DNA-Analyse und Zeugen sollen weiter helfen
Fahndung nach Lindh-Mörder bislang erfolglos

Nach dem Mord an Schwedens Außenministerin Anna Lindh fahndet die Polizei mit Hochdruck nach dem flüchtigen Attentäter. Allerdings blieb die Jagd nach dem Mörder der Außenministerin auch in der zweiten Nacht nach dem Attentat erfolglos.

HB STOCKHOLM. Die Polizei setzt nach eigenen Angaben „alle verfügbaren Kräfte“ ein, um das Attentat vom Mittwoch in einem Kaufhaus der schwedischen Hauptstadt schnell aufzuklären. Der Täter hatte der unbewachten Lindh mehrere Messerstiche zugefügt und konnte anschließend flüchten.

Wie Polizeisprecher Mats Nylén im Rundfunk sagte, wurden bis Freitagmorgen vor allem Herbergen und andere typische Aufenthaltsorte für psychisch Gestörte und Drogenabhängige kontrolliert. Es hieß weiter, man gehe bei der Fahndung von einem allein Handelnden Täter mit einer oder mehreren Vorstrafen wegen Gewaltanwendung aus.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur TT sucht die schwedische Polizei mit zahlreichen Beamten auch in der Stockholmer Unterwelt nach Hinweisen auf den Mörder von Anna Lindh. Unter anderem würden derzeit einschlägige Herbergen und Schlupflöcher von Kriminellen überprüft. Auch am Hauptbahnhof und im Stockholmer Stadtpark würden verstärkt Personen kontrolliert. Zudem durchforste die Polizei Patientendaten von psychisch kranken und gewalttätigen Männern.

DNA-Spuren werden analysiert

Augenzeugen zufolge könnte der etwa 30 Jahre alte Angreifer Schwede sein. Der Täter habe verwahrlost gewirkt. Laut Medienberichten schließt die Polizei nicht aus, dass es sich beim Attentäter um einen möglicherweise drogenabhängigen Mann mit krimineller Vorgeschichte handeln könnte. Darauf deute die große Brutalität des Messeranschlags hin.

Außerdem fahndet die Stockholmer Polizei nach eigenen Angaben in einem bestimmten Personenkreis nach dem Mörder. Wie der zuständige Ermittlungschef Leif Jennekvist am Donnerstag mitteilte, suche man unter einer eingegrenzten Gruppe namentlich bekannter Männer. Er wollte keine Einzelheiten nennen. Die Auswertung der am Tatmesser gefundenen DNA-Spuren dauert noch an. Die Überwachungskameras des Kaufhauses lieferten dagegen keine brauchbaren Bilder.

Die Zeitung „Svenska Dagbladet“ zitierte in der Nacht zum Freitag auf ihrer Internetseite einen Polizeisprecher, der es für möglich hielt, dass der Täter Lindh schon vor dem Kaufhaus gefolgt sei. Es würden nun mit Hochdruck Zeugen gesucht, die Lindh auf dem Weg vom Außenministerium in eine Boutique und dann zum noblen NK-Kaufhaus beobachtet hätten.

Tiefe Trauer und Bestürzung

Bei einem Gedenkgottesdienst in der Stockholmer Domkirche hatten am Donnerstagabend das schwedische Königspaar, Regierungsmitglieder und hunderte Bürger Abschied von Schwedens beliebtester Politikerin genommen.

Das Attentat löste weltweit tiefe Trauer und Bestürzung aus. Die Sozialdemokratin war überzeugte Befürworterin des schwedischen Euro- Beitritts. Die Volksabstimmung über den Euro-Beitritt Schwedens wird trotz des Anschlags wie geplant am Sonntag stattfinden. Bis tief in die Nacht legten die Stockholmer Blumen und Briefe vor jenem Kaufhaus ab, in dem der unbekannte Täter die 46-jährige Sozialdemokratin am Mittwoch niedergestochen hatte.

Unterdessen wächst die Kritik am Vorgehen der Stockholmer Polizei. Wie 1986 beim Mord am damaligen Regierungschef Olof Palme, habe es in den ersten Minuten nach dem Mord Pannen gegeben, die dem Täter die Flucht erleichtert hätten. So seien nach Auslösung des Großalarms weder die U-Bahnen in der Stockholmer City noch der Straßenverkehr rund um den Tatort gestoppt worden.

Scharfe Kritik an der Säpo

Der unter Druck geratene Chef der Geheimpolizei Säpo, Kurt Malmström, lehnte in einem Interview einen Rücktritt ab. Politiker und Medien machen der für den Personenschutz zuständigen Behörde Vorwürfe, weil die Euro-Befürworterin Lindh in der zugespitzten innenpolitischen Lage vor dem Referendum am Sonntag keine Leibwächter um sich hatte.

Malmström sagte, er stehe zu der Einschätzung, dass es keine konkrete Gefährdungslage für die Ministerin gegeben habe. Auf die Frage, ob er als Säpo-Chef noch tragbar sei, antwortete der Topbeamte: „Das haben andere zu entscheiden.“ Säpo legt fest, welche schwedischen Spitzenpolitiker Personenschutz bekommen. Derzeit werden nur Ministerpräsident Göran Persson und die Königsfamilie rund um die Uhr bewacht.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur TT sucht die schwedische Polizei mit zahlreichen Beamten in der Stockholmer Unterwelt nach Hinweisen auf den Mörder von Anna Lindh. Unter anderem würden derzeit einschlägige Herbergen und Schlupflöcher von Kriminellen überprüft, berichtete TT am frühen Freitagmorgen. Auch am Hauptbahnhof und im Stockholmer Stadtpark würden verstärkt Personen kontrolliert. Zudem durchforste die Polizei Patientendaten von psychisch kranken und gewalttätigen Männern.

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