Die Reisen des britischen Premiers
Blair handelt sich Ärger mit Luxustripp ein

Eine Panne bei der Landung eines Passagierflugzeugs hatte die diskrete Urlaubsplanung von Tony Blair über den Haufen geworfen. Jetzt steht der luxuriöser Familienurlaub von Grobritanniens Premier in der Kritik. Nicht zum ersten Mal wird der Regierungschef wegen eines Freizeittripps angegriffen. Doch jetzt kommt der Krach zu einer für ihn sehr ungünstigen Zeit.

HB LONDON. Ruhig ist es in dem Haus mit der Nummer 10 in der Downing Street eigentlich nie. Auch zwischen den Jahren nicht. „Wenn wir in der Wohnung sind, rennen ständig Leute mit Mitteilungen rein und raus“, klagte Tony Blair eben erst. Also entschloss sich der britische Premierminister, das letzte Weihnachten und den letzten Jahreswechsel als Regierungschef anderswo zu verbringen: zunächst auf dem Landsitz Chequers Court in der englischen Provinz, dann im Prominentenviertel von Miami Beach im US-Bundesstaat Florida.

Letzteres hätte er besser nicht getan. Wegen des Luxus-Urlaubs in der Villa des Pop-Millionärs Robin Gibb von den Bee Gees („Staying Alive“) hat der Noch-Premierminister jetzt einigen Ärger am Hals. Die Opposition will Blair nicht glauben, dass er für die Woche in der Acht-Millionen-Euro-Anlage Miete zahlt. Zumal die Ehefrau des Disco-Stars, Dwina Gibb, versicherte, Geld weder zu wollen noch anzunehmen. „Das ist eine rein freundschaftliche Angelegenheit.“

Dabei hätte Blair vor der Reise zu dem Gibb-Bruder eigentlich gewarnt sein können. Auch früher schon brachten ihm Ferien bei prominenten Gastgebern negative Schlagzeilen ein. Mal urlaubte er in der Villa des früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi auf Sardinien, mehrfach auch schon bei Popstar Cliff Richard auf Barbados. Angeblich überwies er den Gegenwert der Übernachtungskosten an eine gemeinnützige Organisation.

Die Bilanz der Ära Blair steht an

Deshalb sollte der einwöchige Miami-Trip mit Ehefrau Cherie und drei der vier Kinder eigentlich diskret stattfinden. Bekannt wurde er nur, weil die Passagiermaschine mit den Blairs in der Ersten Klasse beim Aufsetzen in Miami über die Landebahn hinaus schlitterte. Für den Premier kommt der Ärger zu einem ungünstigen Moment - mit Blick aufs neue Jahr und den anstehenden Machtwechsel ist die britische Presse gerade damit beschäftigt, eine Bilanz der Ära Blair zu ziehen.

Erwartet wird, dass der 53-jährige Labour-Chef am 2. Mai seine zehn Jahre in der Downing Street voll machen und dann recht bald das Amt dem Nachfolger übergeben wird. Nach Lage der Dinge wird dies Gordon Brown sein - der zwei Jahre ältere Schatzkanzler, der sich schon so lange gedulden muss. Und bis zu der Eskapade nach Florida gab es einige überraschend freundliche Töne.

Die „Times“, ansonsten nicht unbedingt als Fürsprecher des amtierenden Premierministers bekannt, urteilte: „Ohne jeden Zweifel wird Blair ein glücklicheres Land hinterlassen als er es vorgefunden hat. In seinem Wesen liegt etwas Tolerantes, Liebenswertes, Humorvolles. Eine Leichtigkeit des Geistes, die seine Amtszeit bestimmt hat und die auch ihre Spur im britischen Leben hinterlässt.“

Allerdings sind solche Lobreden derzeit noch die Ausnahme. Im Tagesgeschäft steht Blair immer noch vor allem wegen des Irak-Einsatzes in der Kritik. Die Experten sind sich einig darin, dass die umstrittene Entscheidung für den Krieg an der Seite der USA eine seiner wichtigsten Hinterlassenschaften bleibt. Und auch die Affäre um die von Regierungsseite vorgeschlagenen Adelstitel für Geschäftsleute, die sich gegenüber seiner Labour-Partei spendabel gezeigt haben, belastet die verbleibenden Amtsmonate.

Immer wieder kommen auch Klagen, dass der Zeitplan für den Machtwechsel noch nicht geklärt sei. Bislang gibt es von Blair nur die Ankündigung, dass er beim nächsten Labour-Parteitag im Herbst 2007 nicht mehr im Amt sein wird. Wann genau der Abschied vonstatten geht, ob er Brown immer noch für den besten Nachfolger hält, welche Politik der neue Regierungschef verfolgen wird - alles noch offene Fragen. Und auch über die eigene Zukunft verriet der Noch-Premier nur, dass er noch auf der Suche nach einer „Aufgabe mit Sinn“ sei.

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