Diplomatie
Obamas Finanzchef bald Botschafter in Berlin?

Offenbar will die US-Regierung den Botschafter-Posten in Berlin neu besetzen. Der Ex-Goldmann-Sachs Investmentbanker Phil Murphy gilt als Favorit. Der ehemalige Finanzchef der Demokratischen Partei verfügt über gute Kontakte in Deutschland und wirkt gerne hinter den Kulissen.

WASHINGTON. Nach der Nominierung eines Kandidaten für den Botschafterposten in Peking steht die US-Regierung offenbar kurz davor, auch den Botschafterplatz Berlin zu besetzen. Verschiedenen Medienberichten zufolge soll dabei die Wahl auf Phil Murphy gefallen sein, der lange Jahre als Investmentbanker für Goldman Sachs tätig war - und dabei auch Deutschland bestens kennen lernte.

Phil Murphy´s Name wurde bereits Ende vergangener Woche von der "Washington Post" in Umlauf gebracht. Allerdings waren zuvor bereits einige andere Anwärter gehandelt worden. Diesmal scheint sich die Personalie jedoch zu erhärten. Murphy würde zudem durchaus Sinn machen, da der ehemalige Finanzchef der Demokratischen Partei über gute Kontakte in Deutschland verfügt. Als Murphy noch für die Investmentbank Goldman Sachs tätig war, gehörte Deutschland zu seinem Portfolio. Der Posten in Berlin gilt in den USA zwar nicht ganz so prestigeträchtig wie etwa London oder Paris - "doch wenigstens muss er nicht mehr in das verschlafene Bonn", merkte der Post-Kolumnist süffisant an.

Erst am Wochenende hatte Barack Obama für den Botschafterplatz in Peking Jon Huntsman nominiert. Die Benennung des republikanischen Gouverneurs im Bundesstaat Utah wurde inhaltlich wie politisch als geschickter Schachzug bewertet. Denn zum einen ist Huntsman ein exzellenter China-Kenner, der auch Mandarin spricht. Zum anderen bräche Obama - eine Bestätigung durch den Senat vorausgesetzt - mit dem 49-Jährigen einen Hoffnungsträger aus den Reihen der Republikaner. Mehr noch aber zeigte die Wahl, dass für Obama Parteiloyalität allein nicht den Ausschlag bei der Besetzung von Posten gibt.

Murphy hatte 2006 die Aufgabe als Finanzchef der Demokraten zu einem Zeitpunkt übernommen, als es der Partei wirtschaftlich alles andere als gut ging. Zudem musste er fein das Verhältnis zwischen Parteichef Howard Dean, der 2004 als Präsidentschaftskandidat gescheitert war, und dessen Kritikern austarieren. Allerdings ist genau das eine Fähigkeit, die der heute 52-Jährige mitbringt. Robert Rubin, Finanzminister unter Bill Clinton, attestiert Murphy "eine wundervolle Gabe mit Menschen umzugehen". Dabei agiert Murphy stets lieber hinter den Kulissen als lautstark vor diesen.

In Zeiten der Wirtschaftskrise wäre ein langjähriger Finanzexperte an der Spitze der Botschaft in Berlin eine gute Wahl. Immerhin hatte es bei der Frage, wie am besten die Krise bekämpft werden kann, gerade zwischen den USA und der Bundesregierung einige Meinungsverschiedenheiten gegeben. Diese hatten das Verhältnis vor dem G 20-Gipfel in London im April belastet. In den USA war mehrfach verlangt worden, Deutschland möge sich mit einem größeren Konjunkturpaket am Krisenmanagement beteiligen.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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