Die verfallenden Staaten von Amerika - Teil 4

Zeitbombe unter dem Asphalt

Die flüssige Gefahr schlummert unter den Straßen: Die Wasserversorgung ist das am meisten unterschätzte Problem der amerikanischen Infrastruktur. Die Herausforderungen sind riesig und die Folgen schon jetzt dramatisch.
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Meterhohe Fontänen auf den Straßen: ein weiterer Wasserrohrbruch im September in Encino, einem Stadtteil im Norden L.As. Quelle: Screenshot ABC

Meterhohe Fontänen auf den Straßen: ein weiterer Wasserrohrbruch im September in Encino, einem Stadtteil im Norden L.As.

Los AngelesDas Problem ist über 400.000 Meilen lang und erst dann zu sehen, wenn es zu spät ist: Das ist die Länge der unterirdischen Wasserleitungen, die irgendwo in den USA im Boden oder in Hauswänden und Kellern still vor sich hin rotten, bis sie mit einem lauten Knall auf sich aufmerksam machen.

Doch dann ist der Schaden schon angerichtet. Die Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency) schätzt die Zahl der jährlichen Brüche von Hauptwasserleitungen in den USA auf rund 250.000. Das führt zur Verschwendung von Milliarden Litern von Trinkwasser. Sie unterspülen Straßen, setzen Häuser unter Wasser, ruinieren Fundamente und lassen Autos in Tiefgaragen volllaufen. Die Erneuerung des völlig überalterten Wassersystems ist eine Herkulesaufgabe.

Die gemeinnützige Forschungsorganisation und weltgrößte Berufsverband für Wasser- und Abwasserfachleute American Water Works Association (AWWA) schätzt die Kosten für Kompletterneuerung und Ausbau der US-Wasser-Infrastruktur auf eine Billion Dollar. Und niemand weiß, wo das Geld herkommen soll. Wahrscheinlich werden die Verbraucher mit dramatischen Preiserhöhungen rechnen müssen.

Sommer 2014 in Los Angeles: Ein Knall wie bei einer Bombenexplosion. Asphaltbrocken werden durch die Luft geschleudert. Unter enormem Druck spritzten unter ohrenbetäubendem Lärm 100.000 Liter pro Minute in einer mehrere Meter hohen Fontäne aus zwei Rohren unter dem berühmten Sunset Boulevard. Insgesamt waren es geschätzte 100 Millionen Liter. Der Schaden geht in die Millionen Dollar.

Vergangene Woche, ausgerechnet an Thanksgiving, dem größten Reisetag in den USA, erzwang ein Wasserleitungsbruch die Sperrung des Pacific Coast Highway nahe Malibu. Erst Stunden später waren der Wasserfluss gestoppt und ein Loch in der Fahrbahn abgesichert, das sich nach Unterspülung aufgetan hatte. Zwei Tage zuvor traf es das noble Beverly Hills. Die Beverly Hills Road ertrank in Wassermassen aus einer Hauptleitung.

Eine aktuelle Studie der Los Angeles Times auf Basis offizieller Statistiken beziffert die Zahl der akut gefährdeten Rohrleitungen auf sechs Prozent oder rund 400 Meilen Gesamtlänge im Stadtgebiet. Laut LAWD, dem städtischen Water Departement, gab es seit 2010 rund 5200 Zwischenfälle alleine in der Stadt der Engel. Das durchschnittliche Alter des Systems ist 58 Jahre, auch die 93 und 58 Jahre alten Leitungen nahe der Universität gehörten zu den bekannten Problemstellen.

Los Angeles ist nur ein Beispiel. Syracuse im Bundesstaat New York beklagt mit 365 Zwischenfällen seit 1. Januar bereits mehr als einen Hauptleitungsbruch pro Tag. Laut lokaler Webseite localsyr.com wären 725 Millionen Dollar nötig, um das über 100 Jahre alte Wassersystem der Kleinstadt zu erneuern. Das geht nur, wenn der Staat finanziell hilft.

Hinweise auf Verschlechterung des Trinkwassers in NYC
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12 Kommentare zu "Die verfallenden Staaten von Amerika - Teil 4: Zeitbombe unter dem Asphalt"

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  • Ziel sollte es doch sein, nicht alles von der USA zu übernehmen - so bilnd und dumm wie es unsere Machthaber zur Zeit tun!

    Beispielsweise den neoliberalen Irrweg verlassen, der zu dieser Misere führt.

    Vor allem sollten wir den Erpressungsversuchen unserer spionierenden Freunde aus Übersee via TTIP widerstehen!

