Dokumente veröffentlicht
„New York Times“ legt im BND-Streit nach

Die "New York Times" wehrt sich gegen die Anschuldigungen einer falschen Berichterstattung über die Kooperation deutscher BND-Agenten mit den USA. Nach dem vehementen Dementi aus Berlin legte die Zeitung jetzt Auszüge aus Dokumenten des US-Generalstabs vor, die ihre Darstellung der Ereignisse unterstreichen sollen.

HB BERLIN. Die Zitate aus den Archiven des US-Generalstabs waren in den Online-Ausgaben der "New York Times" und der „International Herald Tribune“ am Dienstag abrufbar. Dabei geht es um den Verteidigungsplan für Bagdad von Diktator Saddam Hussein, der bei einem Strategietreffen am 18. Dezember 2002 hohen Offizieren vorgestellt worden sein soll.

Die Zitate sind von Spezialausdrücken und dem für Militärenglisch typischen Abkürzungen geprägt. Zu der grafischen Darstellung, die den Verteidigungsplan des Diktators Saddam Hussein für Bagdad vom Dezember 2002 illustrieren soll, heißt es: „Die USA erhielten die Zeichnung im Feb 03. Die Folie wurde im Februar dem Deutschen Aufklärungs-Verbindungsoffizier in Katar übergeben, der sie dem DIA-Vertreter im vorgeschobenen Zentrakommando (in Katar) übergab. DIA leitet sie dann an die Aufklärungsabteilung im Zentrakommando im Feb (Februar) weiter.“ (DIA ist der Pentagon-Geheimdienst Defense Intelligence Agency)

Weiter wird zitiert: „Die Deutschen hatten zwei Agenten, die vor dem Beginn des Krieges in Bagdad tätig waren. Die Folie wurde den Deutschen von einer ihrer Quellen in Bagdad übergeben (Identität der deutschen Quelle unbekannt). Als die Bomben fielen, stellten die Agenten ihre Tätigkeit ein und begaben sich in die französische Botschaft.“

Diese Eintragungen legen nach Darstellung von "New York Times" und der „International Herald Tribune“ nahe, dass die Aufklärungsabteilung des Zentralkommandos über diese Informationen verfügte. Zur Erläuterung hieß es, dass das Zentralkommando (Centcom) der USA (in Florida) vom Oberbefehlshaber, General Tommy Franks, geleitet worden sei. Das vorgeschobene Zentralkommando (Centcom Forward) sei Franks Befehlsstelle in Katar gewesen.

An einer anderen Stelle kommt die Studie den Berichten zufolge noch einmal in Kurzform auf den Weg der grafischen Darstellung des Verteidigungsplans zurück: „Deutsche Personenquelle übergab US vor Krieg.“ Wieder an anderer Stelle heißt es: „Irakischer Plan in Bagdad präsentiert am 18. Dez. 02. Erhalten durch Personenquelle im Feb 03.“

Die Bundesregierung reagierte auf die neuen Darstellungen vorerst nicht. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm hatte am Montag in der Bundespressekonferenz erklärt, die Behauptung, zwei BND-Mitarbeiter in Bagdad hätten den Plan Saddam Husseins zur Verteidigung der irakischen Hauptstadt beschafft und bereits einen Monat vor Kriegsausbruch 2003 den USA übermittelt, sei falsch. „Dem Bundesnachrichtendienst und damit auch der Bundesregierung war bislang weder ein solcher Plan bekannt noch hatte der BND Kenntnis von dem in der „New York Times' berichteten Treffen Saddam Husseins mit seinen Kommandeuren am 18. Dezember 2002.“ Nahezu gleich lautend hatte sich der BND geäußert.

Weder die „New York Times“ noch die „International Herald Tribune“ hatten allerdings den Begriff BND in ihren Berichten benutzt. Am Abend verteidigte New-York-Times“-Chefredakteuer Bill Keller den Artikel gegen Wilhelms hartes Dementi. Die Militärstudie als Grundlage des Artikels sei „eindeutig und klar“, was deutsche Beteiligung betreffe, erklärte Keller.

Die „International Herald Tribune“ kam auf die Äußerung Wilhelms noch einmal zurück. In der Dienstag-Ausgabe hieß es, nach der Pressekonferenz sei der Regierungssprecher noch einmal kontaktiert worden. Er habe unterstrichen, dass Unklarheiten nicht beabsichtigt gewesen seien. Er habe den BND zur Vorbereitung der Pressekonferenz am Morgen angerufen und die Information weitergegeben, die der BND ihm gegeben habe. Das hatte er bereits auf der Pressekonferenz selbst deutlich gemacht: „Ich kann Ihnen nur noch einmal sagen, was ich heute Morgen durch den Bundesnachrichtendienst als Information auf den Tisch bekam, wonach die Behauptung - die die „New York Times' heute aufstellt in all ihren Details - falsch ist.“

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