziellen Fall der Solarimporte aus China gegen die europäischen Strafzölle aussprach.

Aus chinesischer Sicht hat Steinbrück aber wenig Chancen, die Wahl für sich zu entscheiden. „Es gibt viele überzeugende Gründe, warum Kanzlerin Merkel die Wahl wieder gewinnen wird“, glaubt Xing Hua, Forscher am chinesischen Institut für internationale Beziehungen (CIIS) in Peking.

„In internationalen und europäischen Fragen, insbesondere bei der Überwindung der Schuldenkrise, spielt Merkel eine unbestreitbare Führungsrolle.“ Gleichzeitig komme die Kanzlerin mit ihren strikten Bedingungen für die Unterstützung verschuldeter EU-Länder den Sorgen einiger Bundesbürger entgegen, die befürchteten, dass Deutschland hier vielleicht zu viel opfere, stellt der Wissenschaftler fest.

Merkel möge vielleicht nicht die „politische Verwegenheit“ eines Helmut Kohls oder französischer Staatsmänner haben, „ist aber beständiger und pragmatischer - und kommt mit der Zeit trotz Schwierigkeiten voran“, sagt Xing Hua. Ihr Herausforderer Steinbrück hingegen scheine „innenpolitisch und diplomatisch nicht so erprobt wie Merkel in schwierigen Zeiten“, sagt der Forscher.

Die Erfolge der Kanzlerin machten den Sozialdemokraten das Leben schwer, meint Cui Hongjian, Direktor der Europa-Abteilung des Instituts. „Ehrlich gesagt, eine Oppositionspartei kann nicht viele Probleme in der Arbeit ihrer Regierung herausgreifen, um sie anzugreifen.“ Im Umgang mit den Krisen in Libyen und Syrien folge sie nicht blindlings anderen europäischen Partnern, die an militärische Lösungen glaubten. Merkel wisse um den Pazifismus in der deutschen Gesellschaft. „Sie fühlt den Puls der Deutschen.“

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„Traumpaar” Deutschland und China?

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