Die vier Fehler im Fall Zypern: Versuchskaninchen der Euro-Retter

Die vier Fehler im Fall Zypern
Versuchskaninchen der Euro-Retter

Obwohl Zypern wirtschaftlich winzig ist, ruft die Hängepartie um ein Rettungspaket erhebliche Erschütterungen hervor. Das liegt vor allem an handwerklichen Fehlern. Die Euro-Retter haben eine Menge Vertrauen verspielt.
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DüsseldorfVor vier Jahren wären die Euro-Retter bei einer Krise der zyprischen Banken noch ziemlich hilflos gewesen. Damals gab es keinerlei Sicherheitsvorkehrungen für diesen Fall – er war schlichtweg undenkbar. Das ist heute ganz anders. Die Krise hat die Euro-Länder eines Besseren belehrt. Um gegen solche Fälle gewappnet zu sein, haben sie Schritt für Schritt ein Sicherheitsnetz gespannt. Die besseren Sicherheitsvorkehrungen haben allerdings eine Kehrseite: Sie verleiten zum Spiel mit dem Feuer.

Wer sich in Sicherheit wähnt, geht eher Risiken ein. Das zeigt der Fall Zyperns.

Einerseits spielen die Zyprer mit dem Feuer, indem sie die Bedingungen für ein Hilfspaket abgelehnt haben und die Euro-Länder unter Druck setzen. Andererseits haben aber auch die Euro-Länder mindestens vier leichtfertige Fehler begangen.

Falsche Verhandlungsstrategie

Der Kardinalfehler war die vorgesehene Zwangsabgabe auf Einlagen unterhalb von 100.000 Euro. Bis zu dieser Grenze sollten Bankkunden auf ihre Einlagen 6,7 Prozent zahlen, so der Plan. Für Beträge über 100.000 Euro dann 9,9 Prozent.

Eigentlich aber sind Bankeinlagen bis 100.000 Euro in der EU gesetzlich geschützt. „Konten unterhalb der Einlagensicherungsgrenze von 100.000 Euro dürfen auf keinen Fall angetastet werden. Allein die Diskussion darüber richtet einen Vertrauensschaden an, der weit über Zypern hinausgeht, “ sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank.

Gerade dieser Punkt wurde bei den Verhandlungen aber offen gelassen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) forderte eine Eigenbeteiligung der Zyprer von 5,8 Milliarden Euro. Wie diese finanziert werden sollte, war ihm egal.

Der Vorschlag die Bankeinlagen unterhalb von 100.000 Euro zu belasten, kam ausgerechnet vom zyprischen Präsidenten Anastasiades. Er wollte dadurch die Sparer mit hohen Einlagen schonen.

Die Beteiligung der zyprischen Sparer an den Kosten des Rettungspakets ist umstritten. Es gibt aber durchaus Gründe die dafür sprechen. „Anleger bekommen bei zypriotischen Banken zumeist erheblich höhere Zinsen als in Deutschland. Damit muss ein gewisses Risiko verbunden sein,“ sagt Schmieding.

Wie könnte diese Beteiligung aussehen, ohne die Kleinanleger zu belasten? Schmieding schlägt vor, 15 Prozent aller Bankeinlagen über 100.000 Euro einzufrieren. Die betroffenen Anleger könnten dann wählen: Entweder bekämen sie den Betrag in Staatsanleihen mit niedrigen Zinsen und langer Laufzeit ausbezahlt oder sie könnten davon Anteile an einem Staatsfonds für künftige Gas- und Öleinnahmen zeichnen.

Solche konkreten Vorgaben wollten Euro-Länder und EZB aber nicht machen. Diese Beliebigkeit rächt sich jetzt nun.

Kommentare zu " Die vier Fehler im Fall Zypern: Versuchskaninchen der Euro-Retter"

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  • Dieser kindische, unverfrorene Inseläffchen-Staat verhurt sich gegenüber Moskaus, Londons und Tel-Avivs Bankstern und Imperialisten und beschimpft Deutschland als "Besetzer" und "Diktatoren", grotesk.

    Ich hoffe auf Gerechtigkeit, also dass das unverschämt dämlich und schlechte Zypridioten-Hässchen das "Experiment" nicht überlebt.

  • 'berkmann' sagt
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    'Rechner' sagt
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    Ich weiß immer alles besser wie die anderen.
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    Ne - das sagt Rechner ganz bestimmt nicht.

    Im Gegensatz zu Ihnen weiß er nämlich, daß in der deutsche Sprache "als" die komparative Konjunktion ist und nicht "wie".

    +++

    'berkmann' sagt
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    Warten Sie einfach mal ab, was bis nächsten Dienstag passieren wird.

    Die EZB wird Geld rüber schieben und die Euro-Rettungs-Einheitsfront aus CDUCSUSPDGrüneFDP wird einknicken wie bisher jedes Mal.

    Irgend ein fauler Kompromiss wird schon gefunden.
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    Was auch immer gefunden wird - selbst wenn alle Zyprioten in Leibeigenschaft bei Merkel gingen - würden Sie in Ihrer blinden Voreingenommenheit als "faulen Kompromiss" werten.

    Um das zu wissen muß man nicht bis nächsten Dienstag warten.

  • @Rechner: Siehe http://www.bloomberg.com/news/2013-03-21/even-greece-exports-rise-in-europe-s-11-jobless-recovery.html
    Dürfte Sie interessieren, wie immer auch ausgewogener in der Berichterstattung

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