Diskussion um Kredite
Griechenland muss pünktlich zahlen

Griechenlands Finanzminister Papakonstantinou hatte am Montag im Fernsehen behauptet, die Rückzahlungsfrist der Milliarden-Hilfskredite der EU zu verlängern. Brüssel und Berlin stellten nun klar: Griechenland muss pünktlich zahlen.
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HB BRÜSSEL. Die EU-Kommission und Deutschland haben Ideen Griechenlands für eine längere Rückzahlungsfrist der Milliarden-Hilfskredite zurückgewiesen. Die Situation am Kapitalmarkt habe sich für Griechenland verbessert, so dass es keinen Anlass für eine Verlängerung gebe, erklärte ein Sprecher von EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn am Dienstag in Brüssel.

Auch das Bundesfinanzministerium erteilte entsprechenden Überlegungen des griechischen Finanzministers Giorgos Papakonstantinou eine klare Absage. „So lange die Griechen die Anforderungen erfüllen, und das tun sie sehr gut, gibt es keinen Grund, den Rückzahlungszeitplan zu verändern“, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Euro-Länder und der Internationale Währungsfonds (IWF) hatten im Frühjahr einen 110 Mrd. Euro schweren Schutzschirm für Griechenland aufgespannt, weil das Land angesichts seiner ausufernden Schulden neue Kredite an den Finanzmärkten nur noch zu sehr hohen Zinsen bekommen hätte. Die Regierung in Athen kann über drei Jahre mit den Garantien Kredite aufnehmen, die wiederum binnen drei Jahren zurückgezahlt werden müssen.

Papakonstantinou hatte am Montagabend im griechischen TV-Sender Skai gesagt, es gebe eine Diskussion über eine Verlängerung der Rückzahlungsfrist, wenn auch noch keine Entscheidung. Die Debatte habe begonnen, weil absehbar sei, dass der Staat seine Rückzahlung über 40 bis 50 Mrd. Euro im Jahr 2014 ein Jahr später plötzlich auf 70 Mrd. Euro steigern müsse. „Es ist eine noch laufende Diskussion, es gibt keine Entscheidung und es ist etwas völlig anderes als eine Restrukturierung der griechischen Schulden“, sagte er.

Während der IWF am Wochenende Überlegungen über längere Tilgungsfristen nicht ausgeschlossen hatte, erklärte die EU-Kommission nun, eine solche Diskussion gebe es nicht. Die Stimmung unter den Investoren habe sich verbessert, so dass die Risikoaufschläge bei griechischen Staatsanleihen gesunken seien. „All das lässt darauf schließen, dass Griechenland seinen Finanzbedarf ab 2012 an den Märkten decken kann“, sagte der Sprecher.

Die erfolgreiche Ausgabe einer kurzfristigen Schuldverschreibung des griechischen Staates zeigte, dass die Anleger das überschuldete Euro-Land nicht länger mit spitzen Fingern anfassen. Griechenland platzierte Geldmarktpapiere über 1,17 Mrd. Euro, wie die Schuldenagentur des Landes mitteilte. Die Zinskosten für den Staat lagen mit 4,54 Prozent geringer als bei einer Emission im September, als Griechenland den Käufern noch eine Rendite von 4,82 Prozent bieten musste.

Die Nachfrage war vier Mal so hoch wie die angebotene Menge. Ausländische Anleger sicherten sich ein Viertel der Emission. „Der Rückgang der Rendite und die gute Überzeichnung spiegeln die verbesserte Stimmung für griechische Staatsanleihen wider“, sagte Costas Boukas von Beta Securities. Dies sollte den Weg ebnen für noch niedrigere Zinsen bei den nächsten Auktionen.

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