DIW-Ökonom Belke

„Auch die Fed kann bankrott gehen“

DIW-Ökonom Belke hält die US-Abstufung für gerechtfertigt. Die S&P-Aktion könnte aber weltweite Folgen haben. Im Interview skizziert der Wirtschaftsprofessor einige sehr drastische Szenarien.
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Ansgar Belke ist Forschungsdirektor für Internationale Makroökonomie am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin. Quelle: PR

Ansgar Belke ist Forschungsdirektor für Internationale Makroökonomie am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin.

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Handelsblatt Online: Herr Belke, droht den USA eine neue Rezession und der Welt eine neue Krise?

Ansgar Belke: Die Welt ist wieder etwas näher an eine Rezession gerückt. Das Downgrade für die USA kam aber nicht unerwartet und ein Teil war sicherlich schon in den Dollarkurs eingepreist. Einen Märkteschock wie nach Lehman wird es also wohl nicht geben. Hinzu kommt, dass Investoren aus regulatorischen Gründen auch nicht automatisch wegen des schlechten Ratings gezwungen sind, amerikanische Staatsanleihen zu verkaufen. Einen Selective Default dürfte von der US-Regierung auf jeden Fall vermieden werden, da sie weiterhin Zins- und Tilgungszahlungen leisten kann

Also keine neue Weltwirtschaftskrise?

Die Herabstufung ist wohl mehr ein weiteres Signal für einen Abschwung. Dennoch wird deutlich, dass es bei dem Kompromiss um die Erhöhung der Schuldenobergrenze zu keiner nachhaltigen Verringerung des Schuldenproblems gekommen ist. Es gilt eher umgekehrt: der Spielraum für zukünftige Schulden ist weiter gestiegen. Dieser wurde von den USA auch nach all den anderen Erhöhungen des Schuldenlimits in den letzten Jahrzehnten immer rasch genutzt.

Dann kommt das Downgrade nicht überraschend.

Es war klar, dass die USA ihr Triple-A nicht würden halten können. Die strukturellen Probleme in der US-Wirtschaft sind zu gravierend. Die Vereinigten Staaten haben kein nachhaltiges Wirtschaftsmodell, das auf Sicht der nächsten Jahre ein nachhaltig hohes Wachstum schaffen könnte.

Zudem führen einschneidende Sparankündigungen – falls sie überhaupt realisiert werden - nicht selbstverständlich zu Erfolgen bei der Schuldenstabilisierung. Denn die Arbeitslosenquote ist hoch und die soziale Schieflage in der Bevölkerung groß, sodass der Widerstand der Bürger deutlich könnte.

Wird der US-Staatsanleihen-Markt in die Knie gehen?

Es wird zu keinem Ausverkauf an US-Anleihen kommen, da kaum Alternativen zur Verfügung stehen. Anleihen von Emerging Markets können es nicht sein, da sich deren Regierungen gegen die damit verbundenen Aufwertungen mit Kapitalverkehrskontrollen zur Wehr setzen dürften.

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16 Kommentare zu "DIW-Ökonom Belke: „Auch die Fed kann bankrott gehen“"

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  • Im Krisensommer 2011 offenbart sich der desaströse Zustand unserer Demokratien. Eine übermächtige Finanzwirtschaft führt Politik und Eliten vor.
    Seit dem Crash von 2008 wissen wir, dass nichts so irrational, gefährlich und unproduktiv ist wie das Meuteverhalten der Finanzakteure, die keinem anderen als dem eigenen Nutzen folgen…
    Jeder Staat meinte, „seine“ Wirtschaft optimal in Stellung bringen zu müssen, indem Kosten gesenkt, Verpflichtungen gelöst und außerdem sagenhaft viel Geld verdient werden konnte.
    Dieser neue Kapitalismus hat die Ideale und Stärken der Demokratien in einem Maß untergraben, wie kein äußerer Feind es gekonnt hätte. Die „Märkte“ sind zur Parallelgesellschaft des 21. Jahrhunderts geworden. Sie können jenseits der für alle anderen gültigen Maßstäbe von Haftung und Verantwortung handeln…
    Die Demokratien haben sich vom neuen Finanzkapitalismus ihr Selbstbewusstsein abkaufen lassen. Der Aufstieg der Demokratie war nicht möglich ohne die soziale und rechtliche Zivilisierung des Kapitalismus, ohne die Zurücksetzung der Macht der ökonomisch Stärkeren. Die alternden Demokratien kapitulieren vor ihr.
    Erst die Deregulierungseuphorie demokratischer Regierungen hat den sagenhaften Aufstieg der Finanzoligarchie möglich gemacht, und die Nebenwirkung trat sofort ein – die abrupt sinkende Fähigkeit zur politischen Selbstkorrektur. Noch eindrucksvoller als die Liste des zahlreichen Finanzcrashs ist die Unfähigkeit, daraus Konsequenzen zu ziehen…

  • warum alles so "negativ"... es ist doch schön, dass auch mal die "unfehlbaren" mächtigen Länder merken wie es ist, wenn man mit immer "enger-gesetzten" Parametern "gerated" wird und einem dadurch die Luft abgeschnürt wird (wie es bei vielen deutschen mittelständischen Betrieben passiert ist).... evtl. hilft das ganze ja - dass die Leute alle wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehren und wieder eine "vernünftige" Finanzpolitik betreiben (was auch die letzte Hoffnung ist). Das Problem an der Sache ist nur, dass alles Geld welches die Länder jetzt auf den Markt schmeissen, innerhalb kürzester Zeit verpufft und in den Händen von einigen wenigen Grosskapitalisten, hedge-Fonds, Investoren und Banken liegt....

