„Die Target-Falle“
Sinn rechnet ab

Hans-Werner Sinn gehört zu den schärfsten Kritikern der Euro-Rettungspolitik. In seinem neuen Buch wirft er den Krisenländern vor, ihre Finanzprobleme mit der Notenpresse zu lösen. Die Zeche zahle Deutschland.
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DüsseldorfWenn Hans-Werner Sinn in seinem neuen Buch die griechische Volksseele zu ergründen versucht, zieht er auch mal den Schlagersänger Costa Cordalis zu Rate. Dieser habe in der Talkshow „Menschen bei Maischberger“ folgende Sätze zum Besten gegeben: „Der Grieche war heiß auf den Euro. Er wollte einmal im Leben ein schönes deutsches Auto besitzen“. Sinn konstatiert: Für die einfache Bevölkerung sei die Motivation zur Einführung des Euro ungekünstelt und direkt gewesen.

Es sind solche markigen Bilder in seinem neuen Buch „Die Target-Falle“, die seine Gegner auf die Palme bringen. Aber der Reihe nach.

Inhaltlich lautet die im Buch ausgeführte These: Die Euro-Krisenländer lösen mit Hilfe des Zahlungssystems der Europäischen Zentralbank ihre Finanzprobleme - zu Lasten Deutschlands.

Sinn begründet das so: Durch die Einführung des Euro seien die Zinsen in den Krisenländern gefallen. Billigere Kredite hätten dazu geführt, dass sie mehr importierten - und Defizite im Außenhandel schrieben. Bis zur Finanzkrise sei dies nicht weiter aufgefallen. Die Krisenländer hätten ihre Defizite durch private Kapitalzuflüsse kompensieren können. Nach der Finanzkrise sei der private Kapitalzufluss jedoch versiegt. Stattdessen würden die Krisenländer nun ihre Außenhandelsdefizite mit der Notenpresse finanzieren.

Ausdruck für diese Fehlentwicklung sind nach Ansicht von Sinn die Salden im internen Verrechnungssystem Target der Euro-Zentralbanken. Über dieses System wickeln die Banken im Euroraum ihre internationalen Zahlungen ab.

Die Bundesbank hatte im Juli 2012 einen positiven Target-Saldo von 727 Milliarden Euro. Die Krisenländer Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Zypern hatten bis Juli 2012 zusammengenommen hingegen einen negativen Saldo von 692 Milliarden Euro.

Kommentare zu " „Die Target-Falle“: Sinn rechnet ab"

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  • Wir sind übrigens mit unserem Target2 - Plus nicht allein; NL, L, FIN sind seit ca. 2007 mit von der Partie, allerdings nicht bei weitem nicht in diesem hohen Maß. Quelle: http://www.querschuesse.de/target2-salden/ , unteres Chart.

    Was nun die Bemerkungen von Horn betrifft, so disqulifiziert er lediglich selbst damit.

  • Der Artikel ist schwach. Warengeschäfte werden mit Kapitaltransfers durcheinander gewürfelt. Für eine halbwegs sinnvolle Aussage wäre zumindest die Struktur der Entstehung der Target-Salden erforderlich. Warengeschäfte oder reiner Kapitaltransfer? Aber die Antwort liegt wohl auf der Hand: siehe viele Artikel im Handelsblatt "Sudeuropäer stürmen deutschen Immobilienmarkt". Einen Rückfluss, wie von den Sinn-Kritikern behauptet, wird es über Jahre nicht geben. Griechenland wird eines Tages zahlungsunfähig und die deutschen Steuerzahler haben das Haus ihres griechischen Nachbarn in Berlin oder anders wo bezahlt.

  • Öknonomie und ETHIK schließen sich per se aus.(Einfach mal ein Mikro-Lehrbuch anschauen und versuchen ETHISCHES HANDELN abzuleiten!!)

    Ob es ETHISCH gerechtfertigt ist, seinen KONSUM auf PUMP zu finanzieren und wenn die Quelle versiegt weitere Forderungen zu stellen bleibt jedem selbst überlassen. (Man kann diese Argumentation auf private HH, Unternehmen oder auf Staaten anwenden)

    ..."Gustav Horn, dass Sinn einen nationalistisch-chauvinistischen Ton einschlage. Sein Vorgehen diene allein der kommerziellen und ideologischen Verbreitung seiner Ideen. Dies sei ethisch verwerflich..."

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