Diskussion um Gasleitung: Joschka Fischer empört Russen

Diskussion um Gasleitung
Joschka Fischer empört Russen

Hochrangige Moskauer Gasexperten reagieren auf das Handelsblatt-Interview. Darin hatte der ehemalige deutsche Außenminister gesagt, Russland plane die Gaspipeline South Stream nur aus machtstrategischen Gründen. Russische Fachleute weisen den Vorwurf nun zurück – und bezeichnen im Gegenzug die europäische Nabucco-Pipeline als politisches Projekt.
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BERLIN. Ex-Außenminister Joschka Fischer hat mit dem Vorwurf, Russland plane die Gaspipeline South Stream allein aus machtstrategischen Gründen, für Empörung in Moskau gesorgt. "Ökonomisch macht South Stream keinen Sinn. Politisch ist das Projekt nicht im europäischen Interesse", hatte der Grünen-Politiker vor einer Woche im Handelsblatt-Interview gesagt. Diese Worte nahmen russische Gasexperten nun zum Anlass, eine deutsch-russische Pressekonferenz mit Videoschalte von Moskau nach Berlin zu organisieren.

"Die Aussage, dass South Stream ökonomisch sinnlos sei, ist ein Zeichen von Wettbewerbsfurcht des Nabucco-Konsortiums", sagte Andrej Konopljanik, Berater des Vorstands der Gazprom Bank. Die ökonomischen Risiken seien im Gegenteil bei der Nabucco-Pipeline sehr viel höher als bei South Stream, und in Wahrheit sei doch Nabucco eher ein politisches Projekt, nämlich das der EU.

Die geplante Nabucco-Pipeline soll Gas von der Osttürkei nach Österreich führen, um Europa unabhängiger von russischen Gaslieferungen zu machen. An dem europäischen Konsortium ist der deutsche Energiekonzern RWE beteiligt, Fischer ist dort Berater. Das größte Problem des Konsortiums ist, dass es bisher keinen Gaslieferanten unter Vertrag hat.

Der russische Gaskonzern Gazprom will ebenfalls Südosteuropa mit der neuen South-Stream-Pipeline erreichen, um unabhängiger von der existierenden Röhre zu werden, die Gas aus Sibirien über die Ukraine und Weißrussland nach Deutschland transportiert. Als Russland und die Ukraine sich 2005 und 2006 über den Gaspreis stritten, drehte die Ukraine zeitweise den Gashahn nach Westeuropa zu.

Während die Befüllung von South Stream mit russischem Gas kein Problem wäre, ist das Konsortium mit seinen Planungen und den notwendigen Verträgen nach EU-Recht in Europa noch längst nicht so weit fortgeschritten wie Nabucco. Das gestand gestern auch Konopljanik ein. Eine Kooperation mit Nabucco sei dennoch bisher keine realistische Option. "Zuerst müsste die EU ihre Diversifizierungsstrategie aufgeben."

Der zweite hochrangige Moskauer Experte, Anatoli Dmitrijewskij, erinnerte an die Drohung von Russlands Premier Wladimir Putin, "Deutschland und Europa müssen sich überlegen, ob sie Gas aus Russland brauchen oder nicht". Beide Experten bekräftigten, dass Russland für South Stream Verträge mit den Gaslieferländern Mittelasiens, etwa Turkmenistan, zu europäischen Preisen schließen werde. "Dieses Gas würde dann rechtlich zu russischem Gas und so nach Europa geliefert", sagte Konopljanik.

Als einziger möglicher Lieferant aus der Region verbliebe für Nabucco Aserbaidschan: Für das Gas von dort würde sich aber ein Pipelinebau nicht lohnen. So haben Aserbaidschan, Georgien und Rumänien gerade vereinbart, künftig Gas aus Aserbaidschan per Tanker über das Schwarze Meer nach Rumänien und von dort weiter nach Westeuropa zu bringen. Experte Dmitrijewskij sieht deshalb schwarz für das europäische Pipelineprojekt: "Die Finanzierungsverträge des Nabucco-Konsortiums stehen unter dem Vorbehalt von Lieferverträgen."

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Diskussion um Gasleitung: Joschka Fischer empört Russen"

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  • An sich wäre es Zeit so schnell als möglich auf Wind- und Solarstrom sowie Nachspeicher-Heizungen zu setzen.

  • Werte Russen nehmt den Joschka nicht so ernst der ist käuflich der redet jetz sogar schon über Melonen,weis auch bestimmt wie die angebaut werden,das arbeiten hat der mit in die wiege gelegt bekommen,der weiss einfach alles,dabei ist der zu recht zu was gekommen.er war zur richtigen zeit am richtigen ort und hat einfach los schwadroniert so wie schwerter zu Pflugscharen,nun muss ich aber aufhören der ist bestimmt mal an einer Anwaltskanzlei vorbeigelaufen und nun weiss der wie man texte auslegen kann um Geld zu schinden.

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