Dollar-Abhängigkeit
China lockert Yuan-Geschäfte

China setzt kurz vor dem Beginn des G8-Gipfels in Italien die Bemühungen fort, sich stärker aus der Abhängigkeit des Dollar zu lösen. Allerdings sehen Experten eine neue Regelung, nach der ausgewählte Firmen ihre grenzüberschreitenden Geschäfte in Yuan abwickeln dürfen, eher als einen Versuchsballon, die chinesische Währung zu internationalisieren.

PEKING. „Bis der Yuan eine Leitwährung wird, ist es noch ein langer Weg“, so Stephen Green, China-Analyst bei Standard Chartered in Schanghai.

Der von Peking vorgelegte Plan sieht zunächst Firmen in Hongkong und Macau sowie in Südchina vor. Später soll die Yuan-Abwicklung auf andere asiatische Länder erweitert werden. Damit sollen Exporteure stärker vor Wechselkursschwankungen geschützt werden. Chinas Ausfuhren sind durch die globale Rezession stark eingebrochen. Die Branche leidet besonders, viele Exportfirmen in Südchina mussten bereits schließen.

Die Ankündigung Pekings kommt pünktlich zum G8-Gipfel. Auf dem am Mittwoch in L’Aquila beginnenden Treffen wird auch die Rolle des Dollar als weltweite Reservewährung Thema sein. Peking hatte schon vor Monaten die Leitwährung infrage gestellt. „Die Finanzkrise hat Mängel des internationalen Währungssystems offen zutage treten lassen“, sagte Vizeaußenminister He Yafei am Donnerstag. Wegen der Schwankungen des Dollar-Kurses und des ausufernden Haushaltslochs der USA wächst bei vielen Schwellenländern der Wunsch nach einer Alternative. Russland und Indien haben sich bereits diesem Ruf angeschlossen. Die grenzüberschreitenden Yuan-Geschäfte werden bei Goldman Sachs darum auch als Schritt zu einer Internationalisierung des Yuan gesehen. Eine „Erhöhung des Yuan-Umlaufs ebnet dafür den Weg“, erklärte die US-Investmentbank. „Es ist Chinas erster Schritt auf dem Weg, dem Yuan globale Bedeutung zu verschaffen“, meint auch Shi Lei, Analyst bei Bank of China.

Allerdings wird das Ausmaß der Geschäfte zunächst stark begrenzt, wie die Notenbank am Wochenende mitteilte. Unklar ist bislang auch, wie viele Firmen an dem „Pilotprojekt“ teilnehmen dürfen. Experten gehen zunächst von 100 Firmen aus. Abgewickelt werden darf er Handel zudem nur von wenigen Banken, allen voran von der Bank of China.

Es gebe zu viele Beschränkungen, kritisierte bereits kurz nach Inkrafttreten der Regelung am Donnerstag der Hongkonger Industrieverband. Zur Motivation für Yuan-Abrechnung werden den Firmen zudem Steuererleichterungen geboten.

Dies sei der eigentliche Anreiz an dem neuen System, so Experten. Chinas Landeswährung ist nicht konvertibel. Dies gilt als einer der Hauptgründe, warum China bei der Asienkrise Ende der 1990-Jahre ungeschoren davongekommen ist. Allerdings sehen Experten dies auch als Hürde für einen Einsatz als künftige Leitwährung.

Peking hatte 2005 die Anbindung des Yuan an den Dollar offiziell fallen gelassen. Doch der Yuan ist praktisch weiter an den Dollar gekoppelt. Seitdem hat Chinas Währung über 20 Prozent zum Dollar aufgewertet. Hongkongs Firmen seien darum interessiert, in Yuan zu verrechnen, da sie davon ausgehen, dass der Yuan langfristig um drei Prozent jährlich zulegen wird, hieß es zur Begründung des Projekts. Seit Beginn der Finanzkrise hält Peking aber den Wechselkurs weitgehend stabil. Die ersten Geschäfte auf Yuan-Basis sollen bereits diesen Monat abgewickelt werden. Chinesische Banker gehen davon aus, dass nach Anlaufen des Programms die Hälfte des grenznahen Handels in Yuan abgewickelt werden könnte. Ähnliche Vereinbarungen wurden bereits mit acht angrenzenden Regionen vereinbart.

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