Dollarschwemme
Schäuble giftet gegen die Fed

Die US-Zentralbank will die schwache Konjunktur mit der Notenpresse ankurbeln. Kritiker bezweifeln die Wirksamkeit und sprechen von einem „Sündenfall“. Auch Bundesfinanzminister Schäuble reagiert scharf und wirft den USA vor, der Finanzwelt zusätzliche Probleme zu bereiten.
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HB BERLIN. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat die jüngste Maßnahme der US-Notenbank zur Ankurbelung der Wirtschaft als Bruch internationaler Abmachungen kritisiert. Die großen Wirtschaftsprobleme der USA seien mit noch mehr Schulden nicht zu lösen, sagte Schäuble am Donnerstagabend den ARD-„Tagesthemen“. „Das war übrigens gemeinsame Politik, der sich noch alle Industrieländer, auch die USA, beim G20-Gipfel in Toronto (...) ausdrücklich verpflichtet haben.“

US-Notenbankchef Ben Bernanke verteidigte dagegen den geldpolitischen Kurs der Federal Reserve. Die US-Notenbank hatte am Mittwoch verkündet, Staatsanleihen für 600 Milliarden Dollar zu kaufen. Nach den Worten Schäubles bereiten die USA der internationalen Finanzwelt damit zusätzliche Probleme. Experten fürchten eine ausufernde Inflation sowie eine Verschärfung der weltweiten Währungsungleichgewichte.

„Wir werden das auch in bilateralen Gesprächen, aber natürlich auch beim G20-Gipfel in der kommenden Woche in Südkorea mit unseren amerikanischen Freunden kritisch ansprechen“, kündigte der Minister an. Die USA wollen mit dem umstrittenen Manöver die Kreditzinsen senken, um auf diese Weise die schleppende Nachfrage anzukurbeln.

Die neue Milliardenstütze der US-Notenbank lässt Europas Währungshüter kalt. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet stellte am Donnerstag klar, dass die Europäische Zentralbank (EZB) an ihrem Kurs festhält und den Geldhahn allmählich zudrehen wird. Notenbankchef Bernanke schrieb in einem Beitrag für die „Washington Post“, der Kauf von Staatsanleihen in dieser Höhe könne durchaus die lahmende Konjunktur ankurbeln. „Dieser Ansatz hat die finanziellen Rahmenbedingungen in der Vergangenheit entspannt und bislang sieht es so aus, als wäre er abermals wirkungsvoll.“

Schäuble entgegnete, die US-Notenbank habe bereits in der Vergangenheit „unendlich viel Geld in die Wirtschaft“ gepumpt. „Die Ergebnisse sind trostlos“, bilanzierte der Minister im ZDF-„heute- journal“. Der Arbeitsmarkt sei im Land weiter schwierig und die Lage der Wirtschaft schlecht. Deshalb wäre es nach den Worten Schäubles im Interesse der USA besser, erst diese Probleme zu lösen, anstatt Mittel anzuwenden, die heute nicht mehr taugten.

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  • @Realist. Natürlich ist die Geldflut ein fressen für investmentbanker und wallstreet. Die sacken doch das Geld ab und schieben es sich gegenseitig zu. Das zeigt doch, daß unter dem etikett der angeblichen "Krisenbekämpfung" Milliardengelder an die spekulanten fließen und die börse steigt.
    Sie meinen nun, der arbeiter hätte etwas von dieser Geldschwemme; ich glaube es kaum. das Geld dürfte kaum in die wirtschaft fließen, das wird von den bankstern und anlegern abgesackt. Wenn GM kredit braucht, so wird es diesen am kapitalmarkt sowieso bekommen, dazu braucht es kein Gelddrucken. Natürlich ist also die FED ein helfershelfer des shareholder Value. auf biegen und brechen sollen die aktienkurse steigen. Und wenn man nun fragt, wer besitzt denn aktien ? -die arbeitnehmer wohl kaum, die erhalten allenfalls ein paar cents von dem geld, mehr bestimmt nicht. die fratze des Shareholder value zeigt sich darin, daß die USA jetzt uhne rücksicht auf ihre angeblichen hochgelobten "Partner", u.a. Deutschland, eine extrem egoistische geldpolitik macht. Den schaden dieser Politik haben die anderen nationen, was bernanke aber nicht im geringsten stört. wenn nun die anderen mit egoismus nachziehen, was ja verständlich wäre, haben wir den Abwertungswettlauf und konjunktureinbruch.

  • Aufwachen bitte. Es geht nicht um 600 Mrd Cash, sondern um die Möglichkeit, aus diesen Werten Zinslasten über Kreditvergabe zusätzlich aufzublasen. bis die blase platzt. Wir haben gesehen und werden sehen, wer die Fetzen aufsammeln und entsorgen muss.
    Amiland ist Egoland. Das kommt leider als nicht unerhebliche Tatsache dazu. Jeder der Zinsen vereinnahmt profitiert. Die meisten Unternehmen und da ist GM ein gutes beispiel hängt nur noch am Tropf der Geldgeber, trotz neuerlicher Umsätze. Womit machen große Konzerne denn heute den größeren Teil ihres income? Doch nicht mit den Produkten, sondern mit banking und investment. Alle anderen zahlen die Zinsen, einige brechen unter der Last zusammen. Geldpolitik wirkt nicht global, es wirkt nur so...

  • @ No.7

    Häää? Shareholder Value und FED? Können Sie das erklären? Wirkt die gewachsene bzw. wachsende Geldmenge etwa nur für Shareholder??? Oder hat nicht auch der kleine Arbeiter bei - sagen wir mal GM - etwas davon, wenn billiges Geld seinen Konzern finanziert und so überhaupt am Leben hält??????
    Dachte immer, Geldpolitik würde "global" wirken - und nicht nur für Shareholder!

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