  • Einer so objektiven Quelle wie diesem Weltungergangsblog kann ich natürlich nichts mehr entgegensetzen.

  • @armeradel

    Die letzten Krisen, von denen Sie sprechen, wurden nur vorübergehend beseitigt, indem neue Schulden angehäuft wurden. Irgendwann ist der Bogen aber überspannt. Und an dem Punkt befinden wir uns mittlerweile!

    Je mehr man sich dagegen zu stemmen versucht, umso heftiger wird der Endknall sein! Natürlich wird man noch alles versuchen, um den Tag hinaus zu zögern, aber letztendlich ist er nicht mehr aufzuhalten.

    Ich stimme auch k.h.a mit seinem Kommentar (weiter oben) vorbehaltlos zu!

  • @Einwanderer

    "Irgendwo gibt es ein Problem" ???

    Es gibt zig schwerwiegende Probleme ohne Lösung derjenigen, die sie lösen sollten. Alles was bisher dagegen unternommen wurde, hat die Krise noch verschlimmert. Ein Träumer ist der, der noch daran glaubt, dass alles nicht so schlimm wird.

    Damit wir uns richtig verstehen, das gesamte Kredit- und Finanzsystem steht auf des Messers Schneide! Und eine komplette Neuordnung wird wahrscheinlich unausweichlich sein.

    Vor etwa drei Wochen ist bereits in einem Artikel von Michael Snyder (The Economic Collapse, 19.07.2011) auf den derzeitigen Crash hingewiesen worden. Außerdem kann man anhand vieler Zahlenbeispiele klar belegen, dass das derzeitige Finanz- und Währungssystem so nicht mehr fortzuführen ist.

    Mir wäre es auch liebe, es bliebe ruhig, aber die Fakten sprechen dagegen.

  • Die FED ist die Quelle aller Krisen. Bernanke und Yellen die absoluten Geldvernichter. Weg mit der FED und diesen Leuten. Schon Greenspan war nur Chaos.

  • Ich verstehe die ganze Aufregung nicht.
    Da machen einige große Institutionelle eine kleine Schuldenkrise zum Anlass bei 7250 DAX Aktien zu verkaufen, die sie bei 6100 wieder kaufen wollen. Gespickt mit den richtigen Optionen.
    Das ganze Euro- und Ratinggeschwafel ist doch nur Ablenkung für die selbst inszenieret Volatilität um Milliarde zu scheffeln.
    Seit doch ehrlich, die wievielte Krise in den letzten 25 Jahren ist das? Die 10 oder 15te? Ob Panzer auf den Kremel rollen, die Asiaten angeblich Wrtschaftskrise haben oder 2001 ein paar durchgeknallte zwei Flieger ins WTC lenken, von den Krisen hat immer nur das große Kapital gesorgt und deftig davon profitiert.
    Wenn die Staaten wurklich sapren wollen, dann besteuert solche gewinne mit 95% und der Spuk hört sofort auf.

  • Zum Glück stimmt das nicht, die Fed kann, im Gegensatz zur EZB, nicht bankrott gehen. Siehe meinen Blog unter http://wirtschaftsphilosoph.wordpress.com/2011/08/08/kann-die-fed-bankrott-gehen/

  • Irgendwo gibt es ein Problem, und schon kommen die Drohungen heraus, dass es bald zu Ende sein wird. So kann ein Rattenfänger jene, die sich fürchten, dort abholen wo sie sind. Mit sachlicher Kritik oder gar konstruktiven Beiträgen hat das genau garnichts zu tun, von da her ist es auch irrelevant.

  • Bedauerlicherweise professoral-wissenschaftliches Geschwafel.
    Das alles ist mit bekannten Mitteln nicht mehr beherrschbar.
    Was kommen muss, ist eine gesteuerte Währungsreform. Vorschlag: Abwertung 1:100, das bedeutet z.B. aus den ca.
    2 Billionen deutschen Schulden werden nach Währungsschnitt
    nur noch 20 Mrd.Die amerikanischen Schulden von ca. 14 Billionen valutierten dann nur noch mit 140 Mrd. Dann Neustart mit neuer Weltwährung auf freiwilliger Basis für
    teilnahmewillige Staaten.Utopie ?

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