Diskussion über Moslem-Proteste: „Das ist alles aufgebauscht worden“

Diskussion über Moslem-Proteste
„Das ist alles aufgebauscht worden“

Die Proteste in islamischen Ländern gegen die Mohammed-Karikaturen reißen nicht ab. Während Muslime in Deutschland um eine Deeskalation bemüht sind, fliegen im Nahen Osten, Afghanistan und Indonesien weiter Steine und Molotowcocktails. Sicherheitsexperten sprechen von einer gezielten Steuerung der Gewaltausbrüche.

co DÜSSELDORF. Weltweit fragen sich Beobachter, weshalb der Streit über die Karikaturen, die schon am 30. September vergangenen Jahres in der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten” erschienen waren, erst in diesen Tagen eskaliert. So häufen sich die Vermutungen, dass die Proteste von Regierungen gesteuert und von führenden Geistlichen in den betroffenen Ländern zusätzlich angeheizt werden.

"Ich bin überzeugt, dass die Demonstationen aus politischen Gründen aufgebauscht wurden", sagte der amerikanische Sicherheitsexperte Richard Perle in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen". "Das ist doch alles nicht spontan, sondern wird von den Regierungen medientechnisch genutzt."

Die Rede ist in diesem Zusammenhang vor allen von Ländern, in denen die Proteste besonders heftig ausfielen: Syrien, Libanon, Saudi-Arabien, Palästina und Iran - alles Länder, die vom Westen ohnehin schon an den Pranger gestellt wurden. In Syrien steht das Regime von Präsident Assad wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung an der Ermordung des früheren libanesischen Ministerpräsidenten Hariri unter dem Druck der Staatengemeinschaft. Im Libanon fürchtet die islamistische Hizbullah um den Verlust ihrer Schutzmacht Syrien.

In Saudi-Arabien wittern Reformgegner eine Chance, sich gegenüber dem Westen abgrenzen wollen. In Palästina hat sich nach dem Wahlsieg der radikal-islamischen Hamas der Konflikt mit Israel verschärft und der Iran steht wegen seiner Atompolitik weltweit in der Kritik.

Es entsteht der Eindruck, dass Radikale auf einen Sprengstoff wie die Mohammed-Karikaturen gewartet haben, sich - aus unterschiedlichen Gründen - am Westen zu rächen. In Diskussionssendungen arabischer Fernsehsender ist dabei häufig der Vorwurf zu hören, der Westen lege bei der Pressefreiheit einen doppelten Standard an: Zum einen rechtfertige er die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen mit der Pressefreiheit, zum anderen stelle der Westen jedoch bedingungslos hinter Israel und seine Interessen.

Die Mohammed-Karikaturen, bieten den Ländern Gelegenheit, die Stimmunge gegen die westlichen Staaten religiös aufzuladen und zu radikalisieren. So richtet sich die Wut der Muslime nun auch gegen die Staaten, die sich bislang bewusst aus dem Karikaturen-Streit heraushielten und die Zeichnungen auch nicht nachdruckten - wie die USA und Großbritannien. In dieser Woche erreichte die Protestwelle London. Empörte Muslime protestierten auf den Straßen der Hauptstadt. Ein Mann provozierte mit einer Verkleidung als Selbstmordattentäter. Nun diskutiert das Land darüber, wie die Polizei mit den Demonstranten umgehen solle.

In Indonesien und Afghanistan haben Demonstranten am Montag auch vor US-Vertretungen gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen protestiert. In der zweitgrößten indonesischen Stadt Surabaya schleuderten Demonstranten zunächst Steine gegen das dänische Konsulat, bevor sie vor das US-Konsulat zogen. In Kabul gingen Menschen auf ein Wachhaus eines US-Stützpunktes los.

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