Die Zukunft der Energieversorgung
Europas überfällige Energiewende

Von schadstofffreien Autos über einen offenen Strommarkt bis zur Mikroerzeugung in Haushalten: Die EU muss jetzt Entscheidungen für die künftige Versorgung treffen. Und die Staaten müssen gegenüber den großen Energielieferanten endlich mit einer Stimme sprechen.

LONDON. Strom kommt aus der Steckdose, Gas aus der Leitung, und Benzin gibt es an der Tankstelle. Jederzeit verfügbare, relativ billige Energie erscheint uns als Selbstverständlichkeit. Doch das ist sie nicht. Bis 2030 müssen nach Schätzung der Internationalen Energie-Agentur (IEA) weltweit 20 Billionen Dollar investiert werden, um die Energieversorgung für eine wachsende Weltbevölkerung zu sichern. 20 Billionen Dollar – das entspricht etwa dem addierten Bruttoinlandsprodukt der USA, Japans und Deutschlands.

In welche Energieformen diese enorme Summe fließt, müssen wir in den kommenden Jahren entscheiden. Deutschland und die anderen entwickelten Volkswirtschaften müssen dabei sicherstellen, dass sie mehrere Ziele gleichzeitig erreichen. An die erste Stelle hat sich der Klimaschutz geschoben. Die Energieversorgung von morgen muss drastisch weniger Kohlendioxid emittieren. Zweitens muss sie sicher sein: Wir können es uns langfristig nicht leisten, in Abhängigkeit von wenigen Lieferanten zu leben. Drittens dürfen die Preise nicht uferlos steigen, wenn wir die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft erhalten wollen.

Diese Ziele sind erreichbar – auch gleichzeitig. Doch das bedarf der politischen Führung; das freie Spiel der Märkte wird nicht zum Erfolg führen. Die Politik muss rasch den Rahmen abstecken und die richtigen Anreize setzen, dann allerdings so weit wie möglich marktwirtschaftliche Mechanismen nutzen. Denn die nötigen Billionen an Investitionskapital können und müssen nicht aus den Staatshaushalten kommen.

Die Bundesregierung braucht Mut: gegenüber der Industrie, der sie im Rahmen des europäischen Emissionshandels anspruchsvollere Ziele zur CO2-Reduzierung zumuten muss. Und gegenüber dem Bürger beim Reizthema Atomenergie. Wenn Deutschland die CO2-Emissionen wirksam reduzieren und zugleich die ungesunde Abhängigkeit von Russland – mehr als ein Drittel der Gasimporte kommen von dort – verringern will, führt kein Weg um neue Atomkraftwerke herum.

Die EU-Staaten können nur gewinnen, wenn sie gegenüber den großen Energielieferanten mit einer Stimme sprechen und einen einheitlichen europäischen Strommarkt schaffen, der mit besseren Leitungsverbindungen zwischen den Ländern die Effizienz steigert und Ausfälle vermindert.

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