Diplomatische Verwicklungen
Drei Deutsche im Kosovo unter Terrorverdacht

Drei Deutsche werden im Kosovo unter Terrorverdacht festgehalten. Ein Untersuchungsrichter ordnete am Samstag vorerst 30 Tage Haft an. Die Männer im Alter von 41 bis 47 Jahren werden beschuldigt, sich am 14. November an einem Sprengstoffanschlag auf das EU-Hauptquartier in Pristina beteiligt zu haben. Nach Medienberichten sind sie Mitarbeiter des Bundesnachrichtendiensts (BND).

ap BERLIN/PRISTINA. Laut Anklage wollten die drei Deutschen die Bemühungen der EU um eine Polizeimission im Kosovo torpedieren. Mindestens einer der Verdächtigen habe von einem gegenüberliegenden Gebäude aus 300 Gramm Sprengstoff auf das EU-Quartier geworfen. Dies geht aus Gerichtsunterlagen hervor, die die Nachrichtenagentur AP am Sonntag einsehen konnte.

Der BND und die Bundesregierung lehnten offiziell jeden Kommentar zu dem Fall ab und machten weder Angaben zu Identität und Alter der Festgenommen noch zu den Tatvorwürfen. Die "Bild"-Zeitung (Montagausgabe) meldete derweil unter Berufung auf Sicherheitskreise, der BND schließe eine Mittäterschaft seiner Mitarbeiter an dem Anschlag "definitiv" aus. Als Täter kämen vielmehr Extremisten aus dem Kosovo in Frage, die gegen das dortige Engagement ausländischer Organisationen kämpften. Verletzt wurde bei dem Angriff niemand, es blieb bei geringem Sachschaden.

Auch kosovarische Justizsprecher lehnten eine Stellungnahme zu der Frage ab, ob das Trio für den BND arbeitet. Das Trio war Mittwoch von einer Anti-Terror-Einheit festgenommen worden. Laut "Spiegel" beteuern die Agenten, sie hätten lediglich den Tatort inspiziert. Den Männern wird nach Angaben ihrer Anwälte vom Samstagabend vorgeworfen, "terroristische Akte" ausgeführt zu haben. Ihnen drohen damit bis zu 20 Jahre Gefängnis.

Der Abgeordnete der Linken und Mitglied im BND-Untersuchungsausschuss, Norman Paech, verlangte, die Bundesregierung müsse umgehend für die lückenlose Aufklärung der Vorwürfe in der Öffentlichkeit sorgen, "bevor sie den Vorgang in das Parlamentarische Kontrollgremium versenkt und der Öffentlichkeit entzieht". Die Öffentlichkeit habe einen Anspruch darauf, darüber vorbehaltlos informiert zu werden, ob derart schwerwiegende Vorwürfe gegen die im Kosovo festgenommenen deutschen Beamten zuträfen oder nicht.

Der Arrest hat laut "Spiegel" zu diplomatischen Verwicklungen zwischen dem Auswärtigen Amt in Berlin und der Regierung in Pristina geführt. Grund sei die offenbar nicht offiziell angemeldete Tätigkeit der deutschen Agenten im Kosovo. Am Freitag erklärten die Ermittler in Pristina, bei den Deutschen handele es sich ihrer Bewertung nach "weder um Diplomaten, Polizisten, Soldaten oder Experten mit einem internationalen Ausweis".

Wie "Bild" berichtete, hat die Regierung des Kosovos dem Auswärtigen Amt noch am Freitag signalisiert, dass einer Freilassung der drei Männer nichts im Wege stehe. Im Laufe des Samstags hätten sich dann allerdings innerhalb des Regierungsapparats "anti-europäische Kräfte" durchgesetzt, die die wahren Hintergründe des Anschlags verschleiern und ausländische Kräfte dafür verantwortlich machen wollten.

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