Die Personalie Wiktor Subkow
Warum Subkow?

Auch am Tag nachdem Russlands Präsident Wladimir Putin den bislang unbekannten Finanzexperten Wiktor Subkow zum neuen Premier berufen hat, kreisen in Moskau wilde Spekulationen über den Hintergrund der überraschenden Personalie. Handelsblatt-Korrespondet Thomas Wiede zeigt drei mögliche Szenarien zur Zukunft und Funktion Subkows auf.

MOSKAU. „Wir wissen jetzt wer, aber wir wissen nicht warum“, schreibt ein Kommentator in der englischsprachigen „Moscow Times“ und bringt die Stimmung damit auf den Punkt. Im Laufe der vergangenen Monate hatten immer wieder Gerüchte über einen Regierungswechsel die Runde gemacht. Michail Fradkow – noch Ministerpräsident – galt seit seiner Ernennung 2004 als ein Platzhalter. Der farblose Bürokrat blieb nicht mehr als der Erfüllungsgehilfe Putins – viel mehr kommt dem Ministerpräsidenten allerdings in der stark auf den Präsidenten zugeschnittenen russischen Verfassung auch nicht zu. Nun also ein weiterer Technokrat: Subkow.

Der Wirbel um seine Ernennung mag aber auch deshalb so groß sein, weil kurz vor den Parlamentswahlen im Dezember und vor allem dem Wechsel im Präsidentenamt im kommenden März, die Hoffnung vieler Beobachter gestiegen war, dass mit dem neuen Premier auch der Mann endlich ins Rampenlicht treten würde, den Putin als würdig für seine Nachfolge erachtet und die bestehende Unsicherheit um die Zukunft des Top-Jobs im Kreml ein Ende hat. Denn seit gut einem Jahr haben sich zwei andere Vertraute des Präsidenten warm gelaufen – wiewohl ohne das Wort „Präsidentschaft“ jemals in den Mund zu nehmen: die beiden amtierenden Vizepremiers Sergej Iwanow und Dmitri Medwedew.

Warum also Subkow? Zurzeit sind drei Funktionen vorstellbar, die Putin für ihn vorsehen könnte:

Der Platzhalter: Subkow ist tatsächlich Putins Mann für die kommende Präsidentschaft. Putin würde damit auf seine hohe Popularität vertrauen und darauf, dass der Mann, den er auf den Schild hebt auch fraglos von einer breiten Mehrheit gewählt wird – was viele Unfragen tatsächlich immer wieder hervorheben. Subkow könnte sich im Wahlkampf vor allem als Kämpfer gegen die Korruption gerieren, die in den Jahren der Putin-Regentschaft ausgeufert ist und die nicht nur in der Bevölkerung in Top-Thema, sondern vor allem auch Investoren ein Dorn im Auge ist. Mit dem Finanzexperten, der am Sonntag 66 Jahre alt wird, hätte der Präsident einen sehr engen persönlichen Vertrauten (das Petersburger Datscha-Netzwerk) installiert, der ein Auge darauf hat, dass Putins Machtsystem und die wichtigsten Figuren darin am Platz bleiben.

Der Technokrat steht zudem keiner der großen Kremlfraktionen nah, den „Geheimdienstlern“ oder den „Liberalen“, und dürfte selbst wenig eigene politische Ambitionen haben – am wenigsten vielleicht auf eine zweite Präsidentschaft, so dass sich für den „jungen“ Putin die Chance eröffnet, bei den nächsten regulären Wahlen oder gar früher wieder anzutreten. Für das Szenario spricht auch, dass Putin selbst zunächst zum Ministerpräsident ernannt wurde bevor Boris Jelzin ihm die Präsidentschaft übertrug. In einem Land wie Russland, das keine Tradition eines Machtswechsels kennt, wäre dies einen weiteres Stück neuer Stabilität. Das große Fragezeichen an diesem Szenario bleibt Subkow selbst: Beobachter beschreiben ihn als intelligenten, fachkundigen Mann, der allerdings ein typischer Karrierebeamter ist, ohne politisches Gefühl, ohne eigene Dynamik. Die Präsidentschaft könnte schlicht eine Nummer zu groß für ihn sein.

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