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29.12.2007 
Ausblick

Die russischen Staatsholdings kommen!

von Thomas Wiede

Viele Moskauer Analysten sind sich einig: Es kommt das Jahr der Staatskonzerne. Rostechnologij, Atomenergoprom, die Sberbank – sie alle werden von den zusätzlichen Mitteln profitieren, die der Kreml in den kommenden Jahren in die Modernisierung des Landes stecken will. Doch werden so wirklich neue Global Player geschaffen?

Auch der Energiekonzern Gazprom profitiert von der Finanzspritze der Regierung. Foto: dpaLupe

Auch der Energiekonzern Gazprom profitiert von der Finanzspritze der Regierung. Foto: dpa

MOSKAU. Nach Jahren der Umverteilung sei nun der Punkt gekommen, in die neuen Strukturen zu investieren – so die Erwartung. Tatsächlich liegt die russische Wirtschaft – trotz ihrer Fortschritte bei Wettbewerbsfähigkeit, Produktivität und Technologie – noch weit hinter dem westeuropäischen Durchschnitt zurück. Der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft sieht in den kommenden sieben Jahren allein in der Autoindustrie einen Investitionsbedarf von 50 Mrd. Euro; um die Stromwirtschaft wieder auf Vordermann zu bringen, dürften bis zu 200 Mrd. Euro fällig werden. Viele Schwachstellen der Wirtschaft werden vom Dollarfluss aus den Ölexporten überdeckt.

Seit Putins Amtsantritt im Jahr 2000 hat Russland 900 Mrd. Dollar mit dem Öl- und Gasexport verdient. Das erklärte Ziel Putins war zwar auch, die Wirtschaft des Landes wettbewerbsfähiger zu machen, doch weniger durch die Förderung freien Unternehmertums als mithilfe staatlicher Eingriffe. Bei allem Optimismus der Analysten: Damit dürfte auch im nächsten Jahr nicht Schluss sein.

Noch kurz vor der Parlamentswahl hat die Regierung einen neuen staatlichen High-Tech-Konzern, Rostechnologij, auf die Schienen gesetzt – an der Spitze steht wiederum ein enger Putin-Vertrauter, Sergej Tschemesow, der bislang den staatlichen Rüstungskonzern Rosoboronexport geleitet hat. Unter dessen Dach sollte auch ein „nationaler Champion“ entstehen, unter anderem mit dem maroden Autohersteller Avtovas (Lada). Von einer echten Trendwende ist dieser aber noch meilenweit entfernt. Nun soll der Rüstungskonzern samt Lada in der neuen Holding aufgehen.

Rostechnologij lieferte gleich eine Schlagzeile, die in Moskaus ausländischer Finanzszene leichte Unruhe verursachte: Die Zeitung „Wedomosti“ meldete, die Staatsholding wolle verhindern, dass die französische Bank Société Général die Kontrolle bei der Rosbank übernehme.

Kurz darauf erlebte Russland die Geburt eines weiteren Staatsgiganten: Atomenergoprom. Die Korporation im Herzen der Atombehörde Rosatom soll Russlands Aktivitäten im Nuklearsektor bündeln – und Augenhöhe mit Konzernen wie Areva, Siemens oder Toshiba haben.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Regierung wirtschaftet mit.

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