Diskussion über Bhutto-Attentäter
„Bequem, die Schuld El Kaida zu geben“

Die ermordete Benazir Bhutto war im Fadenkreuz praktisch aller militanten Gruppen in Pakistan - angefangen von El Kaida bis hin zu Stammesführern an der afghanischen Grenze. Dass sie ausgerechnet in Rawalpindi dem Attentat zum Opfer fiel, hat aber auch die Regierung von Präsident Musharraf ins Zwielicht gerückt.

HB ISLAMABAD. Für den ersten Anschlag auf ihr Leben, dem sie nach ihrer Rückkehr aus dem Exil am 18. Oktober knapp entgangen war, gab Bhutto der El Kaida, den Taliban und einheimischen Extremisten die Schuld. Sie vermutete aber auch militante „Sympathisanten“ im Staatsapparat, das Attentat unterstützt zu haben. Diesen Vorwurf hatten ihre Anhänger wohl noch im Kopf, als sie kurz nach Bhuttos Tod am Donnerstag ihrer Wut und Trauer mit dem Ruf „Mörder, Mörder, Musharraf“ Luft machten.

Die Nummer zwei der El Kaida, Aiman al Sawahiri, hatte in einer Videobotschaft Anfang Dezember Bhutto verächtlich gemacht und zu Anschlägen auf alle Kandidaten für die Parlamentswahl am 8. Januar aufgerufen. Auf islamischen Websites bekannte sich das Terrornetzwerk zu der Tat. Ob diese Behauptung aber auch stimmt, konnten Fachleute zunächst nicht überprüfen.

Doch der Kreis möglicher Attentäter ist größer. Klar ist, dass Bhutto als Frau, die im Westen studierte und von den USA unterstützt wurde, das Feindbild vieler islamischer Extremisten verkörperte. Sie kündigte im Wahlkampf an, den Kampf der pakistanischen Armee gegen militante Islamisten zu intensivieren. Diese Drohung richtete sich gegen die militanten Islamisten in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan.

Schon nach dem Anschlag im Oktober gab es den Verdacht, dass der Kriegsherr Baitullah Mehsud, der in der Nähe der pakistanisch-afghanischen Grenze lebt und die radikalislamische Taliban-Miliz unterstützt, hinter der Bluttat mit über 140 Toten stecke. Mehsud war in Zeitungen mit der Bemerkung zitiert worden, er werde Bhutto bei ihrer Rückkehr mit Selbstmordattentätern begrüßen. Er dementierte diese Äußerung aber später.

Als „Ungläubige“ angefeindet wurde Bhutto auch von islamischen Gruppen wie Jaish-ul Mohammed, Lashkar-e-Tayyaba und Hezb-ul Mujahedeen, die das pakistanische Militär einst für den Kampf gegen Indien im Kaschmir-Konflikt aufgepäppelt hatte. Diese Gruppen haben sich später der El Kaida angeschlossen.

„Nach meiner Ansicht steckt wahrscheinlich die El Kaida hinter dem Anschlag“, erklärt Bruce Riedel, Sicherheitsexperte der Brookings Institution, eines unabhängigen Forschungsinstituts in Washington. „Und wenn die es nicht direkt sind, dann ist es sicherlich eine Gruppe, die zu ihren Sympathisanten gehört. Sie alle haben eine gemeinsame Antipathie gegen Bhutto, da sie eine Frau ist, eine Befürworterin von Säkularismus und Demokratie und allem, was sie ablehnen.“

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