Direktinvestitionen
Deutsche Industrie weist Athens Einladung ab

Der BDI reagiert kühl auf Papandreous Werben um Direktinvestitionen. "Solange griechische Investoren auf der Gegenspur das Land verlassen", ströme kein Kapital hinein. Aber BDI-Chef Keitel hat einen eigenen Vorschlag.
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BerlinDie Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede von Griechenlands Premier Giorgos Papandreou vor der deutschen Industrie wurde von den Unternehmensvertretern mit lautem Beifall aufgenommen. Die Schwüre des gradlinigen Reformers Papandreou, sein Land endlich in Ordnung zu bringen kommen gut an. Er wünsche ihm den gleichen Erfolg wie Theseus in der griechischen Mythologie, der das Monster Minotaurus besiegte, sagt BDI-Präsident Hans-Peter Keitel: Er hoffe, Papandreou werde die „weißen Segel des Siegers hissen“ können.

Die dringende Bitte des griechischen Regierungschefs, dem Land mit größeren Direktinvestitionen schneller wieder auf die Beine zu helfen, fällt dennoch glatt durch.

„Es geht kein ausländischer Investor an der Spitze in das Land, wenn auf der Gegenspur die griechischen Investoren das Land verlassen", beschied BDI-Präsident Keitel Griechenland bereits in der Eröffnung des Kongresses. Das Investitionsklima dort sei nicht so, um im großen Stil zu investieren. Und dann rief er die griechischen Unternehmer auf, jetzt als „Patrioten etwas für ihr Land zutun“ und nicht ins Ausland abzuwandern.

An die Adresse der griechischen Regierung forderte Keitel, „ein Signal“ an ausländische Investoren zu senden. Ungeklärte Streitfälle aus der Vergangenheit müssten gelöst werden. Bereits zuvor hatte Keitel auf die komplizierte Genehmigungspraxis in Griechenland, die intransparente Steuererhebung und die schlechte Zahlungsmoral der öffentlichen Hand hingewiesen. "Früher haben wir solche Dinge als Folklore akzeptiert - und dem Land damit geschadet. Heute sagen die Unternehmer klipp und klar: Das ist ein Investitionshindernis, und wenn Ihr mehr Investitionen wollt, müsst Ihr besser werden", sagte der BDI-Chef in einem Interview der Berliner Zeitung.

Bei dem BDI-Kongress in Berlin holte Keitel einen alten Vorschlag hervor, wie die Wirtschaftskraft Griechenlands und anderer südlicher Länder in Europa gestärkt werden könne - mit einem Energie-Pakt. So könnte Solarenergie aus Griechenland in die westeuropäischen Industriegebiete kommen. Branchenexperten zweifeln aber an der Wirtschaftlichkeit dieser Idee. Der Bau von Stromnetzen und der weite Transportweg nach Europa könnten den günstig gewonnenen Sonnenstrom von griechischen Inseln wieder drastisch verteuern.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) reagierte mit Skepsis auf den BDI-Vorstoß. Der von Keitel vorgeschlagene Energiepakt könne zwar durchaus Sinn machen, da Solarenergie in Griechenland großes Potential habe. „Vor allem zur Stärkung der wirtschaftlichen Entwicklung in Griechenland wäre es wünschenswert dass Solarenergie verstärkt genutzt wird, zumal die solarthermisch erzeugte  Energie kosteneffizient in sonnenreichen Regionen erzeugt werden kann“, sagte Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt beim DIW am Samstag Handelsblatt Online. „Ein derartiger Energiepakt zwischen Deutschland und Griechenland kann aber nicht bedeuten, dass man nationale Energieprogramme ersetzt, denn es wird beides geben müssen: EU-Ziele und -Kooperationen sowie nationale Energieprogramme.“

Kemfert wies darauf hin, dass Griechenland schon vor einiger Zeit wie Deutschland ein Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) beschlossen habe. Wenn es daher jetzt eine Stärkung der erneuerbaren Energien in Griechenland durch gezielte Unterstützung deutscher Unternehmen gebe, dann könne  das sicherlich helfen, die Wirtschaft in Griechenland zu stärken. Das Ziel, auf diese Weise auch Deutschlands Energieversorgung profitieren zu lassen, könne aber nur ein Baustein und ein mittel- bis langfristiges Ziel sein und nur durch den deutlichen  Ausbau der Stromnetze gelingen. „Deutschland ist gut beraten, die Energiewende vor Ort weiterzuentwickeln und die dezentrale Energieversorgung zu stärken“, sagte Kemfert. Der Strombedarf könne mittel- bis langfristig auch teilweise durch Importe aus Griechenland oder generell aus dem Ausland, etwa Skandinavien, gedeckt werden. „Dies wird aber erst in einem Jahrzehnt der Fall sein.“

Nach Kemferts Ansicht muss dabei auch der EU-Binnenmarkt im Blick gehalten werden. „Die EU wird die EE-Ziele ohnehin nur erfüllen können, wenn Sonnenstrom aus Südeuropa und Wind und Wasserstrom aus Nordeuropa genutzt und gehandelt werden kann“, sagte die DIW-Expertin. „Davon würde Deutschland profitieren.“

In der nächsten Woche reist Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) mit einer großen Managerdelegation nach Athen, um für Investitionen zu werben. Rösler hatte eine Art „Marshallplan“ entworfen, um Griechenland wieder wettbewerbsfähig zu machen.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Direktinvestitionen: Deutsche Industrie weist Athens Einladung ab"

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  • Es sollte für Griechenland schon viel erreicht sein, wenn auch Vermögende Steuern bezahlen.
    Wenn Exporteure von griechischen Bodenschätzen (Marmor aus Thassos) keine Steuern zahlen, so kann das soch nicht sein!!!!

  • Griechische Unternehmen und Banken wandern nach Bulgarien aus, weil sie dort angeblich nur 10% Steuer zahlen müssen. Ein Appell an Patriotismus hilft da nicht weiter. Das ist ein Dilemma für Griechenland. Es braucht mehr Steuereinnahmen, aber nun müss es womöglich Steuern für Unternehmen senken, damit sie im Land bleiben. Dennoch, alle Steuerschlupflöcher müssen sofort beseitigt werden.

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