Diskussion um Reservewährung
Geithner zeigt sich offen für Chinas Währungsvorschlag

Die von China angestoßene Diskussion um den Aufbau einer internationalen Reservewährung neben dem Dollar gewinnt an Fahrt: Sowohl US-Finanzminister Timothy Geithner als auch der Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, zeigen sich grundsätzlich offen für den Vorschlag.

HB NEW YORK. US-Finanzminister Timothy Geithner hat sich "ziemlich offen" für einen Vorschlag Chinas zur Neuregelung des weltweiten Währungssystems gezeigt. Dennoch dürfte der Dollar weiterhin Leitwährung bleiben, sagte Geithner am Mittwoch. "Und ich denke, das wird auch noch länger so bleiben." Der Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, nannte die Diskussion über die Rolle von Reservewährungen "legitim". Er betonte jedoch ebenfalls, die Tage des Dollars als Reservewährung seien noch nicht gezählt. Auch die Chinesen teilten diese Ansicht.

Chinas Notenbankchef Zhou Xiaochuan hatte vor wenigen Tagen angeregt, die Sonderziehungsrechte (SZR) des Internationalen Währungsfonds zu einer übernationalen Reservewährung auszubauen. Die SZR wurden 1969 eingeführt, verloren aber nach dem Ende des Bretton-Woods-Systems fester Wechselkurse 1971 an Bedeutung. Ihr Wert bemisst sich an einem Währungskorb.

Unterstützung findet der Vorstoß auch bei Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz. In einem Interview mit dem Tagesspiegel am Montag, griff er den schon von John Maynard Keynes in Spiel gebrachte Vorschlag einer weltweiten Reservewährung auf. Das derzeitige System, das auf dem Dollar basiert, habe fundamentale Mängel, so Stiglitz. „[W]enn wir mit zwei oder drei Währungen arbeiten würden – also Dollar, Euro und Yen – wäre das womöglich noch unstabiler. Deswegen brauchen wir eine globale Reservewährung – ein Vorschlag, den übrigens schon Keynes gemacht hat“, sagte Stiglitz.

Die Spekulationen über eine Ablösung des US-Dollar als Weltreservewährung setzten den Greenback zeitweise kräftig unter Druck, so dass der Euro vorübergehend bis auf 1,3649 Dollar kletterte. Der Druck auf die US-Währung ließ jedoch deutlich nach, als Geithner betonte, ein starker US-Dollar sei weiter im Interesse der USA und werde wohl noch lange Reservewährung bleiben.

Der Wirtschaftsberater von US-Präsident Barack Obama und frühere Chef der Notenbank Federal Reserve, Paul Volcker, äußerte sich sehr zurückhaltend zu einer Reform des Währungssystems. Ein Übergang zu den IWF-Sonderziehungsrechten sei wenig praktikabel, sagte Volcker. Er äußerte zwar Verständnis für die Unzufriedenheit vieler Länder, dass das Währungssystem so abhängig vom Dollar sei. Die Chinesen hätten jedoch selber zu dem Problem beigetragen, weil sie einen Großteil ihrer gigantischen Währungsreserven in Dollar angelegt hätten.

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