Diktator vor dem Sturz
Gaddafi will „bis zum Ende“ in Tripolis bleiben

Es scheint nur noch eine Frage von Stunden zu sein: Die Rebellen stehen in Tripolis. In den westlichen Bezirken sollen sie auf keine Gegenwehr gestoßen sein. Libyens Diktator Gaddafi meldet sich mit einer Audio-Botschaft zu Wort.
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Tripolis/BerlinSechs Monate nach Ausbruch des libyschen Bürgerkriegs sind die Rebellen erstmals in die Hauptstadt Tripolis vorgedrungen. Einheiten der libyschen Rebellen haben die westlichen Randbezirke von Tripolis erreicht. Sie seien dabei auf keinen Widerstand gestoßen. In der Nacht zum Sonntag waren Bewohnern zufolge in mehreren Stadtteilen Kämpfe zwischen den Aufständischen und Truppen von Machthaber Muammar Gaddafi ausgebrochen, die stundenlang anhielten. Auch nach Tagesanbruch waren Schüsse zu hören, wie Korrespondenten aus dem Stadtzentrum berichteten. Die Nato, die die Rebellen mit Luftangriffen unterstützt, bombardierte nach einem Bericht des Fernsehsenders Al-Dschasira Gaddafis Militärkomplex in der Stadt.

Unter dem Eindruck der näher rückenden Rebellen kündigte Gaddafi an, „bis zum Ende“ in der Hauptstadt Tripolis bleiben zu wollen. In einer im Staatsfernsehen am Sonntag ausgespielten Audio-Botschaft rief Gaddafi seine Anhänger auf, die Hauptstadt zu befreien. Der seit 41 Jahren herrschende Machthaber kündigte an, dazustoßende Unterstützer mit Waffen zu versorgen. Er habe Sorge, „dass Tripolis brennen wird“, sagte Gaddafi. Wie der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete, versicherte Gaddafi, er sei noch in Tripolis und seine Truppen würden niemals aufgeben. „Wir werden den Sieg erringen“, versprach er.

Zuvor war gemeldet worden, dass Gaddafi die Hauptstadt angeblich in Richtung algerische Grenze verlassen haben. Aus gut informierten Kreisen in Tripolis verlautete, er halte sich mit seiner Familie in einer Region unweit der Grenze auf und werde vom Al-Orban-Stamm beschützt. Eine Bestätigung für die Nachricht von der Flucht Gaddafis aus Tripolis gab es zunächst aber nicht - weder von den Rebellen noch von algerischer Seite. Ein Beamter des Außenministeriums in Algier sagte auf Anfrage, Gaddafi halte sich derzeit nicht in Algerien auf.

„Die Stunde null hat begonnen. Die Rebellen in Tripolis haben sich erhoben“, sagte der stellvertretende Chef des Nationalen Übergangsrats der Aufständischen, Abdel Hafis Ghoga, in ihrer Hochburg Benghasi der Nachrichtenagentur Reuters. Gaddafi sagte dagegen in einer am Morgen vom Staatsfernsehen gesendeten Audio-Botschaft, die Angriffe seien abgewehrt und die Rebellen, die er als Ratten beschimpfte, eliminiert worden.

Die Kämpfe schienen sich auf einzelne Stadtviertel zu begrenzen und zunächst nicht auf die ganze Stadt auszuweiten. Sie waren aber nach Angaben der Rebellen abgestimmt mit Aufständischen, die vom Westen und Süden aus versuchten, weiter auf die Hauptstadt vorzurücken. Aus diplomatischen Kreisen in Paris war zu vernehmen, die Rebellen in der Stadt wären in die vor Monaten ausgearbeiteten Pläne eingeweiht gewesen und hätten nur auf das Signal zum Handeln gewartet. Dieses kam Bewohnern zufolge, als Imame am Abend über die Lautsprecher der Moscheen die Menschen auf die Straße riefen.

„Unsere Revolutionäre kontrollieren mehrere Viertel, und andere kommen von außerhalb in die Stadt, um sich ihren Brüdern in dieser Zeit anzuschließen“, sagte Ghoga vom Übergangsrat der Rebellen. In der vergangenen Woche hatten die Rebellen nach monatelangem Stillstadt wichtige strategische Erfolge erzielen können. So nahmen sie Sawija westlich von Tripolis ein und kappten damit die wichtigste Versorgungsroute der Hauptstadt. Auch standen sie unmittelbar vor Al-Asisija etwa 45 Kilometer südlich von Tripolis.

