Die radikale Hamas: Regierungsexperiment im Freiluftgehege

Die radikale Hamas
Regierungsexperiment im Freiluftgehege

Der palästinensische Ort Kalkilia ist eine Art Bewährungsprobe für die Hamas: Die Stadt wird bereits seit Mai von den Islamisten regiert, als die Hamas bei der Gemeinderatswahl in der frühereren Hochburg der von Jassir Arafat gegründeten Fatah alle Sitze holte.

KALKILIA. Der einzige palästinensische Zoo liegt verlassen da. Früher, als er an Feiertagen über 10 000 Besucher aus dem Westjordanland und Israel anzog, war er die Attraktion von Kalkilia. Doch seit die Kämpfe zwischen Israelis und Palästinensern die Anlage verwaisen ließen, gibt es nur noch eine Sehenswürdigkeit in der 45 000-Seelen-Gemeinde auf der Grenze zwischen Israel und der Westbank: Die Mauer, die den palästinensischen Ort vollständig umgibt und von israelischem Gebiet abschirmt.

Die gesamte Stadt ist heute eine Art Freiluftgehege, das von Beton und Stacheldraht begrenzt wird. Nur dass statt der Zoobesucher heute Friedensaktivisten und Mauergegner kommen. Seit der palästinensischen Parlamentswahl im Januar, bei der die radikale Hamas die absolute Mehrheit gewann, richtet sich das Augenmerk allerdings auch aus einem anderen Grund auf Kalkilia: Die Stadt wird bereits seit Mai von den Islamisten regiert, als die Hamas bei der Gemeinderatswahl in der frühereren Hochburg der von Jassir Arafat gegründeten Fatah alle Sitze holte.

Während auf nationaler Ebene noch gerätselt wird, was die Hamas mit ihrer neuen politischen Macht eigentlich machen will, regiert sie auf lokaler Ebene recht energisch. Vielleicht auch zu energisch für manche, denn bei der Parlamentswahl gehörte Kalkilia zu den wenigen Orten, wo sich zwei Fatah-Direktkandidaten durchsetzten.

„Unser Budget 2006 war das erste, das vom Ministerium für Lokalverwaltung und der Weltbank abgesegnet wurde“, erklärt der amtierende Bürgermeister Hashim Masri stolz. Der 44-jährige Hamas-Vertreter mit Krawatte, beigefarbenem Blouson und kurz gestutztem Bart vertritt Bürgermeister Wajih Kawwas, der seit 2002 ohne Anklage in israelischer Administrationshaft sitzt. „Hier wird jeder Shekel umgedreht und exzellent geplant“, betont auch der ältere Herr vom Ministerium für Lokalverwaltung, der in der hinteren Ecke des mit einem Arafat-Porträt und einer grünen Fahne mit Koransprüchen geschmückten Büros sitzt.

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