DIW-Ökonom Belke
„Auch die Fed kann bankrott gehen“

DIW-Ökonom Belke hält die US-Abstufung für gerechtfertigt. Die S&P-Aktion könnte aber weltweite Folgen haben. Im Interview skizziert der Wirtschaftsprofessor einige sehr drastische Szenarien.
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Handelsblatt Online: Herr Belke, droht den USA eine neue Rezession und der Welt eine neue Krise?

Ansgar Belke: Die Welt ist wieder etwas näher an eine Rezession gerückt. Das Downgrade für die USA kam aber nicht unerwartet und ein Teil war sicherlich schon in den Dollarkurs eingepreist. Einen Märkteschock wie nach Lehman wird es also wohl nicht geben. Hinzu kommt, dass Investoren aus regulatorischen Gründen auch nicht automatisch wegen des schlechten Ratings gezwungen sind, amerikanische Staatsanleihen zu verkaufen. Einen Selective Default dürfte von der US-Regierung auf jeden Fall vermieden werden, da sie weiterhin Zins- und Tilgungszahlungen leisten kann

Also keine neue Weltwirtschaftskrise?

Die Herabstufung ist wohl mehr ein weiteres Signal für einen Abschwung. Dennoch wird deutlich, dass es bei dem Kompromiss um die Erhöhung der Schuldenobergrenze zu keiner nachhaltigen Verringerung des Schuldenproblems gekommen ist. Es gilt eher umgekehrt: der Spielraum für zukünftige Schulden ist weiter gestiegen. Dieser wurde von den USA auch nach all den anderen Erhöhungen des Schuldenlimits in den letzten Jahrzehnten immer rasch genutzt.

Dann kommt das Downgrade nicht überraschend.

Es war klar, dass die USA ihr Triple-A nicht würden halten können. Die strukturellen Probleme in der US-Wirtschaft sind zu gravierend. Die Vereinigten Staaten haben kein nachhaltiges Wirtschaftsmodell, das auf Sicht der nächsten Jahre ein nachhaltig hohes Wachstum schaffen könnte.

Zudem führen einschneidende Sparankündigungen – falls sie überhaupt realisiert werden - nicht selbstverständlich zu Erfolgen bei der Schuldenstabilisierung. Denn die Arbeitslosenquote ist hoch und die soziale Schieflage in der Bevölkerung groß, sodass der Widerstand der Bürger deutlich könnte.

Wird der US-Staatsanleihen-Markt in die Knie gehen?

Es wird zu keinem Ausverkauf an US-Anleihen kommen, da kaum Alternativen zur Verfügung stehen. Anleihen von Emerging Markets können es nicht sein, da sich deren Regierungen gegen die damit verbundenen Aufwertungen mit Kapitalverkehrskontrollen zur Wehr setzen dürften.

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  • Im Krisensommer 2011 offenbart sich der desaströse Zustand unserer Demokratien. Eine übermächtige Finanzwirtschaft führt Politik und Eliten vor.
    Seit dem Crash von 2008 wissen wir, dass nichts so irrational, gefährlich und unproduktiv ist wie das Meuteverhalten der Finanzakteure, die keinem anderen als dem eigenen Nutzen folgen…
    Jeder Staat meinte, „seine“ Wirtschaft optimal in Stellung bringen zu müssen, indem Kosten gesenkt, Verpflichtungen gelöst und außerdem sagenhaft viel Geld verdient werden konnte.
    Dieser neue Kapitalismus hat die Ideale und Stärken der Demokratien in einem Maß untergraben, wie kein äußerer Feind es gekonnt hätte. Die „Märkte“ sind zur Parallelgesellschaft des 21. Jahrhunderts geworden. Sie können jenseits der für alle anderen gültigen Maßstäbe von Haftung und Verantwortung handeln…
    Die Demokratien haben sich vom neuen Finanzkapitalismus ihr Selbstbewusstsein abkaufen lassen. Der Aufstieg der Demokratie war nicht möglich ohne die soziale und rechtliche Zivilisierung des Kapitalismus, ohne die Zurücksetzung der Macht der ökonomisch Stärkeren. Die alternden Demokratien kapitulieren vor ihr.
    Erst die Deregulierungseuphorie demokratischer Regierungen hat den sagenhaften Aufstieg der Finanzoligarchie möglich gemacht, und die Nebenwirkung trat sofort ein – die abrupt sinkende Fähigkeit zur politischen Selbstkorrektur. Noch eindrucksvoller als die Liste des zahlreichen Finanzcrashs ist die Unfähigkeit, daraus Konsequenzen zu ziehen…

  • warum alles so "negativ"... es ist doch schön, dass auch mal die "unfehlbaren" mächtigen Länder merken wie es ist, wenn man mit immer "enger-gesetzten" Parametern "gerated" wird und einem dadurch die Luft abgeschnürt wird (wie es bei vielen deutschen mittelständischen Betrieben passiert ist).... evtl. hilft das ganze ja - dass die Leute alle wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehren und wieder eine "vernünftige" Finanzpolitik betreiben (was auch die letzte Hoffnung ist). Das Problem an der Sache ist nur, dass alles Geld welches die Länder jetzt auf den Markt schmeissen, innerhalb kürzester Zeit verpufft und in den Händen von einigen wenigen Grosskapitalisten, hedge-Fonds, Investoren und Banken liegt....

  • Einer so objektiven Quelle wie diesem Weltungergangsblog kann ich natürlich nichts mehr entgegensetzen.

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