  • Deshalb wird es auch langsam Zeit, den Stecker zu ziehen.
    Die Chinesen könnten das direkt, wenn sie als zweitgrößte "Gläubiger" der 18 Billionen USD Staatsschulden (neben der Fed) ihre Billionen US-Treasuries auf den Markt werfen würden.
    Nur hätten sie dann eben auch einen gehörigen Kollateralschaden. Hat ihnen Alan Greenspan übrigens auch unmissverständlich klargemacht: "Ich glaube nicht, dass die Chinesen ihre amerikanischen Staatsanleihen abstoßen werden, denn sie werden niemanden finden, der sie ihnen abkauft."
    Damit hat er übrigens zugegeben, dass das Zeugs und damit der USD de facto wertlos sind.
    Also versuchen die Chinesen, das eigentlich wertlose Zeugs sukzessive in Realwerte umzutauschen.
    Sie befinden sich damit aber auch in einem Dilemma: je mehr Zeit sie sich nehmen, desto höher wird die Fallhöhe des Systems gehebelt und desto höher wird das Risiko, dass die Amis durchdrehn und die ganze Welt in Brand setzen - je weniger Zeit sie sich nehmen, desto größer sind jedoch ihre eigenen Verluste.
    Was würden Sie tun??

  • Hauptsache immer genügend Öl.

  • >> Zeitbombe unter dem Asphalt >>

    Auch oberhalb des Asphalts !

    18 Billionen $ alleine Staats-Schulden. Gesamtschuldenberg an die 60 Billionen $ .

    Über 50 Millionen leben auf Kosten der Tafeln, mit der Hand in den Mund. Bei Obamas Antritt 2008 waren es erst 30 Millionen. Obama hat die Arbeitslosen in die Küchen verschoben.

    25 Millionen Amis zahlen mehr als 50 % ihres Einkommens für die Miete.

    40 % der Jüngeren Generation unter 30 zählen als Arm und ohne Perspektiven.

    100 Millionen Amis sind verarmt. Der Anteil der Bunten Bevölkerung hat den Anteil der Weissen Bevölkerung bereits überholt.

    Die Summe der SWOP-Derivaten ( toxische Giftpapiere )beträgt mittlerweile über 1000 Billionen $ , wobei das Weltweite BIP nur an die 70 Billionen $ beträgt !

    2,5 Millionen Amis sitzen ein.

    Dieses Land marschiert mit sehr großen Schritten in den Abgrund und zieht zeitverzögernd seine Marionetten in Europa mit !

  • Ich mag solche Artikel und auch die weitergehenden Kommentare. Ganz einfach weil es tröstlich ist, dass nicht nur wir, sondern auch andere Staaten riesige Schwierigkeiten mit der Infrastruktur haben. Ich werde mich bei meinem nächsten Stau zurücklehnen und mich an der Schadenfreude über die Probleme der Amerikaner laben. Und wenn ich das nächste Mal über ein Schlagloch hopse, werde ich mir sagen: "Ach, was kümmern mich meine eigenen Probleme - es ist doch viel wichtiger, den Finger in die Wunden der Anderen zu legen."

    Außerdem freue ich mich über die auflebenden nationalistischen Tendenzen unserer Journalisten, die andere große Länder (USA, China, Russland, Japan) ständig beschimpfen und schlecht reden.

    Oder??

  • Wer ein schönes Weihnachtsgeschenk sucht, sozusagen als "Antidot" zum vorweihnachtlichen Konsumterror a la Black Friday, dem empfehle ich z.B. die Bildbände des amerikanischen Ausnahmefotografen Seph Lawless "Autopsy of America" oder "Black Friday: The Collapse of the Modern Mall".
    http://www.sueddeutsche.de/panorama/bildband-black-friday-ruinen-der-konsumgesellschaft-1.2048570
    Atemberaubende Morbidität in den "Zerfallenden Staaten von Amerika"...

  • Soll doch alles dort verrotten wenn sie das Geld für Kriege lieber ausgeben. Besser wäre wenn halb Mexiko dort einwandert und den Politiker dort Feuer unterm Hintern machen und ihre Aufmerksamkeit auf die Innenpolitik ablenkt damit es ruhiger auf der Welt zugeht.

  • So schaut,s aus, es soll ein System errichtet werden, daß
    sich außerhalb von Recht und Bürgerwillen bewegt.

  • Naja Nestle ist in Afrika und Asien schon mächtig aktiv. Coca Cola auch.
    Deutschland ist ja wie die USA defacto Pleite, Infrastruktur marode und überholungsbedürftig. Da wird wohl bald der Ruf nach den hochgelobten "Investoren" als ausweglos propagiert werden.

    und dann:
    Englands Wasserversorgung:
    http://www.theeuropean.de/asit-biswas/7483-negative-folgen-der-wasserprivatisierung

  • Wäre halt klasse wenn die sich einfach mal um Ihre internen Probleme kümmern und den Rest der Welt einfach mal in Ruhe lassen. Die sollen dort bleiben wo Sie sind und nur das Land verlassen zum Urlaub. Ich denke dafür sollte jeder Mensch auf der Erde beten, egal ob er an Gott glaubt oder nicht...

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