Diktator polarisiert auch nach Ableben
Straßenschlachten nach Pinochets Tod

Nach dem Tod des früheren chilenischen Diktators Augusto Pinochet ist das Land tief gespalten: Während Pinochet-Anhänger in der Hauptstadt Santiago de Chile trauerten, feierten Gegner den Tyrannen-Tod mit Hupkonzerten und Freudengesängen. Es kam zu Ausschreitungen.

HB SANTIAGO DE CHILE. Gegner des ehemaligen Militärmachthabers lieferten sich vor allem in Santiago heftige Straßenschlachten mit der Polizei, die Wasserwerfer und Tränengas einsetzte. Insgesamt 24 Polizisten und eine unbekannte Zahl von Demonstranten seien verletzt worden, berichteten nationale Medien am frühen Montagmorgen. Mehrere Dutzend Demonstranten seien zudem festgenommen worden. Zuvor hatten mehrere tausend Menschen den Tod des Diktators mit Champagner und Jubelchören gefeiert.

Vor dem Militärhospital, in dem Pinochet an den Folgen eines vor einer Woche erlittenen Herzinfarktes am Sonntag gestorben war, harrten unterdessen weiter etwa 1000 seiner Anhänger aus. Eine kleinere Gruppe von ihnen zog auch zum Wohnhaus der sozialistischen Präsidentin Michelle Bachelet, um dort gegen die Staatschefin zu demonstrieren. Sie wurden jedoch schnell von der Polizei vertrieben. Pinochet soll am Dienstag eingeäschert und beigesetzt werden. Ein Staatsbegräbnis werde es aber nicht geben, entschied Bachelet, die selbst während der Pinochet-Diktatur (1973-1990) gefoltert worden war.

Unterdessen forderte Amnesty International schnellere Gerichtsverfahren bei Verbrechen wegen Menschenrechtsverletzungen. Wie die Menschenrechtsorganisation in London auf ihrer Internetseite schrieb, sollte der Tod Pinochets ein „Weckruf“ für die Regierungen Chiles und anderer Länder sein. Pinochet sei durch seinen Tod der Justiz entkommen.

Brasiliens Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva sagte in einer ersten Reaktion, Pinochet habe „eine düstere Periode in der Geschichte Südamerikas“ symbolisiert. In jener Zeit habe es in der Region „eine lange Nacht“ gegeben, in der „die Lichter der Demokratie durch autoritäre Staatsstreiche gelöscht wurden“, schrieb Lula. Die kolumbianische Regierung betonte, in Chile sei eine Epoche zu Ende gegangen. Die Geschichte werde das Urteil über Pinochet fällen, sagte ein Sprecher in Bogotá.

Der frühere französische Kulturminister Jack Lang sagte: „Der Name Pinochet bleibt unauflöslich mit den schwärzesten Stunden des lateinamerikanischen Faschismus und den schlimmsten Taten des amerikanischen Imperialismus verbunden. Sein Schicksal verhindert leider, dass dem so hart unterdrückten, gedemütigten, gefolterten, bestohlenen chilenischen Volk volle Gerechtigkeit widerfährt. Welch Kontrast zu der hohen Figur Salvador Allendes, des von Pinochets Horden roh abgesetzten Befreiers Chiles.“

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