Die verfallenden Staaten von Amerika - Teil 3
Dicke Luft

Es sieht schwarz aus für die Modernisierung der US-Luftfahrt. Wenn es 2015 zur nächsten Haushaltssperre kommt, wird sie wieder um Jahre zurückgeworfen. Die Luftfahrt wäre nicht zum ersten Mal Spielball der Politik.
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San FranciscoAmerikanische Flughäfen platzen aus allen Nähten, der Luftraum ist überfüllt. Die Flugaufsichtsbehörde FAA schätzt für 2012 die Kosten durch Verspätungen und Flugausfälle auf alleine 22 Milliarden Dollar und, unveränderte Finanzierungshöhe unterstellt, sieht das bis 2020 auf 34 Milliarden Dollar ansteigen. Bis 2040 bei einem gleichzeitigen Anstieg der Passagierzahlen um 121 Prozent summiert sich das Minus dann auf 63 Milliarden Dollar.

Von den 3300 als wichtig für die Wirtschaft eingestuften Flughäfen der USA müssen 35 rund 80 Prozent des gesamten Passagieraufkommens schultern.  Beim Frachtaufkommen ist die Konzentration noch höher: 92 Prozent des Luftfracht Im- und Exports geht über 15 Flughäfen.

„Jeder Pilot und jeder Passagier, der mal wieder in der Warteschleife festhängt wird unschwer erkennen, dass unser System deutlich besser sein könnte“, räumt der Kongressabgeordnete Bill Shuster ein, Chef des Infrastruktur-Ausschusses des Kongresses.

Wird nicht mehr ausgegeben, sondern auf dem bisherigen Level von zehn Milliarden Dollar pro Jahr weiterinvestiert, rechnet die Vereinigung der Bauingenieure in den USA, die ASCE, einen kumulierten Verlust an Bruttosozialprodukt von 313 Milliarden Dollar bis 2020 vor und 1,5 Billionen bis 20140.

Doch von „mehr“ kann ohnehin keine Rede sein. Seit 2014 greifen jedes Jahr pauschale Kürzungen in allen öffentlichen Haushalten. Bau und Unterhaltung von Flughäfen und Lauftaufsicht nicht ausgeschlossen.

Die Probleme wachsen in den Himmel: Zu den großen und kleinen Flugzeugen gesellen sich jetzt noch unzählige Drohnen, unkontrolliert und brandgefährlich. „Da fliegt etwas über uns“, meldete vorige Woche ein Delta-Pilot im Landeanflug auf New York. Es war eine Drohne, die aus dem Nichts auftauchte und wieder verschwand. Wenn ein solches Fluggerät in ein Triebwerk eingesaugt wird, können die Folgen katastrophal sein.

Bis Jahresende will die FAA den Gebrauch von Drohnen stark regulieren. Aber das ist nur eine Übergangslösung. Es müssen klare Regeln her für den kommerziellen Einsatz von Drohnen. Firmen wie Amazon heuern schon per Inserat „Drohnen-Piloten“ an.

Die Flugüberwachung ist aber im Prinzip auf dem technologischen Stand der 70er Jahre stehengeblieben. Ein ehrgeiziges Modernisierungsprogramm ist 2004 angeschoben worden, aber es gibt noch keine Ergebnisse. Bei zusätzlichen 40 Milliarden Dollar Kosten auf 20 Jahre bekommen Politiker in Washington mal wieder Flugzeuge im Bauch.

Kommentare zu " Die verfallenden Staaten von Amerika - Teil 3: Dicke Luft"

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  • @JohannBrädt

    Das ist eine sehr schöne Frage. Sie lässt sich leicht von zwei Seiten betrachten.

    Die eine Seite ist mit den aus der Marktwirtschaft hervorgehenden Bedarfe, die auch gemeinhin seit Generationen sowohl vom Unternehmertum als auch von der (arbeitenden) Bevölkerung über Steuern und Abgaben bezahlt werden. Die Unternehmen brauchen Straßen um Mitarbeiter in den Unternehmen beschäftigen zu können; um ihre Waren absetzen zu können. Ich denke, dass dieser Zusammenhang durchaus von Ihnen erkannt worden sein sollte. Forderten die Interessenvertreter der Marktwirtschaft Sanierungen der Straßen oder anderer Infrastrukturen ein, so geht dieses eben nur mithilfe von Umverteilungen: Steuern und Abgaben. Also hier besteht ein Zusammenhang. Soviel zur Seite der Wirtschaft, der Marktwirtschaft und ihr Bedarf an intakten Infrastrukturen.

    Wird der Vorgang der Gesellschaft so betrachtet, dass die Arbeit nur zur Sicherstellung und Verteidigung der Freizeit diene, so dienten die Straßen dem Zweck der zügigen Erreichbarkeit von Freizeiteinrichtungen. Um diese zu erreichen, ja an den unterhaltsamen Spielen teilzunehmen, müssen Straßen gebaut werden, Autos, Züge. Ich schlage also einen Perspektivwechsel vor. Die Marktwirtschaft errichtete sich dem Endzweck der Unterhaltung wegen. Das ist etwas anderes als das Gewinnstreben im ersten Teil auf die Frage, was die Sanierung der Infrastruktur mit dem Staat zu tun habe. Der Staat vernachlässigte hier im zweiten Beispiel der Freizeitgesellschaft die Sanierung der Straßen, so dass der Zusammenhang zwischen Freizeitgesellschaft und Marktwirtschaft durch die Ermangelung an Steuermitteln und Abgaben im Staat gestört wird.

    Im Kapitalismus stehen sich Angebot und Nachfrage interdependent gegenüber. Im Bezug auf die Infrastruktur gibt es aber keine Reaktion auf die Nachfrage, die gegebenen Angebote sind entweder preiswert und die Nachfrager wollen nicht angemessen zahlen oder das Angebot ist zu teuer. Es gibt kein anderes Angebot.

  • In 2 Jahren wollen die Amis selbstständig im All sein. Wer's glaubt.
    Am Ende werden sie wieder Putin bitten müssen, der sie dann mit Freude auf den Mond schießt.

  • Was hat das alles was Sie da schreiben mit Kapitalismus zu tun? Wenn Sie wenn vom Kapitalismus im allgmeinen reden, dann bezieht das hunderte von verschiedenen Ausprägungen von Marktwirtschaften mitein. Die werden alle von unterschiedlichen Regierungen regelmentiert und manipuliert um gewünschte Ergebnisse zu erhalten. Wenn Sie vernachlässigte Autobahnen kritisieren, die in Deutschland alleiniges Thema des Staates sind, was hat die Marktwirtschaft dann damit zu schaffen?

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