Dienstleister profitieren vom Outsourcing-Trend in den Industriestaaten
Indien schaut mit wachsendem Optimismus in die Zukunft

Keinem asiatischen Land ist in jüngster Zeit ein größerer Imagewandel gelungen als Indien. Statt mit Katastrophen und Elend macht es im Westen Schlagzeilen als Wettbewerber, der Dienstleistungsjobs von San Francisco bis München gefährdet. Dass Asiens drittgrößte Volkswirtschaft nicht länger das Aschenputtel des Kontinents ist, verdankt es Leuten wie Manish.

BANGALORE. „Ihre Telefonleitung ist tot?“ fragt der schmächtige junge Mann und bemüht sich um einen britischen Akzent. „Bleiben Sie kurz dran.“ Von einem neonfahlen Saal in Bangalores „Electronic City“ aus hilft er im Call-Center der Infosys-Tochter Progeon Herrn Baker aus Sheffield weiter, nimmt dessen Daten in den Computer auf, feuert eine E-Mail ab und verspricht, ein Techniker werde das Problem lösen.

Manishs Arbeit wurde noch vor kurzem von Briten gemacht. Doch deren Arbeitgeber, ein Telekomkonzern, hat Kundendienst und Auskunft nach Indien ausgelagert. Längst geht die Verlagerung von Dienstleistungen über Software und Call-Center hinaus. „Outsourcing hat alle digitalisierbaren Büroarbeiten ergriffen“, sagt Morgan Stanley-Analyst Chetan Ahya. Auch im Pharmabereich, bei Ingenieurdiensten sowie industrieller Forschung und Design rechnet er mit einer Beschleunigung beim Transfer qualifizierter Jobs nach Indien.

Der Trend dürfte seine volle Wucht erst noch entfalten. So sagen die Berater von Gartner voraus, bis 2010 werde der Westen jeden vierten IT-Job verlieren. Kein Land profitiert davon mehr als Indien. In A.T. Kearneys jüngstem Ranking von Offshoring-Standorten nimmt es den ersten Platz ein, mit weitem Abstand vor China. Analysten schätzen, dass Indien zwei Drittel aller ins Ausland verlagerter Dienstleistungen anlockt.

Vorreiter sind amerikanische und britische Unternehmen. Doch Kontinentaleuropäer ziehen nach. So entwirft eine Siemens-Tochter im Speckgürtel Delhis Kraftwerke für den Weltmarkt, in der Nachbarschaft lässt Italiens Energiekonzern ENI Ölbohrplattformen planen, und bei der Bertelsmann-Tochter Arvato werden Anträge auf Kundenkarten einer deutschen Warenhauskette digitalisiert. Siemens beschäftigt in Indien bereits 3 000 Softwareentwickler. Allein die für Mobilfunk-Software zuständige Tochter in Bangalore will ihren Personalstand dieses Jahr um fast 50 Prozent auf 620 erhöhen. Im Vergleich zu Deutschland liegen die Kosten um mehr als die Hälfte niedriger – bei gleicher Arbeitsleistung.

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