Die Slowakei setzt auf Autozulieferindustrie
Geheimnis des Erfolgs: Niedriges Lohnniveau

Peter Doll ist zufrieden mit sich und der Slowakei, dem Land, in dem er seit 1993 lebt und arbeitet. „Unser mittelständisches Unternehmen schreibt schon seit Jahren schwarze Zahlen.“ Doll ist Vorstandschef der ZF Sachs Slovakia, die mit gut 1 000 Mitarbeitern vor allem Kupplungen und Drehmomentwandler für Autohersteller wie VW und Ford produziert.

TRNAVA. Der Jahresumsatz des Unternehmens – einer 100-prozentigen Tochter der Schweinfurter ZF Sachs – liegt bei knapp 90 Mill. Euro.

Das Geheimnis des Erfolgs von Sachs in der Slowakei sind die Löhne, was auch die Studie der Deka-Bank bestätigt. „Der Mitarbeiter kostet uns etwa ein Sechstel dessen, was wir in Deutschland aufbringen müssten“, rechnet Doll vor. Der erfahrene Manager, der seit fast elf Jahren in der Slowakei arbeitet, hat zudem ein Prämiensystem eingeführt, mit dem die Krankheits- und Abwesenheitsrate auf zwei Prozent gedrückt wurde. Die Löhne steigen jährlich um sechs bis sieben Prozent. Auch die Gehälter der slowakischen Manager bei Sachs entsprechen landesüblichen Konditionen. Doll erinnert sich an seine langjährige Arbeit in den USA und Mexiko: „Dort sind die Managergehälter amerikanisch und die Löhne mexikanisch“, schmunzelt er. Ob er selbst ein deutsches Managergehalt bezieht, verrät er nicht.

„Wir sind dem Kunden gefolgt“, antwortet er auf die Frage, warum Sachs 1993 in die Slowakei gegangen sei. Und er meint damit vor allem Volkswagen im 50 km entfernten Bratislava. Trnava, die Stadt in der ZF Sachs Slovakia produziert, war schon in den 60er-Jahren ein Zentrum des tschechoslowakischen Fahrzeugbaus. Der Blick aus dem Fenster von Dolls Arbeitszimmer geht über ein weites Industrieareal, das sowohl moderne Industriebetriebe als auch alte, verfallene Fabrikhallen beherbergt. „Die typische nachsozialistische Mischung“, bemerkt Doll, der auf seinem Schreibtisch zwar viele Akten, aber keinen PC hat. „Ich komme auch ohne Computer aus“, sagt er.

Der Sachs-Chef lobt einzelne Reformen der Regierung aus jüngster Zeit, die zu einer Verbesserung des Investitionsklimas geführt hätten. Die EU-Erweiterung spiele dabei natürlich eine große Rolle, nur eben nicht von einem Tag auf den anderen. Ein Beispiel dafür sei der lineare Steuersatz von 19 Prozent für die Körperschaft-, Einkommen- und Mehrwertsteuer. Doch Doll sieht auch noch eine Menge Verbesserungsbedarf. Seine Kritik gilt besonders dem schleppenden Ausbau der Infrastruktur, insbesondere beim Bau von Autobahnen und Straßen. Die Verhältnisse in den mittleren und östlichen Landesteilen seien dramatisch. „Aber es tut sich etwas, und in 15 Jahren wird die Slowakei ganz anders aussehen.“

Doll ist kein Freund großer Investitionsprojekte. Die Anwesenheit weiterer internationaler Konzerne in der Westslowakei werde die Jagd nach Arbeitskräften in dieser Region verschärfen. Das im Bau befindliche Werk von Peugeot-Citroën und das geplante Werk von Hyundai in der Slowakei seien vor allem politisch gewollt. „Ich habe meine Zweifel, ob zum Beispiel Hyundai die gewünschten 4 000 Facharbeiter finden wird“, orakelt er. Was die Slowakei viel mehr brauche, seien 30 oder 40 mittelständische und kleine Unternehmen, die sich auf das ganze Land verteilen. Auch Doll hat schon Pläne für einen zweiten Produktionsstandort von Sachs im Nordosten des Landes auf seinem Schreibtisch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%