In Benghasi und anderen Orten strömten die Aufständischen auf die Straßen und feierten ihre Mitstreiter in der Hauptstadt. Auch im Nachbarland Tunesien, wo die Welle der arabischen Revolten Anfang des Jahres ihren Anfang genommen hatte, lösten die Nachrichten von den Kämpfen Freudenfeste aus. „Heute Nacht habt Ihr die Angst besiegt“, sagte Gaddafis langjährige rechte Hand, der erst am Samstag zu den Rebellen übergelaufene Abdel Salam Dschallud, in einer Internet-Videoschaltung mit Al-Dschasira.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte im ZDF, es wäre gut, wenn Gaddafi „möglichst schnell aufgibt, um Blutvergießen zu vermeiden“. Gaddafi habe „mit seinem Krieg gegen das eigene Volk jede Legitimation verloren“, sagte Außenminister Guido Westerwelle. „Jeder Tag, den Oberst Gaddafi früher das Land verlässt, ist ein guter Tag für Libyen und das libysche Volk.“ Deutschland werde dabei helfen, „dass die Zeit nach Gaddafi auch gelingt, dass das Land eine gute und sichere und wirtschaftlich vernünftige Entwicklung nimmt.“

Auch ehemals enge Vertraute von Gaddafi sehen das Regime am Ende: So sagte etwa Abdulsalam Dschallud am Sonntagabend im italienischen RAI-Fernsehen: „Das Regime von Gaddafi wird zusammenbrechen, spätestens in zehn Tagen, vielleicht auch früher“. Seinen Angaben zufolge befindet sich Gaddafi in Tripolis und hat auch keine Chance, aus der libyschen Hauptstadt zu fliehen: „Alle Straßen sind blockiert. Der einzige Ausweg wäre über ein internationales Abkommen, und dafür ist es zu spät.“ Auch einen Selbstmord halte er für ausgeschlossen. Den Mut zum Freitod habe Gaddafi nicht, sagte Dschallud.

Der Libyer, früher Regierungschef in Tripolis und lange die Nummer zwei des Regimes, befindet sich inzwischen in Italien. Das hatte der italienische Verteidigungsminister Ignazio La Russa zuvor bestätigt. Italienische Medien hatten am Samstag berichtet, der ehemalige Freund Gaddafis sei von Libyen nach Tunesien geflohen und habe dann von Dscherba aus einen Flug Richtung Rom genommen. Vor ihm hatten bereits andere Weggefährten Gaddafis dem Diktator die Treue gekündigt.

Gaddafis Sohn Saif al-Islam gab dagegen Durchhalteparolen aus. „Die Revolte in Libyen wird keinen Erfolg haben. Ihr werdet niemals erleben, dass wir als Libyer uns ergeben und die weiße Fahne hissen. Das ist unmöglich. Dies ist unser Land, und wir werden es niemals verlassen“, sagte er vor einer handvoll applaudierender Anhänger. Das libysche Staatsfernsehen zeigte die Aufnahmen noch vor Morgengrauen.

Regierungssprecher Mussa Ibrahim erklärte, es seien lediglich einige kleinere Gruppen bewaffneter Rebellen nach Tripolis gelangt. Sie seien unschädlich gemacht worden: „Ich versichere den Libyern, Gaddafi ist Euer Führer ... Tripolis ist von Tausenden umgeben, um es zu verteidigen.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Diese Staaten werden sich bis zur Bedeutungslosigkeit im Bürgerkrieg zermürben. Und die Frauen verschleiern sich aus Scham, was aus der islamischen Idee geworden ist.

    Sie haben über Jahrzehnte die vielen Milliarden an Petro Dollar bekommen, doch sie haben das Geld sinnlos verschleudert. Ok, was will man auch schon von Regierungscvhefs verlangen, die noch vor 1 Generation nur Kamele getrieben haben.

    Ein kurzes Aufflackern an Bedeutung, aber man kann schon jetzt sagen:

    "Über ihre Spuren weht der Sand" und in 1-2 Gnerationen ist alles nur noch bedeutungslose Geschichte. So wie man Honecker gehasst und vergessen hat, so wird auch das arbaische Lagen schon bald wieder in die Bedeutungslosigkeit zurückkehren.





  • Ich würde mich nicht wundern, wenn nicht schon längst Fremdenlegionäre in Lybien kämpfen (natürlich ohne UN-Mandat).

  • Ein interessanter Satz
    " Dieses kam Bewohnern zufolge, als Imame am Abend über die Lautsprecher der Moscheen die Menschen auf die Straße riefen. "

    Das wird in islamistischen Replubiken enden. Die Religion wird da kräftigst mitmischen. In den anderen Ländern gab es die Demos auch ers immer nach den Freitagsgebeten. Die Verbindung Islam - Demokratie kann ich nicht herstellen

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