Dokumente freigegeben
CIA setzte Mafia auf Fidel Castro an

Vermutet wurde es seit Jahrzehnten, jetzt ist es amtlich: Der US-Geheimdienst CIA hat 1960 zwei der meistgesuchten Verbrecher des Landes angeheuert, um den kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro vergiften zu lassen. Dies belegen Unterlagen, die die klandestine Behörde jetzt freigab.

HB WASHINGTON. Aus jetzt veröffentlichten Dokumente des Geheimdienstes geht hervor, dass der CIA-Mitarbeiter Richard Bissell im August 1960 bei dem Dienst nach der Möglichkeit fragte, bei einem „sensiblen Projekt in Gangster-Manier“ zu helfen. „Ziel des Projekts war Fidel Castro.“ Man habe beim Gangster Johnny Roselli angefragt, ob er bei einem Attentat auf Castro helfen könne. Bei der CIA sei man davon ausgegangen, dass Roselli ein hochrangiges Mafia-Mitglied sei.

Dabei habe der Geheimdienst Roselli eine Lügengeschichte aufgetischt: Ihm sei erzählt worden, mehrere internationale Firmen hätten durch Castros Vorgehen viel Geld in Kuba verloren und seien bereit, für seine Beseitigung 150 000 Dollar zu zahlen. „Roselli wurde klar gemacht, dass die US-Regierung von dem Vorhaben nichts weiß und auch nichts wissen soll“, heißt es in einem Papier.

Die Dokumente lesen sich zum Teil wie ein billiger Krimi: Der Plan wurde Roselli im Hilton Plaza Hotel in New York unterbreitet. Er reagierte zunächst kühl. Der Kontakt habe die CIA dann aber zu zwei Top-Kriminellen geführt, die beide auf der Liste der damals meistgesuchten Männer in den USA standen: Momo Salvatore Giancana - alias „Sam Gold“ - und Santos Trafficant. Giancana erschien der Einsatz von Schusswaffen problematisch. Er habe eine Giftpille vorgeschlagen, die Castro ins Essen oder in ein Getränk gemischt werden sollte.

Letztlich seien sechs Giftpillen einem Kubaner übergeben worden, der Zugang zu Castro gehabt habe und in finanziellen Problemen steckte. „Nach einigen Wochen, an denen über mehrere Anschlagversuche berichtet wurde, bekam Orta plötzlich kalte Füße und wollte aus der Sache aussteigen“, heißt es in einem Dokument. „Er schlug einen anderen Kandidaten vor, der ebenfalls mehrmals erfolglos einen Anschlag versuchte.“

Die Dokumente geben auch Aufschluss über andere Attentats-, Entführungs- und Spionageversuche der CIA über einen Zeitraum von 25 Jahren hinweg. CIA-Direktor Michael Hayden hat die Freigabe angeordnet, um den Schleier der Geheimhaltung über die Vergangenheit des CIA zu lüften.

Viele grobe Züge aus den Dokumenten waren bereits in den vergangenen Jahren durch Untersuchungen des Kongresses bekannt geworden. Nun aber liegen zahlreiche Details vor, die bislang unbekannt waren, so etwa zum „Watergate“-Skandal, der zum Rücktritt von US-Präsident Richard Nixon führte.

Nach Angaben der kubanischen Regierung gab es in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 600 Versuche, Castro zu töten. Erst vor wenigen Tagen hatte der 80-jährige Staatschef US-Präsident George W. Bush vorgeworfen, seine Ermordung angeordnet zu haben. Angesichts der bevorstehenden Veröffentlichung der CIA-Dokumente hatte die kommunistische Parteizeitung „Granma“ bereits am Samstag geschrieben: „Auf Befehl des Weißen Hauses, versuchte die CIA, Präsident Fidel Castro und andere Persönlichkeiten zu töten.“ Nun bestätige sich das, was bereits vermutet worden sei.

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