Die Schweiz hat trotz niedriger Wachstumsraten kaum Arbeitslose.
Mehr als ein Traum: die Vollbeschäftigung

Er hatte einen Traum: den Job als Koch hinschmeißen, nach Amerika auswandern und dort das machen, was er schon immer tun wollte. Den Menschen die Welt zeigen. Als Reiseleiter. Bruno Ehrlers’ (Name geändert) Traum ist nach zehn Jahren zerplatzt. Jetzt ist der hagere 44-jährige Mann zurück in Zürich und sucht einen Job. Vielleicht wieder als Koch.

ZÜRICH. Marie-Hélène Birchler hat ihn noch, ihren Traum. Sie sitzt, nur durch eine Wand von Ehrlers getrennt, an ihrem Schreibtisch im ersten Stock des Arbeitsamts in Zürich-Oerlikon, das die Eidgenossen „Regionales Arbeitsvermittlungszentrum“ (RAV) nennen.

Die Schweizer hatten den Begriff „Arbeitsamt“ schon abgeschafft, als sich Peter Hartz noch überwiegend mit der Namensgebung neuer VW-Modelle und weniger mit der Umbenennung von Arbeitsämtern in Arbeitsagenturen befasste.

Birchler leitet das Zentrum. Bevor sie sich an diesem verregneten Dienstagmorgen Fälle wie den von Herrn Ehrlers widmet, schaut die füllige Frau mit den wuscheligen roten Haaren auf die vier Kalenderblätter vor, neben und hinter ihrem Schreibtisch: karibische Sonnenuntergänge an zuckerweißen Stränden. Irgendwann, wenn sie hier nicht mehr gebraucht wird, möchte Birchler in die Dominikanische Republik ziehen.

In Deutschland wäre das Märchen an dieser Stelle vorbei. Birchler wäre ihrem Traum allenfalls während der ein oder anderen Pauschalreise für ein paar Tage näher gekommen. Und Ehrlers hätte froh sein können, wenn er überhaupt noch eine Stelle findet, die so bezahlt wird, dass er sich noch einmal einen Amerika-Urlaub leisten kann. Doch die beiden begegnen sich in der Schweiz. Ehrlers hat gute Chancen, einen Job zu finden. Und Birchler wird sich ihr Domizil in der Karibik leisten können.

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