Die Zukunft Belgiens
Ein Land, zwei Sprachen, drei Lager

Französisch sprechende Wallonen bewerben sich auf Stellen in Flandern; engagierte Eltern gründen zweisprachige Schulen. Die Versuche, die unsichtbare Teilung Belgiens zu überwinden, nehmen immer größere Ausmaße an: An der politischen Spitze des Landes ist eine Einigung jedoch nicht in Sicht – Politiker stürzen das Land in eine tiefe Krise.

BRÜSSEL. Ein Seminarraum im Keller des Arbeitsamtes von Namur im Süden Belgiens. Grelles Neonlicht strahlt von der Decke. Im Halbrund sitzen einige Männer und Frauen zwischen 22 und 55 Jahren. Vorne steht Liz Vliegen und schreibt in großen Buchstaben „secretaris“ an die Tafel. Ihre Schülerin links vorne nickt langsam und kopiert das Wort auf ihr Arbeitsblatt. Dann versucht sie, einen Satz zu bilden: „Ik zoek werk als secretaris.“ Ich suche Arbeit als Sekretärin.

Céline, 22 Jahre alt, ist frankofone Belgierin und seit einigen Monaten arbeitslos. Daher lernt sie jetzt Niederländisch: „Es kann mir helfen, einen Job zu finden. Ich hatte vorher gar nicht daran gedacht, auch in Flandern nach einer Stelle zu suchen.“

Die junge Frau nimmt an einem Programm teil, das die Arbeitsämter in Flandern und der Wallonie Mitte dieses Jahres ins Leben gerufen haben. Es soll die Mobilität der Arbeitnehmer zwischen den beiden Regionen des Königreichs Belgien fördern – so das offizielle Ziel.

Auf längere Sicht könnten solche Initiativen noch deutlich mehr erreichen: Werden die Sprachbarrieren in Belgien beseitigt, fällt möglicherweise auch die unsichtbare Mauer, die das Land teilt und die die Bildung einer neuen Regierung seit mehr als 100 Tagen blockiert.

Die beiden Sprachgemeinschaften – die französisch sprechenden Wallonen und die niederländisch sprechenden Flamen – wählen unabhängig voneinander. Die Parteien, die bei der Wahl auf beiden Seiten die meisten Stimmen bekommen, müssen dann eine Koalition bilden. Diesmal sind es die Liberalen und die Christdemokraten.

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