Doch nicht das Ende der Fahnenstange - Juppé bleibt vorerst im Amt
Juppé gibt sich kämpferisch

Geht er oder geht er nicht? Mehr als vier Tage lang hat Alain Juppé die Franzosen auf die Folter gespannt. Am vergangenen Freitag war dem „Kronprinzen“ von Staatspräsident Jacques Chirac „der Himmel auf den Kopf gefallen“ - er wurde wegen einer Finanzaffäre zu 18 Monaten Haft auf Bewährung samt Entzug des passiven Wahlrechts auf 10 Jahre verurteilt.

HB PARIS. Trotz der Verurteilung in dem Korruptionsverfahren will der frühere französische Ministerpräsident Alain Juppé in der Politik bleiben. Der Anwärter auf das Präsidentenamt kündigte am Dienstag im Fernsehen zudem an, das Urteil anzufechten. Das Urteil gilt als schwerer Schlag für die Ambitionen Juppés, 2007 französischer Präsident zu werden, sollte Amtsinhaber und Parteifreund Jacques Chirac nicht zur Wiederwahl antreten.

Juppé hatte Wochen vor dem Urteil angekündigt, er wolle sich ins Privatleben zurückziehen, falls er nicht mehr gewählt werden könnte. Er legte dann jedoch am Dienstag Berufung gegen das Urteil ein. Juppé, der auch Bürgermeister von Bordeaux und Abgeordneter ist, will alle Ämter bis zu einer Entscheidung in seinem Berufungsverfahren weiter ausüben. Er lasse jene, die ihn brauchten, nicht einfach im Stich, sagte er.

Der Vorsitzende von Chiracs Regierungspartei UMP wählte die Hauptnachrichten des Fernsehsenders TF1, um am Dienstag in einer Botschaft an seine Landsleute zu verkünden, wie es weitergehen soll. Juppé behält vorerst alle seine Ämter: „Man geht nicht so Knall auf Fall und lässt jene zurück, die einem sagen, dass man gebraucht wird.“

Juppé überraschte damit das politische Frankreich. Zwar hatte Chirac ihn bekniet, jetzt nicht das Handtuch zu werfen, sondern diese Sache bis zum Berufungsprozess durchzustehen. Tränen hatten Juppés Parteifreunden am Dienstag in den Augen, als er sie vor seinem Fernsehtermin traf - und alles sah bereits nach Abschiedstrauer aus. „Wenn Juppé Parteichef bleibt, kann uns das teuer zu stehen kommen“, hatte es aus einem Ministerium noch geheißen - wegen der Regionalwahlen im März, bei denen Chiracs Regierungslager Federn lassen dürfte. Doch Juppé will seinem Lager und vor allem Chirac doch weiterhin nützlich sein - wobei „beim nächsten UMP-Kongress ein neuer Parteichef her muss.“

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert ist der ehrgeizige Finanzfachmann jetzt schon der Getreue des heutigen Präsidenten und damit einer der erfahrendsten Politiker Frankreichs. Der konservative Chirac machte ihn zum wichtigsten Pfeiler seines Machtapparates. Nach Juppés recht drastischer Verurteilung wegen der Finanzaffäre stellte sich der 71-jährige Chirac einmal mehr ganz demonstrativ - und mit Erfolg - hinter seinen „Stellvertreter“ aus dem Südwesten.

Während eines Neujahrsempfangs für die Presse hatte Juppé mit Blick auf seine Zukunft gesagt, sollte das Gericht ihm tatsächlich das passive Wahlrecht nehmen: „Ich verlasse dann das politische Leben, ich werde etwas anderes machen. Wenn man in die Politik geht, muss man gewählt sein, sonst macht das keinen Sinn.“ Doch jetzt sieht er dies etwas anders. Die Affäre um Parteienfinanzierung, bei der die Immunität den Präsidenten vor der Anklagebank bewahrt hat, drohte Chirac der Verlust seiner großen Stütze. Ohne den „Kronprinzen“ müsste er 2007 doch selbst wieder als Kandidat antreten. Jetzt bleibt Juppé an seiner Seite - zumindest bis zu dem Berufungsprozess, so gegen Jahresende.

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